Wer sich zum ersten Mal nach einem Trike umsieht, stößt auf ein knappes Dutzend Namen und weiß danach selten mehr als vorher. Manche davon sind Motorradkonzerne, andere Werkstätten mit zwanzig Mitarbeitern, und mindestens einer der bekanntesten baut seit Jahren gar nichts mehr. Dieser Überblick sortiert die Hersteller nach dem, was sie tatsächlich bauen.
Vier Wege, auf denen ein Trike entsteht
Die Herstellernamen lassen sich schwer vergleichen, solange man sie in eine Liste wirft. Ein Fahrzeug von Can-Am und eines von WK-Trikes haben drei Räder gemeinsam und sonst wenig. Sinnvoller ist die Einteilung nach der Art, wie das Fahrzeug entsteht.
| Gruppe | Typische Vertreter | Wie das Fahrzeug entsteht |
|---|---|---|
| Werks-Trike | Can-Am, Harley-Davidson | Serienfertigung mit EG-Typgenehmigung, Werksgarantie, Vertragshändlernetz |
| Manufaktur | rewaco, WK-Trikes, AK-Trike | Einzel- und Kleinserienfertigung, Pkw-Motoren, Konfiguration nach Kundenwunsch |
| Neigetechnik-Roller | Piaggio, Yamaha | Serienroller mit zwei gelenkten Vorderrädern an einem Parallelogramm |
| Pkw-ähnliches Dreirad | Polaris, Morgan | Sitzschalen, Lenkrad und Gurte, rechtlich weiterhin dreirädriges Kraftfahrzeug |
Wer wissen will, in welche dieser Gruppen ein konkretes Fahrzeug fällt, findet die Antwort in den Papieren. Die Fahrzeugklasse steht in Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil I, meist als L5e. Die Bauform dahinter verrät sie allerdings nicht, dafür hilft der Blick auf die Radanordnung.
Die deutschen Trike-Manufakturen
Deutschland ist der wichtigste Trike-Markt Europas, und das hat historische Gründe. In den 1980er Jahren entstanden hier die ersten Eigenbauten auf VW-Käfer-Basis, aus einigen dieser Werkstätten wurden Firmen. Fünf Namen tauchen dabei regelmäßig auf: Boom-Trikes, rewaco, WK-Trikes, trike-tec und devils-trike. Zwei davon bestimmten den Markt.

Von den beiden großen deutschen Trike-Serienherstellern der 1990er Jahre baut heute noch einer: rewaco in Lindlar.
rewaco: der Marktführer aus Lindlar
Die Firma wurde am 26. November 1990 gegründet und stellte ihr erstes Trike im Januar 1991 vor. Der Sitz liegt in Lindlar im Oberbergischen Kreis, eine zweite Produktionsstätte steht im polnischen Koszalin. Mit rund 500 Fahrzeugen im Jahr und etwa 130 Verkaufsstellen weltweit ist rewaco nach eigenen Angaben der führende Trike-Hersteller Europas. Rund 60 Prozent der Fahrzeuge bleiben in Deutschland, der Rest geht nach Westeuropa, Australien, China, Japan, Südafrika, in die USA und nach Kanada.
Das aktuelle Programm umfasst vier Baureihen: PUR3 GT, PUR3 Explorer, RF1 GT und RF1 ST-3. Alle laufen mit demselben Antriebsstrang, einem 1,5-Liter-Reihenvierzylinder am 7-Gang-Automatikgetriebe, wahlweise als Sauger mit 81 kW (110 PS) oder als Turbo mit 103 kW (140 PS). Über die Modellhistorie hinweg gibt der Hersteller eine Spanne von 51 kW (70 PS) bis 148 kW (201 PS) an.
Wie groß die Nische insgesamt ist, zeigt eine einzelne Zahl: Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 2.714 rewaco-Trikes zugelassen, das sind 0,1 Prozent aller zwei- und dreirädrigen Krafträder. Beim Marktführer der Branche.
Neben den kompletten Fahrzeugen bietet rewaco sogenannte BikeConversions an, also Motorräder, die ein Doppelspur-Heck bekommen. Wer diesen Weg mit dem eigenen Motorrad gehen will, findet die rechtlichen Anforderungen im Ratgeber zum Trike-Umbau.
