Wer am Trike den Reifendruck prüfen will, steht vor einer Besonderheit, die kein anderes Fahrzeug so hat: Vorn sitzt ein Motorradreifen, hinten sitzen Pkw-Reifen, und beide wollen etwas völlig anderes. Ein einziger Sollwert für alle drei Räder existiert deshalb nicht.
Zwei Reifenwelten an einem Fahrzeug
Der Blick auf die technischen Daten von Rewaco zeigt die Ausgangslage deutlich. Der Hersteller nennt für das Vorderrad 180/55 ZR 17 auf einer Felge mit 5 Zoll Maulweite, wahlweise 200/50 ZR 17. Hinten stehen je nach Modell 255/45 ZR 17 auf 8,5 Zoll, 295/35 ZR 18 auf 11 Zoll oder 305/30 ZR 19 auf 11 Zoll in der Liste.
Die Größe vorn ist eine klassische Motorradgröße, die Größen hinten stammen aus der Pkw- und Sportwagenwelt. Diese Mischung folgt der Gewichtsverteilung: Rewaco gibt das Leergewicht seiner Fahrzeuge mit 658 bis 687 Kilogramm an und die Zuladung mit 208 bis 237 Kilogramm. Der weitaus größte Teil dieser Masse ruht auf der Hinterachse, während das Vorderrad lenkt und einen kleineren Anteil trägt.
Daraus folgt alles Weitere. Ein Motorradreifen hat einen runden Querschnitt, weil er sich in Schräglage abrollen muss. Am Trike passiert das nie, trotzdem bleibt die Bauart erhalten, denn die Gabel führt ein einzelnes Rad. Ein Pkw-Reifen dagegen hat eine flache Lauffläche und eine steifere Karkasse, die höhere Lasten bei höherem Druck trägt.

Runder Motorradquerschnitt vorn, flacher Pkw-Querschnitt hinten: Aus der Bauart folgen unterschiedliche Aufstandsflächen und damit unterschiedliche Sollwerte.
Welcher Druck gilt
Die belastbarste öffentliche Angabe stammt von Can-Am. Für die Serien Ryker und Spyder F3 nennt die Bedienungsanleitung einen Kaltdruck von 103 kPa vorn und 193 kPa hinten, jeweils mit einer Toleranz von 14 kPa. In der gebräuchlicheren Einheit sind das rund 1,03 bar vorn und 1,93 bar hinten. Dazu kommt ein Hinweis, der Trike-typisch ist: Zwischen linkem und rechtem Reifen soll der Unterschied 3,4 kPa nicht übersteigen, weil ungleicher Druck an einer Achse das Fahrverhalten verzieht.
Rewaco weist in den öffentlichen technischen Daten keinen Reifendruck aus. Dort gilt, was für jedes Fahrzeug gilt: Maßgeblich ist die Angabe des Herstellers, zu finden auf dem Aufkleber am Fahrzeug, im Serviceheft oder in der Betriebsanleitung. Werte aus Foren oder von Reifenhändlern ersetzen diese Angabe nicht, weil Achslast, Felgenmaulweite und Reifenfreigabe je Modell abweichen.
| Position | Reifentyp | Beispielgröße | Kaltdruck laut Can-Am |
|---|---|---|---|
| vorn | Motorradreifen, runder Querschnitt | 180/55 ZR 17 | 103 kPa (rund 1,03 bar) |
| hinten links und rechts | Pkw-Reifen, flache Lauffläche | 255/45 ZR 17 | 193 kPa (rund 1,93 bar) |
Ein Wort zur Buchstabenkombination in der Größe: Das Z steht für die Geschwindigkeitskategorie oberhalb von 240 km/h, das R für Radialbauart und die 17 für den Felgendurchmesser in Zoll. Die erste Zahl nennt die Reifenbreite in Millimetern, die zweite das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent. Ein 255/45 ZR 17 hat also rechnerisch eine Flanke von rund 115 Millimetern.
Warum kalt gemessen wird
Luft dehnt sich beim Erwärmen aus, und ein Reifen wird beim Fahren warm. Nach einer halben Stunde Landstraße zeigt dasselbe Rad leicht 0,2 bis 0,3 bar mehr an als vor dem Start. Wer in diesem Zustand auf den Sollwert abbläst, fährt anschließend dauerhaft mit zu wenig Druck.
Richtig ist deshalb die Messung vor der ersten Fahrt des Tages oder nach mehreren Stunden Standzeit. Wenn sich das nicht einrichten lässt, misst man warm und akzeptiert den erhöhten Wert, ohne Luft abzulassen. An der Tankstelle heißt das praktisch: Erst korrigieren, wenn das Fahrzeug wirklich kalt ist, sonst nur ablesen und notieren.
Zu wenig Druck macht sich beim Trike anders bemerkbar als am Auto. Vorn führt ein einzelnes Rad die gesamte Lenkung, ein weicher Reifen macht das Einlenken schwergängig und lässt das Fahrzeug in Kurven nachlaufen. Hinten führt zu wenig Druck zu stärkerem Schulterverschleiß und höherem Verbrauch, zu viel Druck trägt die Laufflächenmitte ab und kostet Grip auf nasser Fahrbahn.
