Motorrad mit 3 Rädern: Namen, Bauformen und Klassen

Trike, Reverse Trike oder Gespann: Wie ein Motorrad mit 3 Rädern richtig heißt, woran du die Bauformen unterscheidest und was in den Fahrzeugpapieren steht.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Auf dem Parkplatz steht ein Fahrzeug mit zwei Rädern vorn, einem hinten und einem Motorradlenker darüber. Die naheliegende Frage lautet: Wie heißt so etwas eigentlich? Die Antwort hat zwei Ebenen. Es gibt den Namen, den Fahrer und Händler benutzen, und es gibt den, der in den Fahrzeugpapieren steht.

Der kurze Name: Trike

Das Wort kommt aus dem Englischen und ist eine Verkürzung von tricycle, dem Dreirad. Im deutschen Sprachgebrauch hat es sich für motorisierte Dreiräder mit Motorradcharakter durchgesetzt, während „Dreirad“ eher für muskelbetriebene Fahrräder und Kinderfahrzeuge steht.

Das Kraftfahrt-Bundesamt führt den Begriff in seinem Glossar und beschreibt ein Trike als motorisiertes, offenes Straßenfahrzeug mit drei Rädern. Zwei Merkmale stecken in dieser knappen Definition: der Antrieb und der offene Aufbau. Ein geschlossenes Dreirad mit Kabine fällt aus dieser Beschreibung heraus und trägt deshalb traditionell einen eigenen Namen.

Umgangssprachlich kursieren daneben mehrere Bezeichnungen, die dasselbe meinen oder sich in Nuancen unterscheiden:

BegriffWas damit gemeint ist
TrikeSammelbegriff für motorisierte Dreiräder mit Motorradcharakter
Dreirad-Motorrad, Motorrad-DreiradUmschreibungen desselben Fahrzeugs, verbreitet in Suchanfragen
Reverse TrikeTrike mit zwei Rädern vorn, einem hinten
Roadster (bei Can-Am)Herstellerbezeichnung für die Spyder-Baureihe
Three-Wheelerenglische Bezeichnung, in Deutschland vor allem bei Morgan gebräuchlich
Kabinenrollergeschlossenes Dreirad mit Karosserie, Fahrgastzelle und Dach
Gespann, BeiwagenmaschineKraftrad mit seitlich angebautem Beiwagen, technisch etwas anderes

Delta oder Tadpole: die zwei Radanordnungen

Wer den Namen kennt, stolpert über die nächste Unterscheidung. Zwei Fahrzeuge können beide Trikes sein und trotzdem grundverschieden fahren, weil die Räder anders verteilt sind. Die Fachsprache benutzt dafür zwei Bilder.

Drei schematische Draufsichten dreirädriger Fahrzeuge im Vergleich. Links das Delta-Trike mit einem Rad vorn und zwei Rädern hinten, in der Mitte das Tadpole- oder Reverse-Trike mit zwei Rädern vorn und einem hinten, rechts das Beiwagen-Gespann mit seitlich versetztem drittem Rad. Eine senkrechte Mittellinie zeigt, dass die ersten beiden Bauformen symmetrisch aufgebaut sind, das Gespann dagegen nicht.

Die Radanordnung entscheidet über Fahrverhalten und Rechtsstellung: Symmetrie macht aus einem Motorrad ein dreirädriges Kraftfahrzeug.

Der Unterschied ist mehr als Optik. Beim Tadpole sitzen zwei Bremsen und zwei gelenkte Räder an der Vorderachse, also dort, wohin beim Bremsen die Last wandert. Das Fahrzeug bleibt beim Verzögern in der Spur und schiebt in Kurven berechenbar über die Vorderräder. Beim Delta trägt ein einzelnes Vorderrad die gesamte Lenkarbeit und einen großen Teil der Bremsarbeit, dafür bringen zwei angetriebene Hinterräder die Kraft auf die Straße, was schweren Tourenfahrzeugen entgegenkommt.

Praktisch heißt das: Die Serienhersteller mit sportlichem Anspruch bauen Tadpole, die Umbauszene und die Tourenfraktion bleiben beim Delta. Wie sich beide auf der Straße anfühlen, klärt der Ratgeber zum Trike fahren lernen.

