Auto mit 3 Rädern: Modelle, Klassen und Führerschein

Ein Auto mit 3 Rädern fällt rechtlich in die Fahrzeugklasse L: Welche Klasse in den Papieren steht, ab welchem Alter du fahren darfst und welche Modelle es gibt.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Ein Fahrzeug mit Karosserie, Lenkrad und Sitzen, aber nur drei Rädern: Der erste Gedanke ist meist ein Sparauto aus den Fünfzigern. Tatsächlich baut die Industrie bis heute dreirädrige Fahrzeuge, und der Grund dafür liegt im Zulassungsrecht.

Warum Hersteller ein Rad weglassen

Ein Auto mit vier Rädern ist ein Personenkraftwagen der EU-Klasse M1. Damit hängt eine lange Kette an Anforderungen daran: Typgenehmigung nach Pkw-Recht, Frontal- und Seitenaufprallprüfungen, umfangreiche Vorschriften zu Insassenschutz und Assistenzsystemen. Für einen Großserienhersteller ist das Alltag, für eine Kleinserie ist es die Hürde, an der das Projekt scheitert.

Ein dreirädriges Fahrzeug fällt dagegen in die Fahrzeugklasse L, dieselbe Gruppe, in der auch Motorräder und Roller stehen. Die technischen Anforderungen der Verordnung (EU) 168/2013 sind dort deutlich schlanker. Daraus ergeben sich vier Vorteile, die alle in dieselbe Richtung wirken:

  1. Genehmigung. Es gilt die Genehmigung für L-Fahrzeuge, mit deutlich geringerem Aufwand für Prüfungen und Dokumentation als im Pkw-Recht.
  2. Gewicht. Ohne die Strukturen, die eine Pkw-Zelle braucht, bleiben Fahrzeuge in dieser Klasse leicht. Das senkt Verbrauch und Batteriebedarf, was besonders bei Elektrofahrzeugen durchschlägt.
  3. Stückzahl. Kleinserien werden wirtschaftlich, weil sich die Zulassungskosten auf wenige hundert Fahrzeuge verteilen lassen.
  4. Betriebskosten für den Halter. Steuer, Versicherungseinstufung und der HU-Rhythmus folgen den Regeln für L-Fahrzeuge.

Bezahlt wird das mit den Grenzen derselben Klasse: kein Pkw-Insassenschutz, eingeschränkte Nutzlast, und je nach Ausführung eine Höchstgeschwindigkeit, die auf der Autobahn nicht reicht.

Warum fast alle zwei Räder vorn haben

Drei Räder ergeben eine dreieckige Standfläche. Solange der Schwerpunkt innerhalb dieses Dreiecks bleibt, steht das Fahrzeug. In Kurven wirkt eine Querkraft, die den Schwerpunkt gedanklich nach außen verschiebt. Erreicht er eine der Verbindungslinien zwischen zwei Rädern, kippt das Fahrzeug über diese Kipplinie.

Damit ist klar, worauf es ankommt: auf den Abstand zwischen Schwerpunkt und Kipplinie. Und genau dort trennen sich die beiden Bauformen.

Zwei schematische Draufsichten im Vergleich, jeweils mit dem Dreieck der Radaufstandspunkte als Standfläche. Links die Bauform mit einem Rad vorn und zwei hinten: Der als roter Punkt eingezeichnete Schwerpunkt liegt 0,27 Meter von der vorderen linken Kipplinie entfernt. Rechts die Bauform mit zwei Rädern vorn und einem hinten: Hier beträgt derselbe Abstand 0,40 Meter, weil die breite Seite des Dreiecks vorn liegt, dort wo beim Bremsen die Last wirkt. Beide Beispiele rechnen mit 1,40 Meter Spurweite, 2,30 Meter Radstand und einem Schwerpunkt 40 Prozent hinter der Vorderachse.

Dieselbe Spurweite, derselbe Radstand: Die Anordnung der Räder entscheidet über knapp 50 Prozent mehr Abstand zur vorderen Kipplinie.

Bei einem Fahrzeug mit einem Rad vorn liegt die Spitze des Dreiecks vorn, also genau dort, wohin beim Bremsen die Last wandert. Der Schwerpunkt sitzt bei den meisten Fahrzeugen ohnehin vor der Mitte, weil Motor und Fahrer vorn sitzen. Beides addiert sich zu einer Bauform, die beim Bremsen in der Kurve empfindlich reagiert. Der Reliant Robin, in den Siebzigern und Achtzigern in Großbritannien zehntausendfach gebaut, hat genau daraus seinen Ruf bezogen.

