Dreirad für Erwachsene transportieren: Was wirklich geht

Heckträger, Anhänger oder zerlegen: Warum normale Fahrradträger an Dreirädern scheitern, was die Stützlast hergibt und was § 22 StVO verlangt.

E-Trikes & Dreiräder Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Wer ein Dreirad für Erwachsene besitzt, merkt spätestens vor dem ersten Urlaub: Das Rad passt weder in den Kofferraum noch auf den vorhandenen Fahrradträger. Zwei Zahlen erklären das Problem, und beide stehen im Datenblatt des Rades.

Die drei Maße, die über alles entscheiden

Vor jeder Transportlösung steht die Bestandsaufnahme. Drei Werte aus dem Datenblatt entscheiden, welche Wege überhaupt offen stehen:

Die Breite. Sie ist das Merkmal, das ein Dreirad von jedem Zweirad trennt. Van Raam veröffentlicht die Werte für die eigene Modellpalette:

ModellBreite
Easy Go72 cm
Easy Rider Compact73 cm
Midi und Maxije 75 cm
Easy Sport Small77 cm
Easy Rider78 cm
Easy Sport80 cm
Thuja85 cm
Mehrpersonen-Modelle75 bis 113 cm

Das Gewicht. Der Hersteller gibt für den Easy Rider je nach Rahmengröße rund 49 bis 51 Kilogramm an. Das Dreirad-Zentrum nennt für den Easy Rider II und III rund 43 Kilogramm und für den Easy Rider Compact 51,2 Kilogramm. Deutlich leichter sind Liegedreiräder: Ein Hase Kettwiesel Lepus Steps wiegt 30,5 Kilogramm, ein Scorpion fs20 rund 17,5 Kilogramm.

Die Länge. Der Easy Rider misst je nach Rahmengröße 202 bis 242 Zentimeter. Diese Zahl entscheidet später über den Überstand nach hinten und über die Frage, ob das Rad in einen Anhänger passt.

Warum der normale Fahrradträger ausfällt

Ein Kupplungsträger für Fahrräder nimmt jedes Rad in einer Längsschiene auf, und die Schienen liegen hintereinander in Fahrtrichtung. Diese Bauweise setzt voraus, dass ein Fahrzeug genau zwei Räder in einer Spur hat. Beim Dreirad stehen zwei Räder nebeneinander, und die Achse ist breiter als der gesamte Träger.

Selbst wo eine Aufnahme gelingt, endet es beim Gewicht. Standard-Kupplungsträger sind auf zwei Fahrräder von je 20 bis 25 Kilogramm ausgelegt. Ein Erwachsenendreirad bringt allein so viel auf die Waage wie beide zusammen, und es verteilt diese Last auf drei Aufstandspunkte, von denen zwei außerhalb der Schienen liegen.

Balkendiagramm mit drei Zeilen für Stützlasten von 50, 75 und 100 Kilogramm. Jeder Balken zeigt, was nach Abzug des Trägereigengewichts von 20 Kilogramm für das Dreirad übrig bleibt: 30, 55 und 80 Kilogramm. Drei gestrichelte senkrechte Linien markieren reale Radgewichte auf derselben Skala: ein Liegedreirad mit 17,5 Kilogramm, ein Hase Kettwiesel mit 30,5 Kilogramm und ein Van Raam Easy Rider Compact mit 51,2 Kilogramm. Die Linie des Easy Rider Compact liegt rechts vom Balken der 50-Kilogramm-Stützlast und rechts neben dem Balkenende der 75-Kilogramm-Stützlast.

Über die Tragfähigkeit entscheidet der Rest, der nach dem Träger von der Stützlast übrig bleibt. Bei 50 Kilogramm Stützlast passt nur ein Liegedreirad.

Was die Stützlast wirklich erlaubt

Die Stützlast ist die Kraft, die senkrecht auf den Kugelkopf der Anhängerkupplung wirken darf. Sie steht in den Fahrzeugpapieren und auf dem Typenschild der Kupplung, und es gilt immer der kleinere der beiden Werte.

Die Rechnung, die viele überspringt, ist einfach:

  1. Zulässige Stützlast ablesen, zum Beispiel 75 Kilogramm.
  2. Eigengewicht des Trägers abziehen. Bei Dreiradträgern sind das rund 20 Kilogramm, beim Allround-Träger 19 Kilogramm.
  3. Der Rest steht dem Rad zur Verfügung, im Beispiel also 55 Kilogramm.

Ein Easy Rider Compact mit 51,2 Kilogramm passt damit knapp, ein E-Dreirad mit Akku sprengt den Rahmen. Genau deshalb empfehlen Anbieter von Dreiradträgern mindestens 90 Kilogramm Stützlast. Wer im Zweifel ist, wiegt das eigene Rad auf einer Personenwaage: einmal mit, einmal ohne Akku.

Zu beachten bleibt außerdem das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs. Träger und Rad zählen als Zuladung, und wer mit vollem Auto in den Urlaub fährt, verliert diese Reserve schnell.

