Trike mit Dach: Welche Dreiräder Wetterschutz bieten

Ein Dach über dem Trike ist die Ausnahme. Welches Serienfahrzeug eines hat, was sich nachrüsten lässt und warum ein Dach die Helmpflicht nach § 21a StVO nicht aufhebt.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Der Dauerwind ist das ehrlichste Argument gegen das Trike. Ohne Verkleidung sitzt der Fahrer im offenen Luftstrom, und bei Regen wird aus der Ausfahrt schnell eine Frage der Bekleidung. Wer daraufhin nach einem Trike mit Dach sucht, stößt auf ein überraschend kleines Angebot und auf einen rechtlichen Irrtum, der sich zäh hält.

Was tatsächlich mit Dach gebaut wird

Im Bereich der dreirädrigen Kraftfahrzeuge führt die Suche zu einem Hersteller. Der italienische Anbieter Adiva baut den AD3, einen Dreiradroller mit zwei neigbaren Vorderrädern und einem Dachsystem über dem Fahrer. Zur Ausstattung gehören laut Datenbankangaben eine Windschutzscheibe mit Scheibenwischer und Waschdüsen sowie ein integriertes Topcase mit 90 Litern Volumen. Die Baureihe läuft seit 2019 in Europa, Adiva unterhält ein Servicenetz, das auch Deutschland einschließt.

Das Modellfeld umfasst mehrere Varianten. Der AD3 300 und der stärkere AD3 400 bilden die dreirädrige Linie, der AD1 200 kam 2018 als kompakteres Modell dazu. Bei den Dachlösungen unterscheiden sich die Modelle: Für den AD3 300LT weist die Datenbank ein fest montiertes Dach aus, während Adiva für andere Varianten ein modulares Faltdach nennt. Vor einem Kauf lohnt deshalb die Frage, welche Dachvariante das konkrete Fahrzeug trägt.

Bei den klassischen Motorrad-Trikes sieht die Lage anders aus. Rewaco, Boom und Can-Am bauen ihre Fahrzeuge offen. Im Zubehörhandel finden sich Windschilder für Rewaco-, Boom- und WK-Lenker sowie Abdeckplanen für den Stand, ein Dachsystem für die Fahrt gehört nicht dazu.

Der Adiva AD3 300LT in Zahlen

Weil der AD3 das einzige breit dokumentierte Serienfahrzeug dieser Art ist, lohnt der genaue Blick auf die Daten.

MerkmalWert
MotorEinzylinder, Viertakt, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum299 cm³
Leistung21,4 kW (29,4 PS) bei 7.750/min
Drehmoment30 Nm bei 6.250/min
GetriebeAutomatik mit Riemenantrieb
FahrzeugklasseL5e
Länge × Breite × Höhe2.180 × 700 × 1.759 mm
Sitzhöhe700 mm
Trockengewicht202 kg
Zuladung150 kg
Tankinhalt12,2 l
Verbrauch4,4 l/100 km (Werksangabe)
Bremsekombiniertes Bremssystem (CBS), ohne ABS
VorderachseParallelogramm, bis 40 Grad Neigung

Werte laut der Motorraddatenbank von Motorrad und Reisen für das Modelljahr 2020.

Zwei Angaben verdienen Aufmerksamkeit. Die Höhe von 1.759 Millimetern zeigt, was ein Dach mit einem Zweiradkonzept macht: Das Fahrzeug baut höher als ein Kleinwagen, bei einer Breite von nur 700 Millimetern. Und die Leistung von 21,4 kW liegt über der 15-kW-Schwelle, an der § 6 Abs. 3a FeV das Mindestalter von 21 Jahren auslöst.

Das Kürzel LT steht für Large Tread und bezeichnet die verbreiterte Spur der Vorderräder. Diese Spurweite ist der Grund, warum das Fahrzeug als dreirädriges Kraftfahrzeug der Klasse L5e läuft und damit über die Klasse B fahrbar wird. Warum ein Zentimeter Spurweite die Führerscheinfrage entscheidet, erklärt der Ratgeber zur Piaggio MP3 mit Autoführerschein, wo dieselbe Regel greift.

