Ein Fahrzeug mit Karosserie, Lenkrad und Sitzen, aber nur drei Rädern: Der erste Gedanke ist meist ein Sparauto aus den Fünfzigern. Tatsächlich baut die Industrie bis heute dreirädrige Fahrzeuge, und der Grund dafür liegt im Zulassungsrecht.
Warum Hersteller ein Rad weglassen
Ein Auto mit vier Rädern ist ein Personenkraftwagen der EU-Klasse M1. Damit hängt eine lange Kette an Anforderungen daran: Typgenehmigung nach Pkw-Recht, Frontal- und Seitenaufprallprüfungen, umfangreiche Vorschriften zu Insassenschutz und Assistenzsystemen. Für einen Großserienhersteller ist das Alltag, für eine Kleinserie ist es die Hürde, an der das Projekt scheitert.
Ein dreirädriges Fahrzeug fällt dagegen in die Fahrzeugklasse L, dieselbe Gruppe, in der auch Motorräder und Roller stehen. Die technischen Anforderungen der Verordnung (EU) 168/2013 sind dort deutlich schlanker. Daraus ergeben sich vier Vorteile, die alle in dieselbe Richtung wirken:
- Genehmigung. Es gilt die Genehmigung für L-Fahrzeuge, mit deutlich geringerem Aufwand für Prüfungen und Dokumentation als im Pkw-Recht.
- Gewicht. Ohne die Strukturen, die eine Pkw-Zelle braucht, bleiben Fahrzeuge in dieser Klasse leicht. Das senkt Verbrauch und Batteriebedarf, was besonders bei Elektrofahrzeugen durchschlägt.
- Stückzahl. Kleinserien werden wirtschaftlich, weil sich die Zulassungskosten auf wenige hundert Fahrzeuge verteilen lassen.
- Betriebskosten für den Halter. Steuer, Versicherungseinstufung und der HU-Rhythmus folgen den Regeln für L-Fahrzeuge.
Bezahlt wird das mit den Grenzen derselben Klasse: kein Pkw-Insassenschutz, eingeschränkte Nutzlast, und je nach Ausführung eine Höchstgeschwindigkeit, die auf der Autobahn nicht reicht.
Warum fast alle zwei Räder vorn haben
Drei Räder ergeben eine dreieckige Standfläche. Solange der Schwerpunkt innerhalb dieses Dreiecks bleibt, steht das Fahrzeug. In Kurven wirkt eine Querkraft, die den Schwerpunkt gedanklich nach außen verschiebt. Erreicht er eine der Verbindungslinien zwischen zwei Rädern, kippt das Fahrzeug über diese Kipplinie.
Damit ist klar, worauf es ankommt: auf den Abstand zwischen Schwerpunkt und Kipplinie. Und genau dort trennen sich die beiden Bauformen.

Dieselbe Spurweite, derselbe Radstand: Die Anordnung der Räder entscheidet über knapp 50 Prozent mehr Abstand zur vorderen Kipplinie.
Bei einem Fahrzeug mit einem Rad vorn liegt die Spitze des Dreiecks vorn, also genau dort, wohin beim Bremsen die Last wandert. Der Schwerpunkt sitzt bei den meisten Fahrzeugen ohnehin vor der Mitte, weil Motor und Fahrer vorn sitzen. Beides addiert sich zu einer Bauform, die beim Bremsen in der Kurve empfindlich reagiert. Der Reliant Robin, in den Siebzigern und Achtzigern in Großbritannien zehntausendfach gebaut, hat genau daraus seinen Ruf bezogen.
Bei zwei Rädern vorn liegt die breite Seite des Dreiecks vorn. Die Spitze zeigt nach hinten, wo beim Bremsen die Last abnimmt. Dazu kommen zwei gelenkte Räder und zwei Bremsen an der Vorderachse. Deshalb bauen Morgan, Carver, Aptera und die Serienhersteller der Motorrad-Trikes ausnahmslos so. Die Bezeichnungen für beide Anordnungen und ihre Herkunft klärt der Ratgeber zum Motorrad mit 3 Rädern.
