Dreirad-Auto bei Mr. Bean: Welcher Reliant ist das?

Das blaue Dreirad-Auto bei Mr. Bean ist ein Reliant Regal Supervan III von 1972, Kennzeichen GRA 26K. Mit Technik, Serienrolle und Kipp-Physik.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Das hellblaue Dreirad, das Mr. Bean mit seinem Mini immer wieder umstößt, gehört zu den bekanntesten Nebenfiguren der britischen Fernsehgeschichte. Hinter dem Gag steckt ein echtes Auto mit eigener Geschichte, und es ist ein anderes Modell, als die meisten vermuten.

Welches Auto ist das blaue Dreirad bei Mr. Bean?

Das Fahrzeug ist ein Reliant Regal Supervan III aus dem Jahr 1972. Gebaut hat es die Reliant Motor Company in Tamworth, einer Kleinstadt in den englischen Midlands. Der Supervan ist die Lieferwagen-Ausführung der Baureihe Regal, vorn mit derselben Front wie die Limousine, hinten mit einem geschlossenen Kasten und seitlich angeschlagener Hecktür. In der Serie trägt der Wagen das Kennzeichen GRA 26K und die Farbe Hellblau.

Die Kennung „III” bezeichnet die dritte Supervan-Generation. Sie entstand 1968, als Reliant die Regal-Reihe auf einen neuen Motor mit 701 Kubikzentimetern umstellte. Bis 1973 lief der Supervan III vom Band, danach übernahm ein Kastenwagen auf Basis des Robin. Ein Fahrzeug von 1972 stammt also aus den letzten Baujahren der Regal-Ära.

Für die Serie war der Wagen damit schon ein Oldtimer im Alltagseinsatz. Als Mr. Bean 1990 auf Sendung ging, war das Modell 17 Jahre aus der Produktion, und Reliant verkaufte längst den Nachfolger. Als Gegenspieler passte er genau deshalb. Ein kleines, etwas aus der Zeit gefallenes Gefährt, das sich gegen Beans Mini nie durchsetzen kann.

Seine Rolle in der Serie

Die Fehde beginnt in der Pilotfolge „Mr. Bean”, die ITV am 1. Januar 1990 ausstrahlte. Bean ist mit seinem Mini auf dem Weg zu einer Mathematikprüfung und verursacht dabei einen Unfall mit dem blauen Reliant. Im Abspann begegnen sich die beiden erneut, Bean biegt in eine Sackgasse ab und setzt seinen eigenen Mini gegen die Wand.

Daraus wird ein Running Gag, der sich durch die Serie zieht. Der Reliant wird umgekippt, angefahren oder aus seiner Parklücke geschoben, meist ohne dass Bean es bemerkt. In „The Trouble with Mr. Bean” etwa drängt er ihn vor einer Zahnarztpraxis aus dem Parkplatz auf eine gelbe Linie, wo der Wagen prompt einen Strafzettel bekommt.

Zwei Dinge machen den Gag aus:

Die Zeichentrickserie ab 2002 dreht den Spieß um. Dort bekommt der Fahrer ein Gesicht, der Wagen fährt mit dem Kennzeichen DUW 742, und am Ende rächt sich der Reliant-Fahrer, indem er Beans Mini zerquetschen lässt.

Beans eigener Wagen ist übrigens ebenfalls ein Klassiker. In der Pilotfolge fährt er einen orangefarbenen Morris Mini 1000 Mk 2 von 1969, eben den, der im Abspann zu Bruch geht. Ab der zweiten Folge folgt der bekannte zitronengrüne British Leyland Mini 1000 Mk 4 von 1977 mit mattschwarzer Motorhaube und dem Kennzeichen SLW 287R. Statt des eingebauten Schlosses sichert Bean ihn mit Riegel und Vorhängeschloss.

Regal, Supervan und Robin: wie die Modelle zusammenhängen

Die Verwechslung mit dem Robin ist der häufigste Irrtum rund um das Bean-Auto. Sie ist verständlich, denn Robin und Regal teilen Bauform, Hersteller und Grundidee. Zeitlich liegen sie aber nacheinander.