Spezialträger für Dreiräder: was sie können und kosten

Es gibt Träger, die genau für diesen Zweck gebaut sind. Sie nehmen das Dreirad in voller Breite auf und stützen alle drei Räder.

MerkmalWert
Traglast, Anbindungssystem A 200080 kg
Traglast, Anbindungssystem UT 2020120 kg
Eigengewicht ohne Radrund 20 kg
Eigengewicht mit montiertem Radrund 24,5 kg
Preis für ein Dreirad1.615 bis 1.775 €
Preis mit zusätzlichem Fahrrad2.055 bis 2.075 €

Die Preise stammen vom Dreirad-Zentrum und gelten für Systeme, die auf das jeweilige Radmodell abgestimmt sind. Der Allround-Heckträger aus Leichtmetall trägt 80 Kilogramm bei 19 Kilogramm Eigengewicht und wird mit einer Klemmschelle auf der Kupplung befestigt.

Wichtig beim Kauf sind zwei Maße, die im Datenblatt des Trägers stehen: die maximale Spurweite und der maximale Radstand der Aufnahme. Ein verbreiteter Dreiradträger nennt hier 67 Zentimeter Spurweite und 140 Zentimeter Radstand bei 75 Kilogramm Zuladung. Diese Werte gehören vor der Bestellung gegen das eigene Rad geprüft, denn die vom Hersteller angegebene Breite ist die Außenbreite und liegt über der Spurweite zwischen den Radmitten.

Der Anhänger: die entspannte Lösung

Ein kleiner Pkw-Anhänger löst fast alle Probleme auf einmal. Er nimmt das Rad in voller Breite auf, die Auffahrschiene erspart das Heben von 50 Kilogramm, und die Kupplung trägt nur die Deichsellast statt der vollen Radlast.

Dem stehen die bekannten Nachteile gegenüber: Stellplatz, Zulassung, Versicherung, ein zweites Kennzeichen und die Fahrpraxis mit Anhänger. Wer nur ein- oder zweimal im Jahr transportiert, mietet ihn beim Baumarkt für einen Tagespreis, der weit unter jeder Trägeranschaffung liegt.

Für den Anhängerbetrieb gilt in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, mit entsprechender Zulassung und Tempo-100-Plakette auch 100 km/h. Die Stützlast der Deichsel und die Anhängelast des Zugfahrzeugs stehen wieder in den Fahrzeugpapieren.

Im Auto: zerlegen statt tragen

Der dritte Weg führt in den Innenraum, und er funktioniert öfter als gedacht. Viele Erwachsenendreiräder lassen sich teilweise zerlegen:

Die Grenze setzt die Hinterachse. Bei den meisten Bauformen bleibt sie mit beiden Rädern eine Einheit und bestimmt damit die Ladebreite von rund 70 bis 85 Zentimetern. Ein Kombi mit umgelegter Rückbank schafft das, ein Kleinwagen nicht.

Vor dem Kauf eines Dreirads lohnt deshalb die Frage nach der Zerlegbarkeit. Sie kostet nichts und entscheidet später über jeden Ausflug. Wie sich ein Erwachsenendreirad überhaupt fährt und worauf es bei der Eingewöhnung ankommt, klärt der Ratgeber zum Dreiradfahren für Erwachsene.

Was die StVO beim Überstand verlangt

Sobald das Rad hinten übersteht, greift § 22 StVO. Die Regeln sind kurz und werden trotzdem regelmäßig übersehen:

Dazu kommt eine Regel, die nicht in § 22 steht und trotzdem jede Kontrolle bestimmt: Kennzeichen und Beleuchtung des Fahrzeugs dürfen nicht verdeckt werden. Kupplungsträger bringen dafür eine eigene Leuchtenleiste und einen Halter für das wiederholte Kennzeichen mit. Wer ein Rad quer auf einen Anhänger legt, prüft beides vor der Abfahrt.

Sichern: die Handgriffe vor der Abfahrt

Die Grundregel steht in § 22 Abs. 1 StVO: Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie „selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen” kann. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. Für den Transport eines 50-Kilogramm-Rades heißt das konkret:

Der Windwiderstand ist beim Dreirad größer als bei zwei Fahrrädern nebeneinander, weil die Sitzfläche quer steht. Das kostet Sprit, macht das Heck unruhiger und ist ein guter Grund, die Reisegeschwindigkeit etwas zurückzunehmen.

Mit der Bahn

Für Dreiräder ist die Bahn ein schwieriges Terrain. Im Fernverkehr sind Tandems, Liegeräder und große Dreiräder über 120 Zentimetern von der Mitnahme ausgeschlossen. In Nahverkehrszügen ist sie möglich, aber an Bedingungen geknüpft: Es muss im Einzelfall ausreichend Platz vorhanden und die sichere Unterbringung gewährleistet sein.

Eine Sonderregel gilt für orthopädische Hilfsmittel. Ein kleines Dreirad unter 120 Zentimetern kann mit Reservierung auf dem Rollstuhlstellplatz mitfahren. Wer diesen Weg gehen will, klärt ihn vorab über die Mobilitätsservicezentrale, denn spontan lässt sich das am Bahnsteig nicht regeln.