Was in den Papieren steht
Die entscheidende Angabe steht in Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil I. Sie legt fest, welche Fahrerlaubnis gilt, welches Kennzeichen das Fahrzeug führt und wie die Steuer berechnet wird.
| Klasse | Räder | Grenze | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| L2e | drei | bis 45 km/h, bis 50 cm³ oder 4 kW | Versicherungskennzeichen |
| L5e | drei | über 45 km/h, symmetrisch angeordnet | reguläre Zulassung |
| L6e | vier | bis 45 km/h, bis 6 kW, bis 425 kg | Versicherungskennzeichen |
| L7e | vier | über 45 km/h, bis 15 kW | reguläre Zulassung |
| M1 | vier | Personenkraftwagen | reguläre Zulassung |
Die Tabelle zeigt den häufigsten Irrtum in dieser Fahrzeugwelt: L6e und L7e sind vierrädrig. Wer ein schmales Kabinenfahrzeug sieht und daraus auf drei Räder schließt, liegt bei den meisten aktuellen Modellen daneben. Umgekehrt sieht ein Morgan Super 3 aus wie ein Auto und trägt trotzdem L5e in den Papieren.
Welcher Führerschein, ab welchem Alter
Der Weg zum dreirädrigen Fahrzeug führt über drei Türen. Welche offensteht, hängt an Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit und Alter.
| Fahrzeug | Klasse | Mindestalter | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| dreirädrig bis 45 km/h (L2e) | AM, in B enthalten | 15 Jahre, bis 16 nur im Inland | § 6 Abs. 1, § 10 Abs. 1 FeV |
| dreirädrig über 45 km/h, bis 15 kW | A1 | 16 Jahre | § 6 Abs. 1 FeV |
| dreirädrig über 45 km/h, bis 15 kW | B | 18 Jahre, nur im Inland | § 6 Abs. 3a FeV |
| dreirädrig über 15 kW | A | 21 Jahre | § 6 Abs. 1, § 10 Abs. 1 FeV |
| dreirädrig über 15 kW | B | 21 Jahre, nur im Inland | § 6 Abs. 3a FeV |
Zwei Punkte verdienen Aufmerksamkeit. Erstens die Leistungsgrenze von 15 Kilowatt: Sie entscheidet über das Mindestalter und trennt den Carver mit wenigen Kilowatt vom Morgan Super 3 mit rund 87 Kilowatt. Zweitens die Inlandsbeschränkung: Die Berechtigung aus § 6 Abs. 3a FeV ist eine deutsche Sonderregel ohne Eintrag im Führerschein und gilt jenseits der Grenze nicht. Alle Details dazu stehen im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.
Für die häufige Frage nach dem Einstieg mit 16 Jahren heißt das: Über die Klasse A1 ist ein dreirädriges Fahrzeug bis 15 kW erreichbar, und das darf schneller als 45 km/h fahren. Wer bei 45 km/h bleibt, kommt schon mit der Klasse AM ab 15 Jahren ans Ziel.
Aktuelle Modelle
Der Markt ist überschaubar und teilt sich in zwei Lager: teure Liebhaberfahrzeuge und günstige Elektro-Kleinfahrzeuge für kurze Wege.
- Morgan Super 3. Der Nachfolger des 3 Wheeler, seit 2022 im Programm. Ein Ford-Dreizylinder mit 1,5 Litern Hubraum und rund 87 kW (118 PS) treibt das einzelne Hinterrad an, die Vorderräder stehen frei außerhalb der Karosserie. Händler nennen einen Einstiegspreis von rund 50.000 Euro brutto. In den Papieren steht L5e, gefahren wird mit Klasse A oder in Deutschland mit Klasse B ab 21.
- Carver. Ein niederländisches Kabinenfahrzeug mit zwei Rädern vorn, einem hinten und einer Neigetechnik, die die Kabine in die Kurve legt. Die Version mit 45 km/h nennt der Hersteller mit bis zu 130 Kilometern Reichweite und einer Zuladung von 170 Kilogramm.
- Aptera. Ein US-Projekt mit Solarzellen auf der Karosserie, zwei Rädern vorn und extrem niedrigem Luftwiderstand. Der Hersteller nennt bis zu 643 Kilometer Reichweite je Ladung und bis zu 64 Kilometer täglich aus Sonnenlicht. Die Serienfertigung läuft an, in Europa ist das Fahrzeug bislang nicht zugelassen.
- Piaggio Ape. Der dreirädrige Kleintransporter aus Italien, seit 1948 gebaut und heute auch mit Elektroantrieb erhältlich. Je nach Ausführung L2e oder L5e, in Deutschland vor allem als Verkaufs- und Werbefahrzeug unterwegs.
- Elektrische Kabinenfahrzeuge. Eine Reihe kleiner Anbieter führt geschlossene 45-km/h-Fahrzeuge ab etwa 4.000 bis 6.000 Euro. Vor dem Kauf lohnt der Blick in Feld J: Ein Teil dieser Modelle ist dreirädrig, der größere Teil vierrädrig.