Zeitachse von 1950 bis 2005 mit den Bauzeiten der Reliant-Dreiräder als Balken: Regal Mk I bis VI von 1953 bis 1962, Regal 3/25 von 1962 bis 1968, Regal 3/30 von 1968 bis 1973, Supervan I und II von 1966 bis 1968, Supervan III von 1968 bis 1973 mit einer Markierung beim Baujahr 1972 des Bean-Autos, Robin Mk I von 1973 bis 1981 und Robin Mk II von 1989 bis 2001. Ein grau hinterlegtes Band markiert die Ausstrahlung von Mr. Bean von 1990 bis 1995.

Als Mr. Bean 1990 startete, war der Supervan III seit 17 Jahren aus der Produktion. Parallel lief bei Reliant schon der Robin Mk II vom Band.

ModellBauzeitMotorEinordnung
Regal Mk I bis Mk VI1953 bis 1962747 cm³ SeitenventilerMk I und II mit Aluminiumkarosserie, ab Mk III ganz aus Kunststoff
Regal 3/251962 bis 1968598 cm³ OHV, 24 bhpneue Karosserie, Kunststoffaufbau auf Stahlrahmen
Supervan I und II1966 bis 1968598 cm³Kastenwagen auf Basis des 3/25
Regal 3/301968 bis 1973701 cm³ OHV, 29 bhpletzte Regal-Limousine
Supervan III1968 bis 1973701 cm³ OHV, 29 bhpKastenwagen, das Bean-Auto
Robin Mk I1973 bis 1981748 cm³, ab 1975 850 cm³Nachfolger mit neuer Karosserie
Robin Mk II1989 bis 2001850 cm³, 40 bhpNeuauflage nach dem Rialto

Die Typbezeichnungen der Limousinen folgen einem einfachen Muster. „3/25” steht für drei Räder und 25 bhp, „3/30” für drei Räder und 30 bhp. Ganz genau nahm Reliant es dabei nicht. Der kleinere Motor leistete 24 bhp, der größere 29 bhp, gerundet wurde nach oben.

Insgesamt baute Reliant laut deutschsprachiger Wikipedia mehr als 110.000 Regal, das Modell war damit die erfolgreichste Einzelbaureihe der Marke. Das National Motor Museum in Beaulieu nennt für die Jahre 1963 bis 1972 allein 105.824 Regal-Limousinen und -Kastenwagen.

Technische Daten des Supervan III

Die Daten stammen vom National Motor Museum in Beaulieu, das einen Supervan III von 1971 in seiner Sammlung führt, und vom Reliant Motor Club.

MerkmalWert
Bauzeit1968 bis 1973
MotorVierzylinder-Viertakter, hängende Ventile (OHV), 701 cm³
Leistung29 bhp bei 5.000/min
GetriebeVierganggetriebe, erster Gang ohne Synchronisierung
AntriebHinterräder
Bremsenhydraulisch an allen drei Rädern
Höchstgeschwindigkeitrund 70 mph, etwa 113 km/h
Karosserieglasfaserverstärkter Kunststoff auf Stahlrahmen
Laderaumbis 50 Kubikfuß, rund 1,4 m³
Nutzlast5 cwt, rund 250 kg
Neupreis (1971)437 Pfund

Als Sonderausstattung bot Reliant eine kürzere Hinterachsübersetzung von 4,375:1 statt 5,14:1 an, die den Wagen am Berg kräftiger machte. Ab April 1969 gab es außerdem die Ausführung 21E mit 21 Extras, die sonst aufpreispflichtig waren.

Die Kunststoffkarosserie war der Schlüssel zum Konzept. Sie hielt das Gewicht so niedrig, dass der Wagen in Großbritannien als leichtes Dreirad durchging. Die Limousinen der Baureihe wogen je nach Ausführung zwischen 394 und 445 Kilogramm.

Warum Großbritannien Dreirad-Autos fuhr

Der Erfolg des Regal hat einen nüchternen Grund: das britische Steuer- und Führerscheinrecht. Dreirädrige Fahrzeuge unter einer bestimmten Gewichtsgrenze galten als „tricycle” und damit rechtlich als Motorrad. Wer einen Motorradführerschein besaß, durfte sie fahren, und die jährliche Steuer lag deutlich unter der für Autos.

Für viele Familien war ein Reliant damit der günstigste Weg zu einem Fahrzeug mit Dach. Ein Motorradfahrer konnte ohne neue Prüfung auf ein Gefährt mit Sitzbank, Heizung und Laderaum umsteigen. Die Bauform mit einem Vorderrad war dabei die einfachste Lösung, weil sie Lenkung und Vorderachse sparte.