Boom Trikes: 32 Jahre, dann Schluss
Am 29. Januar 1990 gründeten Christine und Wolfgang Merkle zusammen mit Hermann Böhm die Einzelfirma BOOM Exklusivfahrzeuge, ab 1992 saß das Unternehmen in Sontheim an der Brenz. Die erste Serie hieß Highway I und fuhr mit Breitreifen und VW-Käfer-Motor, 1992 folgte die Highway II auf der IAA in Frankfurt. Später kamen Ford-Motoren dazu, 2017 präsentierte Boom nach eigener Darstellung das weltweit serienmäßig schnellste Trike mit 2,0-Liter-Turbomotor und 216 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Zum 30. Juni 2022 wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. Für Halter eines Boom-Trikes ist das kein Grund zur Sorge um die Zulassung, das Fahrzeug bleibt vollständig fahrbar. Die praktisch wichtigere Nachricht kam vier Monate später: Am 1. November 2022 kaufte die trike.company SG Vertriebs GmbH den Lagerbestand samt technischen Zeichnungen und Fertigungsunterlagen. Der Betrieb führt heute Ersatzteile für Boom-Modelle und zusätzlich für rewaco-Fahrzeuge.
WK-Trikes und AK-Trike: Einzelstücke statt Serie
WK-Trikes sitzt in Aubstadt in Nordbayern und baut nach Branchenangaben rund 150 Fahrzeuge im Jahr, jedes davon handgefertigt nach Kundenwunsch. Die Basis bilden Boxermotoren von VW und Porsche mit bis zu 2,4 Litern Hubraum und bis zu 155 PS. Im Programm stehen unter anderem Strike, Strike Turbo, Chopper, Highway und Rebel, dazu Dreisitzer-Ausführungen. Das Gründungsjahr des Betriebs ist öffentlich nicht dokumentiert.
AK-Trike entstand 2014 aus der Zusammenarbeit von Arno Kliebisch und Dieter Geus, wobei die Fahrzeugbasis schon 2006/2007 entwickelt wurde. Der Betrieb baut ausschließlich ein Modell mit dem programmatischen Namen Only One, jedes Exemplar nach Kundenvorgabe konfiguriert. Identisch bleiben nach Herstellerangabe nur Rahmen und Karosserie. Die Basisversion nennt AK-Trike mit 211 PS, verbaut wird durchgehend VW-Technik für Motor und Getriebe.
Diese Kleinserien-Fahrzeuge sind der Grund, warum die Trike-Szene so stark von VW-Motoren geprägt ist. Ein Pkw-Aggregat bringt Leistung, Ersatzteilversorgung und Werkstattkompetenz mit, die kein Kleinhersteller selbst aufbauen könnte.
Die Werks-Trikes: Can-Am und Harley-Davidson
Zwei Motorradkonzerne führen Trikes im regulären Programm. Beide verkaufen ausschließlich über eigene Vertragshändler, einen Online-Kaufweg gibt es für diese Fahrzeugklasse nicht.
Can-Am (BRP)
Der kanadische Konzern BRP fährt die breiteste Palette der Branche, durchgehend mit zwei Rädern vorn. Für das Modelljahr 2026 stehen vier Baureihen im deutschen Programm:
| Baureihe | Charakter | Motor | Preis ab |
|---|---|---|---|
| Ryker | Einstieg, offen, CVT-Automatik | Rotax 600 ACE (50 PS) oder 900 ACE (82 PS) | 11.099 € |
| Spyder F3 | Cruiser mit gestreckter Sitzposition | Rotax 1330 ACE, 85,8 kW (115 PS) | 26.399 € |
| Canyon | Adventure-Ausrichtung, seit 2026 | Rotax 1330 ACE | 27.899 € |
| Spyder RT | Tourer mit Verkleidung und Gepäck | Rotax 1330 ACE, 85,8 kW (115 PS) | 34.299 € |
Der Ryker ist dabei der Sonderfall: Mit 11.099 Euro startet er weit unter allem anderen, was in Deutschland als fabrikneues Motorrad-Trike mit Werksgarantie zu haben ist.
Harley-Davidson
Harley-Davidson baut Trikes seit knapp zwei Jahrzehnten und hat die Baureihe für das Modelljahr 2026 komplett neu aufgestellt. Im Programm stehen Road Glide 3, Street Glide 3 Limited und CVO Street Glide 3 Limited, alle mit zwei Rädern hinten.
Die technisch interessanteste Änderung sitzt an der Hinterachse. Harley ersetzt die bisherige starre Konstruktion durch eine De-Dion-Hinterachse, die den Federweg auf 89 Millimeter verdoppelt und die ungefederte Masse um rund 30 Kilogramm senkt. Angetrieben wird der Road Glide 3 vom Milwaukee-Eight VVT 117 mit 1.923 cm³, 78 kW (105 PS) bei 4.600/min und 175 Nm bei 3.250/min. Das Fahrzeug wiegt fahrbereit 537 Kilogramm und kostet in Deutschland ab 38.900 Euro. Ein elektrischer Rückwärtsgang gehört zum Serienumfang, bei diesem Gewicht eher Pflicht als Komfort.