Angetrieben wird der AD3 über ein Automatikgetriebe mit Riemen, also ein CVT. Wie diese Bauart arbeitet und welche Trikes sie ebenfalls nutzen, steht im Ratgeber zum Trike mit Automatik.

Drei Seitenansichten eines Fahrers mit Windschild, mit Dach und in einer geschlossenen Kabine. Markiert ist jeweils, welche Körperzonen geschützt bleiben und ob nach § 21a StVO Helmpflicht besteht.

Warum Trikes ohne Dach gebaut werden

Der Verzicht auf ein Dach hat konstruktive Gründe, und sie erklären, warum das Angebot so klein bleibt.

  1. Schwerpunkt. Ein Dach bringt Masse über Kopfhöhe. Bei einem Fahrzeug, dessen Fahrverhalten vom niedrigen Schwerpunkt und der breiten Hinterachse lebt, arbeitet jedes Kilogramm weiter oben gegen die Auslegung.
  2. Seitenwind. Eine geschlossene Fläche über dem Fahrer wirkt als Segel. Bei einem 700 Millimeter breiten Fahrzeug wie dem AD3 fällt das stärker auf als bei einem Auto, weshalb Adiva die Vorderachse mit Doppelquerlenkern und Parallelogramm aufwendig ausführt.
  3. Zulassung. Ein Dach verändert Abmessungen, Sichtfeld und Schwerpunkt und muss deshalb Teil der Typgenehmigung sein. Ein Hersteller entwickelt es also von Anfang an mit, statt es später anzubieten.
  4. Der Markenkern. Das offene Fahren ist für viele Käufer der Anlass, überhaupt ein Trike zu wählen. Ein Dach richtet sich an eine andere Zielgruppe, nämlich an Pendler mit Wetterschutzbedarf.

Was ein Dach im Alltag bedeutet

Die Datenblattwerte des AD3 verraten mehr über das Fahren als über die Technik, sobald man sie in Alltagsgrößen übersetzt.

Die Bauhöhe von 1.759 Millimetern liegt über der eines Kleinwagens. Für Tiefgaragen mit der verbreiteten Durchfahrtshöhe von zwei Metern bleibt Luft, bei alten Garagentoren und beim Transport auf einem offenen Anhänger wird die Zahl zur Rechengröße. Wer einen Transport plant, prüft sie vorab gegen die Durchfahrten auf der Strecke.

Der Scheibenwischer ist ein Hinweis auf ein konstruktives Detail. An einer offenen Scheibe drückt der Fahrtwind das Wasser über die Oberkante hinweg. Sobald ein Dach darüber sitzt, entsteht auf der Scheibe ein stehender Wasserfilm, und die Sicht verlangt eine mechanische Lösung. Aus demselben Grund führt Adiva Waschdüsen im Datenblatt, ein Bauteil, das an einem Motorrad-Trike niemand erwartet.

Die Breite von 700 Millimetern hält das Fahrzeug schmal wie einen Roller. Damit bleibt der Vorteil im Stadtverkehr erhalten, den ein Kleinwagen mit Dach nicht bietet: Parken auf Motorradflächen und Durchkommen an engen Stellen.

Die Zuladung von 150 Kilogramm ist der engste Wert im Datenblatt. Zwei Personen mit Gepäck erreichen diese Grenze schnell, weshalb das Fahrzeug in der Praxis eher als Pendlerlösung für eine Person mit Gepäck im 90-Liter-Topcase taugt.

Der Seitenwind bleibt die Größe, die sich nicht wegkonstruieren lässt. Eine Dachfläche über einem 700 Millimeter breiten Fahrzeug wirkt bei Böen als Angriffsfläche, besonders auf Brücken und bei Überholvorgängen neben Lkw. Die neigbare Vorderachse mit Doppelquerlenkern fängt das ab, verlangt vom Fahrer aber dieselbe Aufmerksamkeit wie auf jedem schmalen Fahrzeug.

Was sich nachrüsten lässt

Zwischen offenem Fahren und einem Dach liegt eine Stufe, die im Zubehörhandel gut versorgt ist: das Windschild. Für Rewaco-, Boom- und WK-Lenker sind Scheiben in gängigen Klemmmaßen von 28 und 32 Millimetern erhältlich. Sie lenken den Fahrtwind über den Oberkörper und nehmen dem Regen die Wucht von vorn.

