Tuk Tuk Zulassung in Deutschland: Wege, Papiere, TÜV

Mit EU-Typgenehmigung genügt das COC-Papier, ohne braucht ein Tuk-Tuk eine Vollabnahme nach § 21 StVZO. Welche Klasse welches Schild bekommt und was es kostet.

Führerschein & Recht Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Ein Tuk-Tuk auf deutsche Straßen zu bringen, klingt nach Papierkrieg. Tatsächlich hängt fast alles an einem einzigen Blatt Papier: der Übereinstimmungsbescheinigung des Herstellers. Liegt sie vor, ist die Zulassung Routine. Fehlt sie, führt der Weg über eine Vollabnahme, und dann entscheidet das Datum der Erstzulassung, wie hoch die Hürde liegt.

Zwei Wege zur Zulassung: mit oder ohne EU-Typgenehmigung

Jedes Kraftfahrzeug braucht in Deutschland eine Betriebserlaubnis, bevor es auf die Straße darf. Bei Tuk-Tuks entsteht sie auf einem von zwei Wegen.

Mit EU-Typgenehmigung. Hat der Hersteller sein Modell nach der Verordnung (EU) Nr. 168/2013 genehmigen lassen, stellt er für jedes Fahrzeug eine Übereinstimmungsbescheinigung aus, im Handel meist COC genannt (Certificate of Conformity). Sie bestätigt, dass das einzelne Fahrzeug dem genehmigten Typ entspricht. § 14 Abs. 3 FZV erlaubt der Zulassungsbehörde die erstmalige Ausfertigung der Zulassungsbescheinigung Teil II nur, wenn eine Übereinstimmungsbescheinigung, eine Datenbestätigung oder eine Bescheinigung über eine Einzelgenehmigung vorliegt.

Ohne EU-Typgenehmigung. Fehlt das COC, weil das Tuk-Tuk für einen Markt außerhalb der EU gebaut wurde, greift § 21 StVZO: Gehört ein Fahrzeug nicht zu einem genehmigten Typ, beantragt der Verfügungsberechtigte eine Betriebserlaubnis für das Einzelfahrzeug. Grundlage ist das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen oder eines benannten Technischen Dienstes.

Der Unterschied im Aufwand ist groß. Der erste Weg ist ein Behördengang, der zweite ein kleines Projekt mit Prüfstelle, Unterlagen und oft auch Umbauten. Vor dem Kauf lohnt deshalb eine einzige Frage an den Verkäufer: Gibt es für dieses Fahrzeug eine Übereinstimmungsbescheinigung?

Entscheidungsbaum für die Zulassung eines Tuk-Tuks. Erste Frage: Gibt es eine Übereinstimmungsbescheinigung, kurz COC? Links der Weg mit COC: Klasse L2e bis 45 km/h, 4 kW und zwei Sitzplätze führt zum Versicherungskennzeichen vom Versicherer, ohne Zulassungsstelle. Klasse L5e, etwa ein Personen-Tuk-Tuk mit Rückbank, führt zur Zulassungsstelle mit amtlichem Kennzeichen. Rechts der Weg ohne COC: Vollgutachten nach Paragraf 21 StVZO bei einer Prüforganisation, Maßstab sind die Vorschriften zum Datum der Erstzulassung, danach Umrüstung, falls nötig, und Einzelbetriebserlaubnis. Ein Pfeil führt zurück zur Zulassungsstelle.

Mit COC ist die Zulassung ein Behördengang. Ohne COC entscheidet ein Gutachten, und das Datum der Erstzulassung legt fest, welche Vorschriften das Tuk-Tuk erfüllen muss.

Erst die Klasse klären: L2e oder L5e

Ob das Tuk-Tuk zur Zulassungsstelle muss oder nur zum Versicherer, entscheidet seine Fahrzeugklasse. Sie steht im COC und später in Feld J der Zulassungsbescheinigung.

MerkmalL2e (dreirädriges Kleinkraftrad)L5e (dreirädriges Kraftfahrzeug)
Höchstgeschwindigkeitbis 45 km/hüber 45 km/h oder andere L2e-Grenze gerissen
Leistungbis 4 kWüber 4 kW
Sitzplätzehöchstens zwei einschließlich Fahrermehr möglich
Zulassungzulassungsfrei (§ 3 Abs. 3 FZV)zulassungspflichtig
SchildVersicherungskennzeichen (§ 4 Abs. 3 FZV)amtliches Kennzeichen
Kfz-SteuerkeineTrike-Tarif
Hauptuntersuchungkeinealle 24 Monate

Der häufigste Irrtum betrifft die Sitzplätze. Ein Personen-Tuk-Tuk mit einer Rückbank für zwei bis vier Fahrgäste reißt die L2e-Grenze von zwei Sitzplätzen und ist deshalb ein L5e-Fahrzeug, auch wenn es nur 45 km/h fährt. Dasselbe gilt für eine Piaggio Ape TM mit 7,5 kW, die über der 4-kW-Grenze liegt. Welcher Führerschein zu welcher Klasse gehört, zeigt der Ratgeber zum Tuk-Tuk-Führerschein.