Die Klassiker, die den Ruf geprägt haben
Die Blütezeit dreirädriger Autos lag in den Jahren nach 1950, als Material knapp und Kaufkraft gering war. Die Fahrzeuge dieser Epoche prägen bis heute das Bild:
| Fahrzeug | Bauzeit | Anordnung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Messerschmitt KR 175 und KR 200 | 1953 bis 1964 | zwei vorn, eines hinten | Kabinenroller mit Plexiglashaube, Tandemsitze |
| Fuldamobil | 1950 bis 1969 | zwei vorn, eines hinten | Kleinwagen mit Holz- und Sperrholzaufbau |
| Tempo Hanseat | 1949 bis 1956 | eines vorn, zwei hinten | dreirädriger Lieferwagen, Vorderradantrieb |
| Reliant Robin | 1973 bis 2002 | eines vorn, zwei hinten | in Großbritannien mit Motorradführerschein fahrbar |
| Piaggio Ape | seit 1948 | eines vorn, zwei hinten | Kleintransporter, bis heute in Produktion |
Der Reliant Robin verdient eine eigene Bemerkung, weil er das Bild vom kippenden Dreirad geprägt hat. Sein Erfolg beruhte auf einer britischen Regel, die dreirädrige Fahrzeuge unter einem bestimmten Gewicht steuerlich und beim Führerschein begünstigte. Die Bauform mit einem Vorderrad war dafür die kompakteste Lösung, und sie brachte die Nachteile mit, die die Standflächen-Grafik weiter oben zeigt.
Kosten: Steuer, Versicherung, HU
Bei den laufenden Kosten folgt ein dreirädriges Fahrzeug den Regeln der L-Klasse, und die weichen an mehreren Stellen vom Pkw ab.
Kfz-Steuer. § 8 Nr. 1b KraftStG bemisst die Steuer bei dreirädrigen und leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen nach Hubraum und Schadstoffemissionen. Der Satz aus § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG beträgt 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter bei eingehaltenen Grenzwerten und 25,36 Euro, wenn die Emissionsschlüsselnummer 06, 07 oder 08 lautet. Für den 1,5-Liter-Dreizylinder des Morgan Super 3 sind das 15 Stufen und damit 316,05 Euro im Jahr. Reine Elektrofahrzeuge sind von der Steuer befreit.
Versicherung. L2e-Fahrzeuge bis 45 km/h fahren mit Versicherungskennzeichen, das jährlich zum 1. März gewechselt wird und je nach Anbieter und Fahrzeugart im niedrigen dreistelligen Bereich liegt. L5e-Fahrzeuge brauchen eine reguläre Kfz-Haftpflicht. Wie stark die Beiträge dort auseinandergehen, zeigt der Ratgeber zur Trike-Versicherung.
Hauptuntersuchung. Dreirädrige Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen liegen nach Anlage VIII zur StVZO im Zwei-Jahres-Rhythmus der Krafträder. Das verlängerte Erstintervall von 36 Monaten, das neue Pkw genießen, gilt hier nicht.
Helm oder Gurt
Eine Frage stellt sich bei offenen dreirädrigen Fahrzeugen, die bei geschlossenen entfällt. § 21a Abs. 2 StVO verlangt auf offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen über 20 km/h einen geeigneten Schutzhelm. Der zweite Satz derselben Vorschrift nimmt Fahrzeuge aus, bei denen vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.
Für die Praxis heißt das: Ein Fahrzeug mit Sitzschalen und eingetragenen Gurten fährt ohne Helm, ein offenes Fahrzeug mit Motorradsitz nicht. Ein geschlossener Kabinenroller fällt von vornherein heraus, weil er kein offenes Fahrzeug ist. Welche Bauart welche Regel trifft, klärt der Ratgeber zur Helmpflicht beim Trike.
Fazit
Ein Auto mit drei Rädern führt rechtlich ein Eigenleben. Es fällt in die EU-Klasse L und teilt sich die Regeln mit Motorrädern und Rollern, von der Steuer über die Hauptuntersuchung bis zur Fahrerlaubnis. Genau diese Einordnung ist der Grund für die Bauform: Sie macht Kleinserien möglich, die als Pkw nie wirtschaftlich wären.
Wer ein solches Fahrzeug ins Auge fasst, klärt drei Punkte vor allem anderen. Erstens die Klasse in Feld J, weil sie über Kennzeichen, Steuer und Autobahnzulassung entscheidet. Zweitens die Motorleistung, weil die Grenze von 15 Kilowatt das Mindestalter verschiebt. Und drittens die Radanordnung, weil zwei Räder vorn beim Bremsen in der Kurve die klar größere Reserve bieten.