Rechtlich ist dabei der Anbau die entscheidende Frage. Änderungen, die Abmessungen, Sichtfeld oder Fahrverhalten berühren, fallen unter § 19 Abs. 2 StVZO. Bauteile mit Teilegutachten oder allgemeiner Betriebserlaubnis sind darum die sichere Wahl, alles andere führt zur Einzelabnahme beim Sachverständigen. Für ein vollwertiges Dach am Motorrad-Trike fehlen im Zubehörmarkt entsprechende Freigaben, was die Nachrüstung praktisch ausschließt. Wie eine Einzelabnahme abläuft und was sie kostet, behandelt der Ratgeber zum Trike-Umbau.

Bleibt die dritte Stufe: wetterfeste Bekleidung. Für mehrstündige Fahrten bei Nässe trägt sie die Lösung, weil sie den Fahrer unabhängig von der Fahrzeugkonstruktion trocken hält.

Das Dach hebt die Helmpflicht nicht auf

Hier sitzt der häufigste Irrtum. Der Gesetzestext ist eindeutig:

Wer Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, muss während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen. Dies gilt nicht, wenn vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.

§ 21a Abs. 2 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

Der Satz nennt genau eine Ausnahme, und sie hängt am Gurt. Ein Dach über dem Kopf steht dort nicht. Solange die Seiten offen bleiben und für das Fahrzeug keine Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, bleibt der Helm für Fahrer und Mitfahrer Pflicht.

Das historische Gegenbeispiel zeigt, wie eng die Ausnahme gefasst ist. Der BMW C1 kam mit einem Dachbügel als Sicherheitszelle und mit Rückhaltesystem auf den Markt. Weil für dieses Fahrzeug Gurte vorgeschrieben waren und angelegt wurden, entfiel dort die Helmpflicht. Getragen hat die Ausnahme dabei das geprüfte Rückhaltesystem in Verbindung mit der Sicherheitszelle.

Die vollständige Systematik mit der Zuordnung nach Bauart steht im Ratgeber zur Helmpflicht beim Trike. Für den überdachten Dreiradroller lautet das Ergebnis: Dach ja, Helm trotzdem.

Der geschlossene Weg: Kabinenfahrzeuge

Wer echten Wetterschutz sucht, landet bei einem geschlossenen Aufbau. Diese Fahrzeuge fallen aus dem Wortlaut „offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge” heraus und damit auch aus der Helmpflicht.

Historisch trägt die Gattung den Namen Kabinenroller, das bekannteste Beispiel ist der Messerschmitt KR 200 der 1950er Jahre. Aktuelle Angebote tragen den Namen weiter, sind technisch aber häufig etwas anderes: vierrädrige Leichtfahrzeuge der Klasse L6e oder L7e mit Türen, Gurten und Heizung. Das Wort Roller im Namen führt hier in die Irre, weil der Aufbau eher einem Kleinstwagen entspricht. Die Abgrenzung der Bauformen und Klassen behandelt der Ratgeber zum Motorrad mit 3 Rädern.

Für Trike-Fahrer heißt das: Ein geschlossenes Fahrzeug ist verfügbar, es zählt dann allerdings zu den Kleinfahrzeugen mit eigener Fahrzeugklasse, eigener Zulassung und eigenem Fahrgefühl.

Dreiräder mit Dach ohne Motor

Abseits der Kraftfahrzeuge ist das Angebot größer. Für Liege- und Lastendreiräder existieren Verdecksysteme von Anbietern wie Veltop und Windwrap, die als Regen- und Sonnenschutz über dem Fahrer sitzen und sich abnehmen lassen. Weil ein Fahrrad kein Kraftfahrzeug ist, stellt sich die Helmfrage dort rechtlich nicht, und die Zulassungsfrage entfällt ebenfalls.

Diese Lösungen arbeiten am tretbaren Dreirad und lassen sich auf ein Motorrad-Trike nicht übertragen, weil Gewicht, Tempo und Windlast in einer anderen Größenordnung liegen.