Mit COC: der Weg über die Zulassungsstelle

Für ein L5e-Tuk-Tuk mit Übereinstimmungsbescheinigung läuft die Zulassung wie bei jedem anderen Fahrzeug. Mitzubringen sind:

Für gebrauchte Importe mit EU-Typgenehmigung nennt TÜV Rheinland drei Unterlagen: die ausländischen Zulassungsdokumente, eine gültige Hauptuntersuchung einschließlich Abgasuntersuchung und das COC. Fehlt das COC, können die Prüfer es in den meisten Fällen durch ein gleichwertiges Dokument ersetzen, wenn sie das Fahrzeug eindeutig identifizieren können.

Am Ende gibt es ein zweizeiliges Kennzeichen mit höchstens 280 mal 200 Millimetern, das nur hinten angebracht wird. Welche Formate und Sonderformen erlaubt sind, erklärt der Ratgeber zum Trike-Kennzeichen.

Ein L2e-Tuk-Tuk mit COC braucht keine Zulassungsstelle. Es ist nach § 3 Abs. 3 FZV zulassungsfrei, das Versicherungskennzeichen gibt es direkt beim Versicherer. Es gilt für ein Verkehrsjahr vom 1. März bis Ende Februar und ist 2026/27 schwarz beschriftet.

Ohne COC: Vollabnahme nach § 21 StVZO

Für ein Tuk-Tuk ohne EU-Typgenehmigung führt der Weg über ein Vollgutachten. Der Ablauf:

  1. Vorgespräch mit der Prüfstelle. TÜV Rheinland rät, die Sachverständigen am besten schon vor dem Kauf zu fragen, ob und mit welchem Aufwand ein Fahrzeug genehmigungsfähig ist.
  2. Unterlagen sammeln. Ein Datenblatt des Herstellers, das Zulassungsdokument aus dem Ursprungsland mit dokumentierter Erstzulassung und der Kaufvertrag. Für die Zulassungsbescheinigung Teil II musst du nach § 14 Abs. 1 FZV die Verfügungsberechtigung über das Fahrzeug nachweisen.
  3. Transport zur Prüfstelle. Ein nicht zugelassenes Fahrzeug darf nicht auf öffentlichen Straßen fahren. Es kommt auf dem Anhänger oder Transporter zur Begutachtung.
  4. Begutachtung. Der Sachverständige untersucht das Fahrzeug laut TÜV Rheinland im Umfang einer Hauptuntersuchung, prüft die Vorschriftsmäßigkeit, etwa bei Abgas und Beleuchtung, und bereitet die technischen Daten für die Papiere auf.
  5. Umrüstung, falls nötig. Was nicht den Vorschriften entspricht, wird getauscht und nachgeprüft.
  6. Einzelbetriebserlaubnis und Zulassung. Mit dem Gutachten erteilt die Behörde die Betriebserlaubnis, danach folgt die Zulassung wie oben.

Das Gutachten erstellt nach § 21 StVZO ein amtlich anerkannter Sachverständiger oder ein benannter Technischer Dienst. Seit einer Neuregelung im Jahr 2019 bieten das neben TÜV und DEKRA auch andere Prüforganisationen wie GTÜ und KÜS an, sofern ihre Prüfer die Berechtigung dafür erworben haben. Die Gebühren sind nicht bundesweit einheitlich. Veröffentlichte Preise für ein Vollgutachten reichen von rund 125 Euro bis etwa 480 Euro ohne Datenblatt, Umrüstungen und Zusatzmessungen kommen obendrauf.

Das Datum der Erstzulassung entscheidet über den Maßstab. TÜV Rheinland formuliert es so: Ein Importfahrzeug ohne EU-Typgenehmigung muss die Vorschriften erfüllen, die in der EU zum Datum seiner Erstzulassung galten. Für ein gebrauchtes Tuk-Tuk mit dokumentierter Erstzulassung im Ursprungsland können das mildere Abgasgrenzwerte sein als heute. Für ein neues Tuk-Tuk, das in Deutschland zum ersten Mal zugelassen wird, gelten dagegen die aktuellen Vorschriften, bei Motorrädern ist das seit dem 1. Januar 2025 die Abgasstufe Euro 5+ mit überwachtem Katalysator. Ein einfacher Vergasermotor ohne Katalysator erreicht diese Stufe nicht. Dieselbe Logik trifft selbst gebaute Fahrzeuge, wie der Ratgeber Trike selber bauen zeigt.