Das Gespann ist kein Trike

Ein Motorrad mit Beiwagen hat drei Räder und wird trotzdem anders eingeordnet. Der Grund steckt in der Anordnung: Das dritte Rad hängt seitlich am Boot, die Räder stehen unsymmetrisch zur Fahrzeuglängsachse. Konstruktiv bleibt darunter ein Motorrad mit Zweiradfahrwerk, an das ein Beiwagen geschraubt ist.

Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sie entscheidet über den Führerschein. § 6 Abs. 1 FeV ordnet der Klasse A1 und der Klasse A jeweils „dreirädrige Kraftfahrzeuge mit symmetrisch angeordneten Rädern“ zu. Ein Gespann erfüllt dieses Merkmal nicht und bleibt ein Kraftrad, für das die passende Motorradklasse nötig ist. Die deutsche Sonderregel, mit Klasse B ein Dreirad zu fahren, greift beim Gespann folglich nicht.

MerkmalTrike (Delta oder Tadpole)Beiwagen-Gespann
Rädersymmetrisch zur Längsachseunsymmetrisch, drittes Rad seitlich
Fahrwerkmehrspurig, keine Schräglageeinspuriges Motorrad plus Beiwagen
Fahrzeugart in den Papierendreirädriges KraftfahrzeugKraftrad mit Beiwagen
FührerscheinA, A1 oder B (nur im Inland)Motorradklasse nach Leistung
Kurvenverhaltenbeide Seiten gleichRechts- und Linkskurve verlangen unterschiedliche Technik

Der letzte Punkt ist der Grund, warum Gespannfahrer von einer eigenen Fahrschule sprechen. Weil die Masse des Beiwagens nur auf einer Seite hängt, will das Gespann in der einen Kurvenrichtung ausbrechen und in der anderen abheben. Ein Trike verhält sich in Links- und Rechtskurven gleich.

Neigetechnik: die dritte Gattung

Zwischen Motorrad und Trike steht eine Bauart, die beides verbindet. Zwei eng nebeneinander stehende Vorderräder hängen an einem Parallelogramm, das sich mitsamt Fahrzeug in die Kurve legt. Der Fahrer lenkt und neigt wie auf einem Motorrad, hat aber zwei Räder mit Bodenkontakt vor sich.

Yamaha nennt sein System Leaning Multi Wheel (LMW), Piaggio arbeitet bei der MP3 seit 2006 mit einer vergleichbaren Konstruktion. Die bekannten Vertreter:

Rechtlich sind diese Fahrzeuge dreirädrige Kraftfahrzeuge wie jedes andere Trike. Bei den Rollern hängt die Führerscheinfrage zusätzlich an einem Maß, das kaum jemand auf dem Zettel hat: Ab 460 Millimetern Abstand zwischen den Vorderrädern gilt das Fahrzeug als dreirädrig, darunter als Zweirad. Der Ratgeber zur Piaggio MP3 mit Autoführerschein rechnet diese Grenze im Detail durch.

Wie das Amt es nennt

In den Fahrzeugpapieren taucht das Wort Trike nicht auf. Dort stehen die EU-Fahrzeugklassen, die europaweit vereinheitlicht sind und in Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragen werden.

EU-KlasseBeschreibungTypische Fahrzeuge
L2edreirädriges Kleinkraftrad, bis 45 km/h, bis 50 cm³ oder 4 kWdreirädrige Elektroroller, langsame Lastendreiräder
L5edreirädriges Kraftfahrzeug mit symmetrischen Rädern, über 45 km/hCan-Am Ryker und Spyder, Rewaco, Boom, Piaggio MP3, Harley Tri Glide
L6e und L7eleichte und schwere vierrädrige KraftfahrzeugeMopedautos, viele moderne Kabinenroller

Die Klasse ist der Schlüssel zu allem Weiteren. Sie legt fest, welche Fahrerlaubnis genügt, wie die Kfz-Steuer berechnet wird und in welchem Rhythmus die Hauptuntersuchung fällig ist. Wichtig für die Suche nach dem passenden Fahrzeug: Viele Kabinenroller sind vierrädrig und tragen L6e in den Papieren, obwohl sie schmal aussehen und im Sprachgebrauch als Dreirad durchgehen. Ein Blick in Feld J klärt das in Sekunden.

Die Grenze zwischen L2e und L5e liegt bei 45 km/h und entscheidet auch über das Kennzeichen: L2e-Fahrzeuge fahren mit Versicherungskennzeichen, L5e-Fahrzeuge brauchen eine reguläre Zulassung mit Kfz-Kennzeichen. Was das für die schnelleren Elektro-Dreiräder bedeutet, steht im Ratgeber zum E-Dreirad mit 45 km/h.