Was das Gesetz verlangt
Zum Reifendruck selbst schweigt die StVZO, sie regelt dafür alles rundherum. Die Grundnorm ist § 36 Abs. 1 Satz 1 StVZO:
Maße und Bauart der Reifen von Fahrzeugen müssen den Betriebsbedingungen, besonders der Belastung und der durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, entsprechen.
§ 36 Abs. 1 Satz 1 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)
Daraus folgen die beiden Kennwerte, die auf jeder Flanke stehen: der Tragfähigkeitsindex und die Geschwindigkeitskategorie. Nach § 36 Abs. 7 StVZO müssen Reifenhersteller beides zusammen mit Reifengröße, Bauart und Herstellungsdatum in die Flanke prägen. Welche Größen an deinem Fahrzeug zulässig sind, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I, ergänzend in der Betriebserlaubnis oder in einer Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers.
Drei weitere Punkte sind für Trikes wichtig:
- Profiltiefe 1,6 Millimeter. § 36 Abs. 3 StVZO verlangt das Hauptprofil am ganzen Umfang mit mindestens 1,6 mm. Die abgesenkte Grenze von 1 mm gilt ausdrücklich nur für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder. Der Bußgeldkatalog setzt für zu wenig Profil 60 Euro an, für den Halter, der die Fahrt zulässt, 75 Euro.
- Keine Mischbereifung aus Diagonal und Radial. § 36 Abs. 6 Satz 2 StVZO verbietet die Mischung an Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen. Satz 4 nimmt Krafträder aus, und ein Trike ist keines. Der Regelsatz liegt bei 15 Euro, für den Halter bei 30 Euro.
- Reifen für winterliche Verhältnisse. Nach § 36 Abs. 4 StVZO zählt dafür seit der Umstellung allein das Alpine-Symbol, das Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Die frühere M+S-Kennzeichnung genügt für sich genommen nicht mehr.
Die Winterreifenpflicht trifft auch das Trike
Dieser Punkt überrascht viele Halter. § 2 Abs. 3a StVO verlangt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, dass alle Räder mit Reifen nach § 36 Abs. 4 StVZO ausgerüstet sind. Von dieser Pflicht nimmt Satz 2 sechs Fahrzeuggruppen aus, darunter unter Nummer 2 die einspurigen Kraftfahrzeuge.
Ein Trike ist mehrspurig. Die Ausnahme greift also nicht, und rechtlich gilt für das dreirädrige Kraftfahrzeug dasselbe wie für den Pkw. Wer bei den genannten Wetterlagen ohne passende Bereifung fährt, zahlt nach dem Bußgeldkatalog 60 Euro, bei Behinderung anderer 80 Euro.
Praktisch ist das anspruchsvoll, weil Motorradreifen in der Größe des Vorderrads mit Alpine-Symbol kaum angeboten werden. Für die meisten Halter ist das der eigentliche Grund, das Fahrzeug im Winter stehen zu lassen. Wer ohnehin nur von Frühjahr bis Herbst fährt, kombiniert das sinnvoll mit einem Saisonkennzeichen, dessen Regeln der Ratgeber zum Trike-Kennzeichen erklärt.
Alter, DOT-Nummer und der Blick in die Flanke
Eine gesetzliche Altersgrenze für Reifen kennt die StVZO nicht, entscheidend bleibt der Zustand. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer in der Flanke: Die ersten beiden Ziffern nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr. Die Zahlenfolge 2325 bedeutet also Woche 23 des Jahres 2025.
Reifenhersteller empfehlen den Austausch nach sechs bis zehn Jahren, weil die Gummimischung mit der Zeit aushärtet und Grip verliert, ganz unabhängig vom verbliebenen Profil. Für Trikes ist das relevanter als für Autos, weil viele Fahrzeuge wenige tausend Kilometer im Jahr laufen. Ein Reifen, der nach acht Jahren noch fünf Millimeter Profil trägt, ist trotzdem kein guter Reifen.
Zwei weitere Dinge lohnen den regelmäßigen Blick:
- Feine Risse in Flanke und Profilgrund, ein typisches Alterungszeichen bei Fahrzeugen mit langen Standzeiten
- Standplatten und einseitiger Verschleiß, häufig nach der Winterpause ohne Entlastung der Achse
Prüfrhythmus für die Praxis
Ein Trike bringt drei Räder mit, von denen zwei nebeneinander laufen. Genau daraus entsteht die wichtigste Routine: Der Druck der beiden Hinterräder gehört immer zusammen geprüft, weil eine Abweichung zwischen links und rechts das Fahrzeug beim Bremsen ziehen lässt. Can-Am beziffert die zulässige Differenz mit 3,4 kPa, also weniger als 0,04 bar.
Sinnvoll ist die Prüfung alle zwei bis vier Wochen und in jedem Fall vor einer längeren Tour. Dazu kommt der Blick auf die Ventilkappen, die bei Fahrzeugen mit langen Standzeiten gern vergessen werden, sowie eine Kontrolle nach jedem Reifenwechsel, weil frisch montierte Reifen sich setzen. Wie sich die Bereifung auf Bremsweg und Kurvenverhalten auswirkt, ordnet der Ratgeber zum Trike fahren lernen ein.