Diesen Zusammenhang zwischen Regelwerk und Fahrzeugangebot beschreibt der Ratgeber zur Geschichte des Trikes ausführlicher. Er erklärt auch, warum der Markt verschwand, als die Vorteile wegfielen.

Warum der Reliant so leicht umkippt

Der Gag mit dem umgestoßenen Reliant funktioniert, weil er auf echter Physik beruht. Ein Fahrzeug mit drei Rädern steht auf einer dreieckigen Standfläche. Beim Reliant liegt die Spitze dieses Dreiecks vorn am einzelnen Vorderrad, die breite Seite hinten an der Hinterachse.

Bremst der Wagen oder lenkt er scharf ein, wandert die Last nach vorn und zur Kurvenaußenseite, also genau in die schmale Spitze des Dreiecks. Dort ist der Abstand zwischen Schwerpunkt und Kipplinie am kleinsten. Ein seitlicher Rempler von einem Mini, wie ihn die Serie zeigt, wirkt in dieselbe Richtung. Mit rund 400 Kilogramm Gewicht hat der Reliant zudem wenig Masse, die dagegenhält.

Fahrzeuge mit zwei Rädern vorn haben dieses Problem kaum, weil die breite Seite des Dreiecks dort liegt, wo beim Bremsen die Last ankommt. Der Ratgeber zum Auto mit 3 Rädern zeigt beide Bauformen mit Zahlen im direkten Vergleich.

Den Ruf als Kippauto hat später vor allem der Robin gefestigt. Im Juli 2010 überschlug sich ein Reliant Robin in der BBC-Sendung Top Gear auf einer Fahrt durch Yorkshire mehrfach. 2016 räumte Moderator Jeremy Clarkson ein, dass das Team den Wagen dafür präpariert hatte, damit er in jeder Kurve umkippt. Die Inszenierung hatte trotzdem einen wahren Kern. Ein Fahrzeug dieser Bauform verzeiht ruppige Lenkmanöver deutlich schlechter als ein vierrädriges Auto.

Der gelbe Bruder: Only Fools and Horses

Mr. Bean ist nicht die einzige britische Serie mit einem Supervan III in der Hauptrolle. In der BBC-Sitcom Only Fools and Horses fahren Del Boy und Rodney Trotter einen gelben Supervan III mit der Aufschrift „Trotters Independent Traders”. Der Wagen taucht ab 1981 auf und war lange das einzige Fahrzeug der Familie.

Für die Dreharbeiten kamen mehrere Exemplare zum Einsatz, laut Reliant Motor Club war ein neues Fahrzeug oft billiger als die Reparatur eines beschädigten. Für eine Szene der sechsten Staffel sprang der Wagen über eine Buckelbrücke und zerfiel bei der Landung, gedreht wurde mit einem Ersatzfahrzeug weiter. Ein Supervan III im Trotter-Look gehört heute zur Sammlung des National Motor Museum in Beaulieu.

Damit prägen zwei Exemplare desselben Modells das Bild vom britischen Dreirad. Das gelbe fährt als Lieferwagen zweier Kleinhändler, das blaue als Opfer von Mr. Bean.

Darf man so einen Reliant in Deutschland fahren?

Ja, ein Reliant lässt sich in Deutschland zulassen und fahren. In Deutschland sind die Fahrzeuge selten, weil Reliant für den britischen Markt baute und hierzulande nie ein großes Händlernetz hatte. Wer einen kauft, holt ihn meist aus Großbritannien.

Für die Zulassung eines importierten Oldtimers ohne EU-Typgenehmigung führt der Weg über eine Einzelbetriebserlaubnis nach § 21 StVZO. Ein Sachverständiger begutachtet das Fahrzeug, prüft Beleuchtung, Bremsen und Abgaswerte und stellt fest, ob es die deutschen Vorschriften erfüllt. Ist der Wagen mindestens 30 Jahre alt, weitgehend original und gut erhalten, kommt zusätzlich ein H-Kennzeichen infrage. Dafür braucht es ein Oldtimergutachten nach § 23 StVZO.

Beim Führerschein reicht in Deutschland die Klasse B. Nach § 6 Abs. 3a FeV berechtigt sie zum Führen dreirädriger Kraftfahrzeuge im Inland, bei mehr als 15 kW Motorleistung allerdings erst ab 21 Jahren. Ein Supervan III liegt mit 29 bhp bei rund 21 kW und damit knapp über dieser Grenze. Wie die Regel im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.