Neigetechnik: Piaggio und Yamaha
Zwischen Motorrad und Trike steht eine eigene Gattung. Zwei eng nebeneinander stehende Vorderräder hängen an einem Parallelogramm und legen sich mitsamt Fahrzeug in die Kurve. Wie diese Neigetechnik arbeitet, unterscheidet sich deutlich von der starren Achse eines klassischen Trikes.
Piaggio ist hier der bestimmende Anbieter und baut die MP3 seit 2006. Die dritte Generation kam im Juni 2022, aktuell laufen Varianten von 125 cm³ bis 530 cm³, die Leistung reicht von 15 PS bis 44,2 PS. Die 530er trägt mit Blind-Spot-Warnung, Spurwechselassistent und Rückfahrkamera ein Assistenzpaket, das man im Zweiradbereich selten findet. Welche Variante sich mit welchem Führerschein fahren lässt, klärt der Ratgeber zur Piaggio MP3 mit Autoführerschein.
Yamaha bietet die Tricity als Roller mit dem hauseigenen System Leaning Multi Wheel an, in den Hubraumklassen 125 und 300. Das größere Motorrad-Modell Niken mit Dreizylinder blieb eine Episode und ist aus dem Programm verschwunden.
Pkw-ähnliche Dreiräder: Polaris und Morgan
Die letzte Gruppe fährt sich wie ein offener Sportwagen und bleibt rechtlich trotzdem in derselben Fahrzeugklasse. Der Polaris Slingshot hat zwei Sitzschalen nebeneinander, ein Lenkrad und Sicherheitsgurte. Genau diese Gurte ändern eine Pflicht, die sonst für Trikes gilt: § 21a Abs. 2 StVO nimmt Fahrer aus, die vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt haben, deshalb entfällt hier die Helmpflicht.
Morgan aus England stellte im Februar 2022 den Super 3 vor, nachdem das Vorgängermodell 3 Wheeler Ende 2021 ausgelaufen war. Das Fahrzeug ist in Europa erhältlich und bedient eine ausgesprochen klassische Nische. Beide Fahrzeuge stehen dem Auto mit drei Rädern näher als dem Motorrad.
Was die Herstellerwahl für Ersatzteile bedeutet
Bei einem Fahrzeug, von dem in Deutschland ein paar Tausend Exemplare fahren, ist die Teileversorgung ein echtes Kaufkriterium. Die Lage unterscheidet sich je nach Gruppe erheblich.
- Werks-Trikes hängen am Händlernetz des Herstellers. Solange die Marke das Modell führt, ist die Versorgung unproblematisch, danach gelten die üblichen Fristen der Fahrzeugindustrie.
- Manufaktur-Trikes sind zweigeteilt. Motor, Getriebe und Bremsanlage stammen aus dem Pkw-Regal von VW, Porsche oder Ford und bleiben über den freien Teilehandel verfügbar, oft jahrzehntelang. Fahrzeugspezifisch sind Rahmen, Karosserie, Hinterachsaufhängung und Anbauteile, und genau dort wird es bei einem aufgegebenen Hersteller eng.
- Aufgegebene Hersteller sind deshalb kein Ausschlusskriterium, wenn jemand den Teilebestand übernommen hat. Der Fall Boom Trikes ist dafür das Musterbeispiel.
Wer ein gebrauchtes Trike einer Marke ins Auge fasst, die es nicht mehr gibt, klärt vor dem Kauf zwei Dinge: Wer führt heute die fahrzeugspezifischen Teile, und welche Werkstatt in erreichbarer Entfernung arbeitet an dieser Bauart. Die laufenden Kosten eines Trikes hängen ohnehin stärker an der Werkstattfrage als an Steuer und Versicherung, wie die Aufstellung der Unterhaltskosten zeigt.
Fazit: drei Fragen führen zum passenden Hersteller
Die Herstellerwahl entscheidet sich selten am Namen. Sie entscheidet sich an drei Punkten. Erstens die Radanordnung: Zwei Räder vorn fährt sich in Kurven berechenbarer, zwei Räder hinten bringen den schweren Tourer sauber auf die Straße. Zweitens die Fertigungsart: Wer Garantie, Händlernetz und einen festen Preis will, landet bei Can-Am oder Harley-Davidson. Wer das Fahrzeug bis zur Sitzbanknaht selbst bestimmen möchte, landet bei rewaco, WK-Trikes oder AK-Trike. Drittens die Leistung, die von 15 PS beim dreirädrigen Roller bis über 200 PS beim Manufaktur-Trike reicht.