Bei zwei Rädern vorn liegt die breite Seite des Dreiecks vorn. Die Spitze zeigt nach hinten, wo beim Bremsen die Last abnimmt. Dazu kommen zwei gelenkte Räder und zwei Bremsen an der Vorderachse. Deshalb bauen Morgan, Carver, Aptera und die Serienhersteller der Motorrad-Trikes ausnahmslos so. Die Bezeichnungen für beide Anordnungen und ihre Herkunft klärt der Ratgeber zum Motorrad mit 3 Rädern.

Was in den Papieren steht

Die entscheidende Angabe steht in Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil I. Sie legt fest, welche Fahrerlaubnis gilt, welches Kennzeichen das Fahrzeug führt und wie die Steuer berechnet wird.

KlasseRäderGrenzeKennzeichen
L2edreibis 45 km/h, bis 50 cm³ oder 4 kWVersicherungskennzeichen
L5edreiüber 45 km/h, symmetrisch angeordnetreguläre Zulassung
L6evierbis 45 km/h, bis 6 kW, bis 425 kgVersicherungskennzeichen
L7evierüber 45 km/h, bis 15 kWreguläre Zulassung
M1vierPersonenkraftwagenreguläre Zulassung

Die Tabelle zeigt den häufigsten Irrtum in dieser Fahrzeugwelt: L6e und L7e sind vierrädrig. Wer ein schmales Kabinenfahrzeug sieht und daraus auf drei Räder schließt, liegt bei den meisten aktuellen Modellen daneben. Umgekehrt sieht ein Morgan Super 3 aus wie ein Auto und trägt trotzdem L5e in den Papieren.

Welcher Führerschein, ab welchem Alter

Der Weg zum dreirädrigen Fahrzeug führt über drei Türen. Welche offensteht, hängt an Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit und Alter.

FahrzeugKlasseMindestalterRechtsgrundlage
dreirädrig bis 45 km/h (L2e)AM, in B enthalten15 Jahre, bis 16 nur im Inland§ 6 Abs. 1, § 10 Abs. 1 FeV
dreirädrig über 45 km/h, bis 15 kWA116 Jahre§ 6 Abs. 1 FeV
dreirädrig über 45 km/h, bis 15 kWB18 Jahre, nur im Inland§ 6 Abs. 3a FeV
dreirädrig über 15 kWA21 Jahre§ 6 Abs. 1, § 10 Abs. 1 FeV
dreirädrig über 15 kWB21 Jahre, nur im Inland§ 6 Abs. 3a FeV

Zwei Punkte verdienen Aufmerksamkeit. Erstens die Leistungsgrenze von 15 Kilowatt: Sie entscheidet über das Mindestalter und trennt den Carver mit wenigen Kilowatt vom Morgan Super 3 mit rund 87 Kilowatt. Zweitens die Inlandsbeschränkung: Die Berechtigung aus § 6 Abs. 3a FeV ist eine deutsche Sonderregel ohne Eintrag im Führerschein und gilt jenseits der Grenze nicht. Alle Details dazu stehen im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.

Für die häufige Frage nach dem Einstieg mit 16 Jahren heißt das: Über die Klasse A1 ist ein dreirädriges Fahrzeug bis 15 kW erreichbar, und das darf schneller als 45 km/h fahren. Wer bei 45 km/h bleibt, kommt schon mit der Klasse AM ab 15 Jahren ans Ziel.

Aktuelle Modelle

Der Markt ist überschaubar und teilt sich in zwei Lager: teure Liebhaberfahrzeuge und günstige Elektro-Kleinfahrzeuge für kurze Wege.