Bekannte Modelle nach Bauform

ModellBauformMotorKlasse
Can-Am Ryker 600 und 900Tadpole600 cm³ mit 37,3 kW, 900 cm³ mit 61,1 kWL5e
Can-Am Spyder F3 und RTTadpole1.330 cm³ mit 85,8 kWL5e
Harley-Davidson Tri GlideDeltaMilwaukee-Eight ZweizylinderL5e
Rewaco und Boom TrikesDeltaje nach Baureihe Vierzylinder oder BoxerL5e
Polaris SlingshotTadpole2,0-Liter-VierzylinderL5e
Morgan Super 3Tadpole1,5-Liter-Dreizylinder von FordL5e
Piaggio MP3Tadpole mit Neigetechnik125 bis 530 cm³L5e
Piaggio ApeDeltaKleinmotor mit TransportaufbauL2e oder L5e

Die Liste zeigt die Bandbreite: Vom Lastendreirad mit wenigen Kilowatt bis zum Roadster mit über 100 PS liegt alles in derselben Fahrzeuggattung. Eine ausführliche Einordnung der verbreitetsten Serienmodelle findest du in den Rezensionen zum Can-Am Ryker und zum Can-Am Spyder F3.

Warum überhaupt drei Räder

Aus technischer Sicht ist das dritte Rad ein Tausch. Das Fahrzeug verliert die Schräglage und gewinnt Standfestigkeit. Vier Vorteile folgen daraus, und sie erklären, warum die Bauform trotz höherer Kosten und größerer Breite Käufer findet:

  1. Kein Balancieren. Das Fahrzeug steht von allein, im Stand wie beim Anfahren am Berg. Wer ein schweres Motorrad an der Ampel nicht mehr sicher halten will, verliert dieses Problem komplett.
  2. Fahrbahnschäden verzeihen mehr. Nasses Laub, Schienen und Rollsplitt bringen ein mehrspuriges Fahrzeug nicht in dieselbe Bedrängnis wie ein Zweirad in Schräglage.
  3. Traglast und Komfort. Zwei Hinterräder tragen Gepäck, Anhängelast und einen zweiten Sitzplatz mit Rückenlehne. Deshalb dominiert die Delta-Form bei Tourenfahrzeugen.
  4. Der Führerschein. In Deutschland öffnet § 6 Abs. 3a FeV die Klasse B für dreirädrige Kraftfahrzeuge. Ab 21 Jahren darfst du damit jedes Trike fahren, ohne Motorradprüfung. Die Bedingungen und Grenzfälle stehen im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.

Bezahlt wird das mit Breite und mit einem eigenen Fahrverhalten. Ein Can-Am Spyder RT misst 1.554 Millimeter über die Vorderachse und passt damit in keine Motorradlücke. Und weil sich das Fahrzeug nicht in Schräglage legt, wirken in Kurven Querkräfte auf Fahrer und Fahrwerk, die ein Zweirad so nicht kennt.

Fazit

Ein Motorrad mit drei Rädern heißt Trike, und wer genauer sein will, nennt die Radanordnung dazu: Delta bei einem Rad vorn, Tadpole oder Reverse Trike bei zwei. Ein Beiwagen-Gespann fällt trotz dreier Räder aus dieser Gruppe heraus, weil seine Räder unsymmetrisch stehen und es konstruktiv ein Motorrad bleibt.

Für alles Weitere zählt der Eintrag in Feld J der Zulassungsbescheinigung. Steht dort L5e, hast du ein dreirädriges Kraftfahrzeug vor dir, mit allen Folgen für Führerschein, Steuer und Versicherung. Steht dort L2e, bleibt das Fahrzeug bei 45 km/h und fährt mit Versicherungskennzeichen. Und steht dort L6e, ist es trotz schmaler Silhouette ein vierrädriges Leichtfahrzeug.

Wer wissen will, welche Fahrerlaubnis das eigene Wunschfahrzeug verlangt, findet die Antwort im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein. Und wer sich fragt, warum manche dreirädrigen Fahrzeuge eher wie ein Auto aussehen, liest weiter beim Auto mit drei Rädern.