Wer zwischen diesen Wegen noch schwankt, fährt am günstigsten erst einmal beide Bauformen. Wo und zu welchen Konditionen das geht, steht im Ratgeber zum Trike mieten.
Häufige Fragen
Welche Trike-Hersteller gibt es in Deutschland?
Serienhersteller im eigentlichen Sinn ist nur noch rewaco in Lindlar, das rund 500 Fahrzeuge im Jahr baut. Daneben arbeiten kleine Manufakturen in Einzelfertigung, darunter WK-Trikes in Aubstadt mit rund 150 Fahrzeugen im Jahr und AK-Trike, das seit 2014 unter dem Modellnamen Only One fertigt. Boom Trikes aus Sontheim an der Brenz war der zweite große Name der Branche und hat den Geschäftsbetrieb zum 30. Juni 2022 eingestellt.
Welche Marken bauen Motorrad-Trikes ab Werk?
Zwei Motorradkonzerne führen Trikes im regulären Programm. Can-Am von BRP baut die Baureihen Ryker, Spyder F3, Spyder RT und seit dem Modelljahr 2026 den Canyon, alle mit zwei Rädern vorn. Harley-Davidson führt für 2026 den Road Glide 3, den Street Glide 3 Limited und den CVO Street Glide 3 Limited mit zwei Rädern hinten. Beide verkaufen ausschließlich über eigene Vertragshändler.
Baut Boom Trikes noch Fahrzeuge?
Nein. Die BOOM TRIKES Fahrzeugbau AG hat den Geschäftsbetrieb zum 30. Juni 2022 eingestellt. Die Fahrzeuge selbst bleiben fahrbar und zulassungsfähig. Die Ersatzteilversorgung lief weiter, weil das Unternehmen trike.company am 1. November 2022 den Lagerbestand samt technischen Zeichnungen und Fertigungsunterlagen übernommen hat.
Was ist der Unterschied zwischen einem Werks-Trike und einem Manufaktur-Trike?
Das Werks-Trike von Can-Am oder Harley-Davidson ist ein durchtypisiertes Serienfahrzeug mit EG-Typgenehmigung, Werksgarantie und einem Händlernetz dahinter. Das Manufaktur-Trike entsteht in Einzelfertigung nach Kundenwunsch, oft auf Basis von VW- oder Ford-Technik, und braucht je nach Ausführung eine eigene Begutachtung. Dafür lässt sich dort fast jedes Detail bestimmen.
Welcher Hersteller baut die stärksten Trikes?
Die Spitzenwerte liegen bei den deutschen Manufakturen. rewaco gibt für seine Fahrzeuge eine Spanne von 51 kW (70 PS) bis 148 kW (201 PS) an, AK-Trike nennt für die Basisversion seines Modells Only One 211 PS. Die Werks-Trikes bleiben darunter: Can-Am erreicht mit dem Spyder 85,8 kW (115 PS), Harley-Davidson mit dem Milwaukee-Eight VVT 117 rund 78 kW (105 PS).
Zählen Piaggio und Yamaha zu den Trike-Herstellern?
Sie bauen dreirädrige Fahrzeuge, allerdings mit Neigetechnik und in Rollerform. Die Piaggio MP3 und die Yamaha Tricity tragen zwei eng stehende Vorderräder an einem Parallelogramm und legen sich wie ein Motorrad in die Kurve. Fahrerisch ist das eine eigene Gattung, rechtlich fallen sie je nach Leistung ebenfalls unter die dreirädrigen Kraftfahrzeuge.
Wie viele rewaco-Trikes fahren in Deutschland?
Zum 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 2.714 rewaco-Trikes zum Straßenverkehr zugelassen. Das entspricht 0,1 Prozent aller zwei- und dreirädrigen Krafträder. Die Zahl zeigt die Größenordnung der gesamten Nische: Trikes bleiben auch beim Marktführer ein Fahrzeug für wenige Tausend Halter.
Was passiert mit Ersatzteilen, wenn ein Trike-Hersteller aufhört?
Das hängt daran, ob jemand den Teilebestand übernimmt. Bei Boom Trikes ging das gut aus, weil trike.company Lager, Zeichnungen und Unterlagen gekauft hat. Kritisch sind fahrzeugspezifische Teile wie Rahmenanbauteile, Karosserie und Hinterachsbauteile. Motor und Getriebe stammen bei den Manufaktur-Trikes aus dem Pkw-Regal und bleiben über den Teilehandel verfügbar.