Für die Fahrzeuge mit Motorradcharakter statt Karosserie geht es im Ratgeber zum Motorrad mit 3 Rädern weiter, und wer die Fahrerlaubnisfrage im Detail durchgehen will, findet sie beim Trike mit Autoführerschein.
Häufige Fragen
Wie heißt ein Auto mit 3 Rädern?
Einen amtlichen Namen dafür gibt es nicht. Im Sprachgebrauch heißen offene Fahrzeuge dieser Bauart Three-Wheeler oder Trike, geschlossene Kabinenroller. In den Fahrzeugpapieren steht in Feld J die EU-Klasse: L5e für dreirädrige Kraftfahrzeuge über 45 km/h, L2e für dreirädrige Kleinkrafträder bis 45 km/h. Die Fahrzeugart lautet dann "dreirädriges Kraftfahrzeug", nicht Personenkraftwagen.
Welchen Führerschein braucht man für ein Auto mit 3 Rädern?
Das hängt an Leistung und Höchstgeschwindigkeit. Bis 45 km/h genügt die Klasse AM, die in jeder Klasse B enthalten ist. Über 45 km/h und bis 15 kW reicht A1 ab 16 Jahren oder in Deutschland die Klasse B ab 18. Über 15 kW verlangt § 6 Abs. 3a FeV für Inhaber der Klasse B ein Mindestalter von 21 Jahren, alternativ gilt die Klasse A, ebenfalls ab 21.
Gibt es ein dreirädriges Auto ab 16 Jahren?
Ja, über zwei Wege. Mit der Klasse AM ab 15 Jahren darfst du dreirädrige Fahrzeuge bis 45 km/h fahren, bis zum 16. Geburtstag nur im Inland. Mit der Klasse A1 ab 16 Jahren kommen dreirädrige Kraftfahrzeuge bis 15 kW Motorleistung dazu, die auch schneller als 45 km/h fahren dürfen. Wer erst mit 18 die Klasse B macht, kann die kleine Variante ohne Zusatzprüfung mitnutzen.
Warum bauen Hersteller Autos mit nur drei Rädern?
Der Grund ist die Zulassung. Ein dreirädriges Fahrzeug fällt in die EU-Fahrzeugklasse L und damit unter deutlich schlankere Anforderungen als ein Personenkraftwagen der Klasse M1. Es braucht keine Pkw-Typgenehmigung mit den zugehörigen Crashnormen, wiegt weniger und lässt sich in kleinen Stückzahlen wirtschaftlich bauen. Für Kleinserien und Start-ups ist das der entscheidende Punkt.
Sind Autos mit drei Rädern gefährlicher?
Sie haben eine dreieckige Standfläche statt einer rechteckigen, deshalb liegt der Schwerpunkt bei gleicher Spur näher an der Kipplinie. Entscheidend ist die Bauform: Fahrzeuge mit zwei Rädern vorn stehen beim Bremsen in der Kurve klar stabiler als solche mit einem einzelnen Vorderrad. Aktuelle Modelle nutzen deshalb fast ausnahmslos die Anordnung mit zwei Vorderrädern.
Was kostet ein Auto mit drei Rädern?
Die Spanne ist groß. Elektrische Kabinenfahrzeuge bis 45 km/h beginnen bei rund 4.000 bis 6.000 Euro, der Morgan Super 3 als offener Roadster liegt laut Händlerangaben bei rund 50.000 Euro brutto. Bei den laufenden Kosten ist die Kfz-Steuer der auffälligste Posten: Sie beträgt nach § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter.
Ist ein Kabinenroller ein Auto mit drei Rädern?
Meistens nicht. Historische Kabinenroller wie der Messerschmitt KR 200 hatten drei Räder, die heute verkauften Elektro-Kabinenroller sind dagegen überwiegend vierrädrig und tragen die Klasse L6e in den Papieren. Der Name hat sich gehalten, die Technik dahinter hat gewechselt. Feld J der Zulassungsbescheinigung klärt den Fall in Sekunden.
Darf ein dreirädriges Auto auf die Autobahn?
Nach § 18 Abs. 1 StVO dürfen Autobahnen und Kraftfahrstraßen nur Kraftfahrzeuge benutzen, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit über 60 km/h liegt. Ein dreirädriges Fahrzeug der Klasse L5e erfüllt das in der Regel, ein 45-km/h-Fahrzeug der Klasse L2e ist ausgeschlossen. Der Wert steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I.