Die Klassiker, die den Ruf geprägt haben

Die Blütezeit dreirädriger Autos lag in den Jahren nach 1950, als Material knapp und Kaufkraft gering war. Die Fahrzeuge dieser Epoche prägen bis heute das Bild:

FahrzeugBauzeitAnordnungBesonderheit
Messerschmitt KR 175 und KR 2001953 bis 1964zwei vorn, eines hintenKabinenroller mit Plexiglashaube, Tandemsitze
Fuldamobil1950 bis 1969zwei vorn, eines hintenKleinwagen mit Holz- und Sperrholzaufbau
Tempo Hanseat1949 bis 1956eines vorn, zwei hintendreirädriger Lieferwagen, Vorderradantrieb
Reliant Robin1973 bis 2002eines vorn, zwei hintenin Großbritannien mit Motorradführerschein fahrbar
Piaggio Apeseit 1948eines vorn, zwei hintenKleintransporter, bis heute in Produktion

Der Reliant Robin verdient eine eigene Bemerkung, weil er das Bild vom kippenden Dreirad geprägt hat. Sein Erfolg beruhte auf einer britischen Regel, die dreirädrige Fahrzeuge unter einem bestimmten Gewicht steuerlich und beim Führerschein begünstigte. Die Bauform mit einem Vorderrad war dafür die kompakteste Lösung, und sie brachte die Nachteile mit, die die Standflächen-Grafik weiter oben zeigt.

Kosten: Steuer, Versicherung, HU

Bei den laufenden Kosten folgt ein dreirädriges Fahrzeug den Regeln der L-Klasse, und die weichen an mehreren Stellen vom Pkw ab.

Kfz-Steuer. § 8 Nr. 1b KraftStG bemisst die Steuer bei dreirädrigen und leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen nach Hubraum und Schadstoffemissionen. Der Satz aus § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG beträgt 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter bei eingehaltenen Grenzwerten und 25,36 Euro, wenn die Emissionsschlüsselnummer 06, 07 oder 08 lautet. Für den 1,5-Liter-Dreizylinder des Morgan Super 3 sind das 15 Stufen und damit 316,05 Euro im Jahr. Reine Elektrofahrzeuge sind von der Steuer befreit.

Versicherung. L2e-Fahrzeuge bis 45 km/h fahren mit Versicherungskennzeichen, das jährlich zum 1. März gewechselt wird und je nach Anbieter und Fahrzeugart im niedrigen dreistelligen Bereich liegt. L5e-Fahrzeuge brauchen eine reguläre Kfz-Haftpflicht. Wie stark die Beiträge dort auseinandergehen, zeigt der Ratgeber zur Trike-Versicherung.

Hauptuntersuchung. Dreirädrige Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen liegen nach Anlage VIII zur StVZO im Zwei-Jahres-Rhythmus der Krafträder. Das verlängerte Erstintervall von 36 Monaten, das neue Pkw genießen, gilt hier nicht.

Helm oder Gurt

Eine Frage stellt sich bei offenen dreirädrigen Fahrzeugen, die bei geschlossenen entfällt. § 21a Abs. 2 StVO verlangt auf offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen über 20 km/h einen geeigneten Schutzhelm. Der zweite Satz derselben Vorschrift nimmt Fahrzeuge aus, bei denen vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.

Für die Praxis heißt das: Ein Fahrzeug mit Sitzschalen und eingetragenen Gurten fährt ohne Helm, ein offenes Fahrzeug mit Motorradsitz nicht. Ein geschlossener Kabinenroller fällt von vornherein heraus, weil er kein offenes Fahrzeug ist. Welche Bauart welche Regel trifft, klärt der Ratgeber zur Helmpflicht beim Trike.

Fazit

Ein Auto mit drei Rädern führt rechtlich ein Eigenleben. Es fällt in die EU-Klasse L und teilt sich die Regeln mit Motorrädern und Rollern, von der Steuer über die Hauptuntersuchung bis zur Fahrerlaubnis. Genau diese Einordnung ist der Grund für die Bauform: Sie macht Kleinserien möglich, die als Pkw nie wirtschaftlich wären.

Wer ein solches Fahrzeug ins Auge fasst, klärt drei Punkte vor allem anderen. Erstens die Klasse in Feld J, weil sie über Kennzeichen, Steuer und Autobahnzulassung entscheidet. Zweitens die Motorleistung, weil die Grenze von 15 Kilowatt das Mindestalter verschiebt. Und drittens die Radanordnung, weil zwei Räder vorn beim Bremsen in der Kurve die klar größere Reserve bieten.

Für die Fahrzeuge mit Motorradcharakter statt Karosserie geht es im Ratgeber zum Motorrad mit 3 Rädern weiter, und wer die Fahrerlaubnisfrage im Detail durchgehen will, findet sie beim Trike mit Autoführerschein.