Fazit

Die Transportfrage entscheidet sich an zwei Zahlen aus dem Datenblatt: Breite und Gewicht. Beide schließen den vorhandenen Fahrradträger in aller Regel aus, und beide führen zu einer Rechnung, die viele überspringen: Stützlast minus Trägergewicht ergibt das, was dem Rad bleibt.

Für den regelmäßigen Transport ist der Spezialträger die bequemste Lösung, kostet mit 1.600 Euro aufwärts aber so viel wie ein günstiges Dreirad. Wer selten transportiert, fährt mit einem gemieteten Anhänger deutlich günstiger. Und wer noch vor dem Kauf des Rades steht, nimmt die Zerlegbarkeit gleich mit in die Entscheidung auf, weil sie später jeden Ausflug einfacher macht.

Rechtsstand September 2026. Rechtsgrundlage für Maße und Kennzeichnung ist § 22 StVO. Maße und Gewichte nach Herstellerangaben von Van Raam sowie Angaben des Dreirad-Zentrums, Beförderungsregeln nach den Angaben der Deutschen Bahn.

Häufige Fragen

Passt ein Erwachsenendreirad auf einen normalen Fahrradträger?

In aller Regel nicht. Ein Kupplungsträger nimmt Räder in Längsschienen auf, die für ein einzelnes Rad je Schiene ausgelegt sind. Ein Dreirad steht mit zwei Rädern nebeneinander, und die Gesamtbreite liegt je nach Modell zwischen 72 und 85 Zentimetern. Dazu kommt das Gewicht: Erwachsenendreiräder wiegen 40 bis über 50 Kilogramm und liegen damit über der Zuladung vieler Standardträger.

Wie breit ist ein Dreirad für Erwachsene?

Van Raam gibt für die Einpersonen-Modelle Breiten von 72 bis 85 Zentimetern an: Easy Go 72 cm, Easy Rider Compact 73 cm, Midi und Maxi je 75 cm, Easy Sport Small 77 cm, Easy Rider 78 cm, Easy Sport 80 cm und Thuja 85 cm. Mehrpersonen-Dreiräder reichen von 75 bis 113 Zentimetern.

Welche Stützlast braucht der Transport auf der Anhängerkupplung?

Anbieter von Dreiradträgern empfehlen mindestens 90 Kilogramm Stützlast. Der Grund ist die Rechnung: Vom zulässigen Wert geht zuerst das Eigengewicht des Trägers ab, das bei Dreiradträgern bei rund 20 Kilogramm liegt. Erst der Rest steht dem Rad zur Verfügung. Maßgeblich ist der kleinere der beiden Werte aus Fahrzeugschein und Typenschild der Kupplung.

Was kostet ein spezieller Dreiradträger?

Deutlich mehr als ein Fahrradträger. Beim Dreirad-Zentrum liegen die Systeme je nach Radmodell zwischen 1.615 und 1.775 Euro für ein Dreirad, mit zusätzlichem Fahrrad zwischen 2.055 und 2.075 Euro. Die Traglast beträgt je nach Anbindungssystem 80 oder 120 Kilogramm, das Eigengewicht rund 20 Kilogramm.

Wie weit darf das Dreirad nach hinten überstehen?

Nach § 22 StVO darf die Ladung höchstens 1,50 Meter über die Rückstrahler hinausragen, bei Beförderungsstrecken bis 100 Kilometer bis zu 3 Meter. Ab mehr als einem Meter Überstand ist eine hellrote Fahne von mindestens 30 mal 30 Zentimetern mit Querstange vorgeschrieben, bei Dunkelheit zusätzlich eine rote Leuchte und ein Rückstrahler in höchstens 90 Zentimetern Höhe.

Darf ich ein Dreirad in der Bahn mitnehmen?

Im Fernverkehr sind Tandems, Liegeräder und große Dreiräder über 120 Zentimetern nicht zugelassen. In Nahverkehrszügen ist die Mitnahme möglich, wenn im Einzelfall genug Platz vorhanden und die sichere Unterbringung gewährleistet ist. Kleine Dreiräder unter 120 Zentimetern als orthopädisches Hilfsmittel brauchen eine Reservierung auf dem Rollstuhlstellplatz.

Lässt sich ein Erwachsenendreirad zerlegen?

Viele Modelle lassen sich teilweise zerlegen: Sitz abnehmen, Lenker klappen, Akku entnehmen. Die Hinterachse mit den beiden Rädern bleibt bei den meisten Bauformen als Einheit bestehen und bestimmt damit die Ladebreite. Vor dem Kauf lohnt die Frage nach der Zerlegbarkeit, weil sie über den Transport im Kombi entscheidet.

Was ist die günstigste Transportlösung?

Ein gebrauchter Pkw-Anhänger mit Auffahrschiene. Er kostet einen Bruchteil eines Spezialträgers, belastet die Stützlast nur mit der Deichsellast und nimmt das Rad in voller Breite auf. Der Preis dafür sind Stellplatz, Zulassung und die Fahrpraxis mit Anhänger.

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