Import aus Thailand oder Indien: die typischen Hürden

Tuk-Tuks aus Asien sind für andere Verkehrsregeln gebaut. Bei der Begutachtung fallen deshalb immer wieder dieselben Punkte auf:

Bei der Einfuhr aus einem Land außerhalb der EU fallen außerdem Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent an. Elektro-Tuk-Tuks bringen eine eigene Frage mit: Akku und Antrieb müssen ebenfalls den europäischen Anforderungen genügen, und ein Fahrzeug mit Lithium-Akku gilt beim Seetransport als Gefahrgut. Die Summe aus Transport, Abgaben, Gutachten und Umrüstung sollte man gegen den Preis eines Tuk-Tuks mit COC rechnen, bevor man in Bangkok zuschlägt.

Nach der Zulassung: Steuer, HU und Versicherung

Kfz-Steuer. Tuk-Tuks der Klasse L5e mit Verbrennungsmotor zahlen den Tarif für dreirädrige Fahrzeuge nach § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG: 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter bei eingehaltenen Abgasgrenzwerten. Eine Ape TM mit 218 cm³ kommt damit auf drei Stufen, also 63,21 Euro im Jahr. Elektro-Tuk-Tuks sind nach § 3d KraftStG steuerfrei, wenn sie bis Ende 2030 erstmals zugelassen werden, für zehn Jahre und längstens bis Ende 2035. L2e-Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen zahlen gar keine Kfz-Steuer.

Hauptuntersuchung. Als dreirädriges Kraftfahrzeug muss ein L5e-Tuk-Tuk nach Anlage VIII der StVZO alle 24 Monate zur HU. Für L2e-Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen gibt es keine HU-Pflicht, § 29 Abs. 1 StVZO erfasst nur zulassungspflichtige Fahrzeuge und solche mit amtlichem Kennzeichen.

Versicherung. Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht, Teil- oder Vollkasko freiwillig. Für ein Tuk-Tuk gelten dieselben Mechanismen wie beim Motorrad-Trike, mit freier Einstufung durch jeden Versicherer. Hintergründe stehen im Ratgeber zur Trike-Versicherung.

Helm. Ein Tuk-Tuk mit offenen Seiten und ohne vorgeschriebene Gurte fällt nach dem Wortlaut unter die Helmpflicht aus § 21a Abs. 2 StVO, sobald es mehr als 20 km/h fährt. Mit geschlossener Kabine entfällt sie.

Tuk-Tuk als Geschäft: die zweite Genehmigung

Stadtrundfahrten im Tuk-Tuk sind in vielen Städten ein Geschäftsmodell. Für sie reicht die Zulassung allein nicht. Das Personenbeförderungsgesetz erfasst nach § 1 Abs. 1 PBefG die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen mit Kraftfahrzeugen, und § 2 PBefG macht sie genehmigungspflichtig. Zuständig ist die Genehmigungsbehörde des jeweiligen Landes.

Dazu kommt der Fahrer: Er braucht eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung, die es nach der Fahrerlaubnis-Verordnung ab 21 Jahren gibt. Wie das Verfahren läuft, steht im Abschnitt zu Tuk-Tuk-Touren im Ratgeber zum Tuk-Tuk-Führerschein. Für das Fahrzeug selbst lohnt vor dem Kauf ein Blick auf die Sitzplätze im COC, denn jeder Fahrgastplatz muss dort eingetragen sein.

Fazit: das COC entscheidet über den Aufwand

Ein Tuk-Tuk lässt sich in Deutschland zulassen, der Aufwand hängt an einem Papier. Mit Übereinstimmungsbescheinigung ist die Zulassung ein Behördengang: L2e-Fahrzeuge bekommen ihr Versicherungskennzeichen beim Versicherer, L5e-Fahrzeuge ihr amtliches Kennzeichen bei der Zulassungsstelle. Ohne COC führt der Weg über ein Vollgutachten nach § 21 StVZO, und dann legt das Datum der Erstzulassung fest, welche Vorschriften gelten.

Wer ein Tuk-Tuk kaufen will, fragt deshalb zuerst nach dem COC und nach der Fahrzeugklasse. Bei einem Import aus Asien gehört das Gespräch mit der Prüfstelle vor den Kauf. Welche dreirädrigen Fahrzeuge in dieselbe Klasse fallen und was daraus folgt, erklärt der Ratgeber zur Fahrzeugklasse L5e.