Häufige Fragen

Wie heißt ein Motorrad mit 3 Rädern?

Der gebräuchliche Name ist Trike, abgeleitet vom englischen tricycle. Das Kraftfahrt-Bundesamt beschreibt ein Trike in seinem Glossar als motorisiertes, offenes Straßenfahrzeug mit drei Rädern. In den Fahrzeugpapieren steht dieser Name allerdings nicht: Dort trägt das Fahrzeug die amtliche Bezeichnung dreirädriges Kraftfahrzeug und in Feld J die EU-Klasse L5e oder L2e.

Was ist der Unterschied zwischen Trike und Reverse Trike?

Beim klassischen Trike sitzt ein Rad vorn und zwei sitzen hinten, diese Anordnung heißt Delta. Beim Reverse Trike ist es umgekehrt: zwei Räder vorn, eines hinten, in der Fachsprache Tadpole. Die umgekehrte Anordnung bringt zwei gelenkte Räder und zwei Bremsen an die Vorderachse und liegt in Kurven stabiler. Can-Am Ryker und Spyder sind Reverse Trikes, Rewaco und die Harley Tri Glide sind Deltas.

Ist ein Gespann mit Beiwagen auch ein Trike?

Nein. Ein Gespann ist ein Kraftrad mit angebautem Beiwagen und behält seine einspurige Grundkonstruktion samt Schräglagenfahrwerk. Seine Räder stehen unsymmetrisch, das dritte Rad hängt seitlich daneben. Ein dreirädriges Kraftfahrzeug im Sinne der Fahrerlaubnis-Verordnung braucht dagegen symmetrisch angeordnete Räder. Diese Unterscheidung hat Folgen für den Führerschein.

Wie nennt man ein Motorrad mit 3 Rädern und Neigetechnik?

Solche Fahrzeuge heißen kippbare oder neigende Dreiräder, Yamaha nutzt für seine Bauart die Bezeichnung Leaning Multi Wheel (LMW). Technisch tragen sie zwei eng stehende Vorderräder an einem Parallelogramm, das sich mit dem Fahrzeug in die Kurve legt. Piaggio MP3, Yamaha Tricity und Yamaha Niken arbeiten nach diesem Prinzip.

Was steht bei einem Trike in den Fahrzeugpapieren?

In Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil I steht die EU-Fahrzeugklasse. Motorisierte Dreiräder über 45 km/h tragen dort L5e, dreirädrige Kleinkrafträder bis 45 km/h die Klasse L2e. Als Fahrzeugart erscheint je nach Aufbau „dreirädriges Kraftfahrzeug“ oder „Kraftrad mit Beiwagen“. Die Angabe entscheidet über Führerschein, Steuer und Versicherungseinstufung.

Wie heißt ein Motorrad mit 3 Rädern und Kabine?

Ein geschlossenes dreirädriges Fahrzeug heißt Kabinenroller, historisch auch Kabinenmotorrad. Bekanntestes Beispiel ist der Messerschmitt KR 200 der 1950er Jahre. Aktuelle Elektro-Modelle laufen ebenfalls als Kabinenroller, sind rechtlich aber häufig vierrädrige Leichtfahrzeuge der Klasse L6e, obwohl der Name anderes vermuten lässt.

Ist ein Trike ein Motorrad oder ein Auto?

Rechtlich bildet das dreirädrige Kraftfahrzeug eine eigene Fahrzeugart innerhalb der EU-Klasse L. Bei der Kfz-Steuer greift mit § 8 Nr. 1b KraftStG ein eigener Tarif für dreirädrige Fahrzeuge, der klar über dem Kraftrad-Satz liegt. Bei der Hauptuntersuchung läuft das Trike dagegen im Zwei-Jahres-Rhythmus der Krafträder, und beim Führerschein öffnet die Klasse B in Deutschland eine eigene Tür.

Warum haben manche Motorräder drei Räder?

Drei Räder nehmen dem Fahrzeug die Notwendigkeit zu balancieren. Es steht im Stand von allein, kippt beim Anfahren nicht um und verzeiht Fahrbahnschäden eher. Das macht die Bauform für Umsteiger, für Fahrer mit gesundheitlichen Einschränkungen und für schwere Tourenfahrzeuge attraktiv. Dazu kommt in Deutschland die Fahrerlaubnisregel, die dreirädrige Kraftfahrzeuge für Inhaber der Klasse B öffnet.

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