Häufige Fragen

Wie heißt ein Auto mit 3 Rädern?

Einen amtlichen Namen dafür gibt es nicht. Im Sprachgebrauch heißen offene Fahrzeuge dieser Bauart Three-Wheeler oder Trike, geschlossene Kabinenroller. In den Fahrzeugpapieren steht in Feld J die EU-Klasse: L5e für dreirädrige Kraftfahrzeuge über 45 km/h, L2e für dreirädrige Kleinkrafträder bis 45 km/h. Die Fahrzeugart lautet dann "dreirädriges Kraftfahrzeug", nicht Personenkraftwagen.

Welchen Führerschein braucht man für ein Auto mit 3 Rädern?

Das hängt an Leistung und Höchstgeschwindigkeit. Bis 45 km/h genügt die Klasse AM, die in jeder Klasse B enthalten ist. Über 45 km/h und bis 15 kW reicht A1 ab 16 Jahren oder in Deutschland die Klasse B ab 18. Über 15 kW verlangt § 6 Abs. 3a FeV für Inhaber der Klasse B ein Mindestalter von 21 Jahren, alternativ gilt die Klasse A, ebenfalls ab 21.

Gibt es ein dreirädriges Auto ab 16 Jahren?

Ja, über zwei Wege. Mit der Klasse AM ab 15 Jahren darfst du dreirädrige Fahrzeuge bis 45 km/h fahren, bis zum 16. Geburtstag nur im Inland. Mit der Klasse A1 ab 16 Jahren kommen dreirädrige Kraftfahrzeuge bis 15 kW Motorleistung dazu, die auch schneller als 45 km/h fahren dürfen. Wer erst mit 18 die Klasse B macht, kann die kleine Variante ohne Zusatzprüfung mitnutzen.

Warum bauen Hersteller Autos mit nur drei Rädern?

Der Grund ist die Zulassung. Ein dreirädriges Fahrzeug fällt in die EU-Fahrzeugklasse L und damit unter deutlich schlankere Anforderungen als ein Personenkraftwagen der Klasse M1. Es braucht keine Pkw-Typgenehmigung mit den zugehörigen Crashnormen, wiegt weniger und lässt sich in kleinen Stückzahlen wirtschaftlich bauen. Für Kleinserien und Start-ups ist das der entscheidende Punkt.

Sind Autos mit drei Rädern gefährlicher?

Sie haben eine dreieckige Standfläche statt einer rechteckigen, deshalb liegt der Schwerpunkt bei gleicher Spur näher an der Kipplinie. Entscheidend ist die Bauform: Fahrzeuge mit zwei Rädern vorn stehen beim Bremsen in der Kurve klar stabiler als solche mit einem einzelnen Vorderrad. Aktuelle Modelle nutzen deshalb fast ausnahmslos die Anordnung mit zwei Vorderrädern.

Was kostet ein Auto mit drei Rädern?

Die Spanne ist groß. Elektrische Kabinenfahrzeuge bis 45 km/h beginnen bei rund 4.000 bis 6.000 Euro, der Morgan Super 3 als offener Roadster liegt laut Händlerangaben bei rund 50.000 Euro brutto. Bei den laufenden Kosten ist die Kfz-Steuer der auffälligste Posten: Sie beträgt nach § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter.

Ist ein Kabinenroller ein Auto mit drei Rädern?

Meistens nicht. Historische Kabinenroller wie der Messerschmitt KR 200 hatten drei Räder, die heute verkauften Elektro-Kabinenroller sind dagegen überwiegend vierrädrig und tragen die Klasse L6e in den Papieren. Der Name hat sich gehalten, die Technik dahinter hat gewechselt. Feld J der Zulassungsbescheinigung klärt den Fall in Sekunden.

Darf ein dreirädriges Auto auf die Autobahn?

Nach § 18 Abs. 1 StVO dürfen Autobahnen und Kraftfahrstraßen nur Kraftfahrzeuge benutzen, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit über 60 km/h liegt. Ein dreirädriges Fahrzeug der Klasse L5e erfüllt das in der Regel, ein 45-km/h-Fahrzeug der Klasse L2e ist ausgeschlossen. Der Wert steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I.

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