Rechtsstand September 2026. Grundlage sind §§ 19 und 21 sowie Anlage VIII StVZO, §§ 3, 4 und 14 sowie Anlage 4 FZV, §§ 3d und 9 KraftStG, §§ 1 und 2 PBefG, § 21a StVO und die Verordnung (EU) Nr. 168/2013; Hinweise zur Vollabnahme laut TÜV Rheinland. Dieser Artikel ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich Auskunft geben Zulassungsbehörde und Prüfstelle.

Häufige Fragen

Kann man ein Tuk-Tuk in Deutschland zulassen?

Ja. Tuk-Tuks sind dreirädrige Fahrzeuge der EU-Klasse L2e oder L5e und lassen sich wie jedes andere Kraftfahrzeug in den Verkehr bringen. Mit EU-Typgenehmigung genügt die Übereinstimmungsbescheinigung (COC). Ohne sie braucht das Fahrzeug eine Einzelbetriebserlaubnis nach § 21 StVZO auf Basis eines Gutachtens von TÜV, DEKRA oder einer anderen Prüforganisation.

Welche Papiere brauche ich für die Tuk-Tuk-Zulassung?

Für ein Tuk-Tuk der Klasse L5e mit EU-Typgenehmigung: Übereinstimmungsbescheinigung (COC), eVB-Nummer der Versicherung, Personalausweis und ein SEPA-Mandat für die Kfz-Steuer, bei Gebrauchtfahrzeugen die bisherigen Zulassungspapiere. Ohne Typgenehmigung kommt das Gutachten nach § 21 StVZO dazu, bei Importen außerdem das Zulassungsdokument aus dem Ursprungsland und der Nachweis, dass dir das Fahrzeug gehört.

Was kostet die Einzelabnahme für ein importiertes Tuk-Tuk?

Die Gebühren für ein Vollgutachten nach § 21 StVZO sind nicht bundesweit einheitlich. Veröffentlichte Preise reichen von rund 125 Euro an einzelnen Prüfstellen bis etwa 480 Euro ohne Datenblatt. Teurer wird es durch Umrüstungen, etwa genehmigte Scheinwerfer oder Spiegel, und durch Messungen, die der Prüfer zusätzlich verlangt. Dazu kommen Transport, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.

Braucht ein Elektro-Tuk-Tuk eine Zulassung?

Das hängt an der Klasse. Ein Elektro-Tuk-Tuk der Klasse L2e mit höchstens 45 km/h, 4 kW und zwei Sitzplätzen ist zulassungsfrei und fährt mit Versicherungskennzeichen. Personen-Tuk-Tuks mit Rückbank sind wegen der Sitzplätze meist L5e und brauchen eine Zulassung mit amtlichem Kennzeichen. Kfz-Steuer fällt bei Elektrofahrzeugen mit Erstzulassung bis Ende 2030 zehn Jahre lang nicht an, längstens bis Ende 2035.

Darf ich ein Tuk-Tuk aus Thailand in Deutschland zulassen?

Grundsätzlich ja, über eine Vollabnahme nach § 21 StVZO. Laut TÜV Rheinland muss ein Importfahrzeug ohne EU-Typgenehmigung die Vorschriften erfüllen, die in der EU zum Datum seiner Erstzulassung galten. Für ein neues Fahrzeug sind das die heutigen Abgas- und Bauvorschriften, für ein gebrauchtes mit dokumentierter Erstzulassung die Regeln von damals. Scheinwerfer für den Linksverkehr und Bauteile ohne europäische Genehmigung müssen getauscht werden.

Wie oft muss ein Tuk-Tuk zur Hauptuntersuchung?

Ein zugelassenes Tuk-Tuk der Klasse L5e muss als dreirädriges Kraftfahrzeug nach Anlage VIII der StVZO alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung. Tuk-Tuks der Klasse L2e mit Versicherungskennzeichen sind zulassungsfrei und haben keine HU-Pflicht.

Brauche ich für Tuk-Tuk-Touren eine Genehmigung?

Ja, wenn du Fahrgäste gegen Entgelt oder geschäftsmäßig beförderst. Das Personenbeförderungsgesetz erfasst nach § 1 Abs. 1 PBefG jede solche Beförderung mit Kraftfahrzeugen, und § 2 PBefG macht sie genehmigungspflichtig. Der Fahrer braucht zusätzlich eine Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung, die es nach der Fahrerlaubnis-Verordnung ab 21 Jahren gibt.

Das könnte dich auch interessieren