Fazit
Der Reifendruck am Trike besteht aus zwei Werten. Vorn arbeitet ein Motorradreifen mit rundem Querschnitt bei rund einem bar, hinten tragen Pkw-Reifen bei knapp zwei bar den größten Teil des Gewichts. Verbindlich ist immer die Herstellerangabe am Fahrzeug, gemessen wird kalt.
Rechtlich bringt die Mehrspurigkeit zwei Konsequenzen, die Motorradfahrer nicht kennen: 1,6 Millimeter Mindestprofil ohne die Ausnahme für kleine Krafträder und die volle situative Winterreifenpflicht. Beides spricht dafür, das Fahrzeug im Winter stehen zu lassen und die Reifen dafür in der Saison konsequent zu kontrollieren.
Rechtsstand September 2026. Grundlage sind § 36 StVZO, § 2 Abs. 3a StVO sowie der Bußgeldkatalog (Anlage zu § 1 Abs. 1 BKatV). Technische Angaben nach Herstellerangaben von Rewaco und Can-Am. Verbindlich für dein Fahrzeug sind die Werte in Betriebsanleitung und Zulassungsbescheinigung.
Häufige Fragen
Welchen Reifendruck braucht ein Trike?
Das hängt am Fahrzeug, weil vorn und hinten unterschiedliche Reifentypen laufen. Can-Am nennt in der Bedienungsanleitung für Ryker und Spyder F3 einen Kaltdruck von 103 kPa vorn und 193 kPa hinten, jeweils mit einer Toleranz von 14 kPa, das entspricht rund 1,03 und 1,93 bar. Verbindlich ist immer die Angabe des Herstellers am Fahrzeug oder in der Betriebsanleitung.
Warum hat ein Trike vorn und hinten verschiedene Drücke?
Weil zwei Reifenbauarten am selben Fahrzeug sitzen. Vorn läuft ein Motorradreifen mit rundem Querschnitt und weicher Karkasse, hinten tragen breite Pkw-Reifen den größten Teil des Gewichts. Rewaco montiert vorn 180/55 ZR 17 und hinten je nach Modell 255/45 ZR 17 bis 305/30 ZR 19. Unterschiedliche Bauart und Last führen zu unterschiedlichen Sollwerten.
Wann misst man den Reifendruck richtig?
Am kalten Reifen, also vor der Fahrt oder nach mehreren Stunden Standzeit. Warme Reifen zeigen einen höheren Druck an, weil sich die Luft im Betrieb ausdehnt. Wer bei warmem Reifen auf den Sollwert abbläst, fährt anschließend mit zu wenig Druck.
Welche Profiltiefe schreibt das Gesetz für Trikes vor?
Mindestens 1,6 Millimeter im Hauptprofil, gemessen am ganzen Umfang. § 36 Abs. 3 StVZO erlaubt die Ausnahme von 1 Millimeter nur für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder. Ein Trike gehört zu keiner dieser Gruppen. Wer mit zu wenig Profil fährt, zahlt nach dem Bußgeldkatalog 60 Euro, der Halter 75 Euro.
Gilt die Winterreifenpflicht auch für Trikes?
Ja. § 2 Abs. 3a StVO verlangt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte Reifen nach § 36 Abs. 4 StVZO, also mit Alpine-Symbol. Von dieser Pflicht nimmt die Vorschrift ausdrücklich nur einspurige Kraftfahrzeuge aus, und ein Trike ist mehrspurig. Die Fahrt ohne passende Bereifung kostet 60 Euro, mit Behinderung 80 Euro.
Darf ich vorn und hinten unterschiedliche Reifenbauarten mischen?
Diagonal- und Radialreifen dürfen an einem Kraftfahrzeug bis 3,5 Tonnen nicht gemischt werden, das regelt § 36 Abs. 6 Satz 2 StVZO. Die Ausnahme für Krafträder gilt für Trikes nicht, weil sie keine Krafträder sind. Der Bußgeldkatalog setzt dafür 15 Euro an, für den Halter 30 Euro. In der Praxis sind an modernen Trikes ohnehin überall Radialreifen montiert.
Wie alt darf ein Trike-Reifen sein?
Eine allgemeine Altersgrenze kennt die StVZO nicht, entscheidend ist der Zustand. Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer in der Flanke, die ersten beiden Ziffern nennen die Woche, die letzten beiden das Jahr. Reifenhersteller empfehlen den Austausch nach sechs bis zehn Jahren, weil die Mischung aushärtet, unabhängig vom Profil.
Woran erkenne ich einen falschen Reifendruck am Trike?
Am Verschleißbild und am Fahrverhalten. Zu wenig Druck lässt die Schultern stärker abtragen und macht das Lenken schwergängig, zu viel Druck trägt die Laufflächenmitte ab und verringert den Grip auf nasser Straße. Beim Trike fällt der Unterschied stärker auf als am Auto, weil ein einzelnes Vorderrad die gesamte Lenkung führt.