Für Fahrten über die Grenze reicht das nicht, denn die Berechtigung aus § 6 Abs. 3a FeV gilt nur in Deutschland. Wer mit einem Reliant nach Großbritannien zurück oder in ein anderes Land fährt, braucht dort die Klasse, die das jeweilige Recht für dreirädrige Fahrzeuge verlangt, in der Regel die Klasse A.

Fazit

Das Dreirad-Auto bei Mr. Bean ist ein Reliant Regal Supervan III von 1972. Wer ein Foto oder ein Modellauto sucht, findet es unter diesem Namen und mit dem Kennzeichen GRA 26K am schnellsten. Modellbauer und Sammler sollten auf die Kastenform mit seitlicher Hecktür achten, die den Supervan von der Regal-Limousine unterscheidet.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbst einen Reliant in die Garage zu stellen, plant am besten den Import aus Großbritannien mit Einzelabnahme und gegebenenfalls H-Kennzeichen ein. Fahrerisch lohnt ein Blick auf die Bauform, denn ein Rad vorn verlangt in Kurven und beim Bremsen mehr Gefühl, als es die Serie vermuten lässt.

Häufige Fragen

Wie heißt das blaue Auto mit drei Rädern bei Mr. Bean?

Es ist ein Reliant Regal Supervan III, Baujahr 1972, in Hellblau. Der Supervan ist die Kastenwagen-Ausführung der Reliant-Regal-Baureihe aus Tamworth in England. In der Serie trägt er das Kennzeichen GRA 26K, in der Zeichentrickserie DUW 742.

Ist das Auto bei Mr. Bean ein Reliant Robin?

Nein. Der Reliant Robin kam erst 1973 als Nachfolger der Regal-Reihe auf den Markt. Das Fahrzeug in der Serie ist ein Regal Supervan III von 1972. Die Verwechslung liegt nahe, weil beide Modelle dieselbe Bauform mit einem Vorderrad haben und der Robin durch spätere Fernsehauftritte bekannter wurde.

Welches Auto fährt Mr. Bean selbst?

Einen Mini. In der Pilotfolge ist es ein orangefarbener Morris Mini 1000 Mk 2 von 1969, der im Abspann bei einem Unfall zu Bruch geht. Danach fährt Bean einen zitronengrünen British Leyland Mini 1000 Mk 4 von 1977 mit mattschwarzer Motorhaube, Kennzeichen SLW 287R, den er mit einem Vorhängeschloss sichert.

Wer fährt den blauen Reliant bei Mr. Bean?

Das bleibt in der Realserie offen. Der Fahrer ist nie zu sehen, das Fahrzeug selbst ist die Figur. Erst die Zeichentrickserie zeigt den Fahrer und lässt ihn sich rächen. Am Ende wird Beans Mini zerquetscht.

Warum kippt der Reliant bei Mr. Bean so leicht um?

Der Reliant hat ein Rad vorn und zwei hinten. Die Standfläche ist damit ein Dreieck, dessen Spitze vorn liegt, wo beim Bremsen und Einlenken die Last hinwandert. Ein seitlicher Stoß oder eine scharfe Lenkbewegung bringt den Schwerpunkt schnell über eine der beiden schrägen Kipplinien. Die Serie übertreibt den Effekt, die Physik dahinter stimmt.

Wie schnell fährt ein Reliant Regal Supervan III?

Rund 113 km/h, das entspricht den 70 mph, die das National Motor Museum in Beaulieu für einen Supervan III von 1971 angibt. Angetrieben wird er von einem Vierzylinder mit 701 Kubikzentimetern und 29 bhp bei 5.000 Umdrehungen pro Minute. Die Kraft geht über ein Vierganggetriebe an die Hinterräder.

Darf man einen Reliant in Deutschland fahren?

Ja, wenn er hier zugelassen ist. Ein importiertes Fahrzeug ohne EU-Typgenehmigung braucht eine Einzelbetriebserlaubnis nach § 21 StVZO. Mit der Klasse B darfst du dreirädrige Kraftfahrzeuge nach § 6 Abs. 3a FeV im Inland fahren, über 15 kW erst ab 21 Jahren. Ein Regal Supervan III bleibt mit rund 21 kW über dieser Grenze.

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