Fazit

Ein Trike mit Dach gibt es, allerdings in einer engen Auswahl: Der Adiva AD3 ist das dreirädrige Serienfahrzeug mit Dachsystem, Scheibe und Wischer, homologiert als L5e und über die Klasse B ab 21 Jahren fahrbar. Die klassischen Motorrad-Trikes bleiben offen, und das Zubehör endet beim Windschild mit Gutachten.

Wer die Suche mit dem Gedanken an den Helm begonnen hat, findet die klarste Antwort im Gesetzestext: § 21a Abs. 2 StVO kennt nur den angelegten vorgeschriebenen Sicherheitsgurt als Ausnahme. Ein Dach verbessert den Komfort deutlich, an der Helmpflicht ändert es nichts.

Häufige Fragen

Gibt es ein Trike mit Dach?

Als Serienfahrzeug gibt es im dreirädrigen Bereich vor allem den Adiva AD3, einen Dreiradroller der Klasse L5e mit Dachsystem, Windschutzscheibe, Scheibenwischer und Waschdüsen. Die klassischen Motorrad-Trikes von rewaco, Boom und Can-Am werden ohne Dach gebaut. Dort endet das Zubehörprogramm beim Windschild.

Entfällt mit einem Dach die Helmpflicht?

Nein. § 21a Abs. 2 StVO knüpft die Helmpflicht an offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge über 20 km/h bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit und nimmt allein Fahrzeuge aus, bei denen vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind. Ein Dach ohne Gurte ändert daran nichts. Auf einem überdachten Dreiradroller bleibt der Helm deshalb Pflicht.

Welche technischen Daten hat der Adiva AD3 300LT?

Laut Datenbank von Motorrad und Reisen arbeitet im AD3 300LT ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder mit 299 Kubikzentimetern, 29,4 PS (21,4 kW) bei 7.750 Umdrehungen und 30 Nm bei 6.250 Umdrehungen. Das Trockengewicht liegt bei 202 Kilogramm, die Zuladung bei 150 Kilogramm, der Tank fasst 12,2 Liter. Die Kraft überträgt ein Automatikgetriebe mit Riemen, gebremst wird über ein kombiniertes Bremssystem ohne ABS.

Wofür steht das LT beim Adiva AD3?

LT bedeutet Large Tread und bezeichnet die verbreiterte Spur der beiden Vorderräder. Diese Spurweite ist die Voraussetzung für die Homologation als dreirädriges Kraftfahrzeug der Klasse L5e. Erst damit öffnet sich in Deutschland der Weg über die Klasse B, weil § 6 Abs. 3a FeV an die Fahrzeugklasse anknüpft.

Darf man ein Dach am Trike nachrüsten?

Ein Anbau, der die Fahrzeugabmessungen, das Sichtfeld oder das Fahrverhalten verändert, berührt die Betriebserlaubnis nach § 19 Abs. 2 StVZO. Ohne Teilegutachten, ABE oder Einzelabnahme riskiert der Halter das Erlöschen der Betriebserlaubnis. Windschilder werden deshalb mit Gutachten verkauft, für ein vollwertiges Dach fehlen im Trike-Zubehör entsprechende Freigaben.

Was ist der Unterschied zwischen Trike mit Dach und Kabinenroller?

Ein Dach schützt von oben und über die Scheibe von vorn, die Seiten bleiben offen. Ein Kabinenroller hat einen geschlossenen Aufbau mit Türen und fällt damit aus dem Wortlaut „offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge" in § 21a Abs. 2 StVO heraus. Aktuelle Kabinenfahrzeuge sind häufig vierrädrige Leichtfahrzeuge der Klasse L6e oder L7e, trotz des Namens.

Welcher Führerschein gilt für ein überdachtes Dreirad?

Bei einem Fahrzeug der Klasse L5e wie dem Adiva AD3 gilt dieselbe Regel wie bei jedem dreirädrigen Kraftfahrzeug: Die Klasse B berechtigt nach § 6 Abs. 3a FeV zum Führen im Inland, bei mehr als 15 kW Motorleistung erst ab 21 Jahren. Mit 21,4 kW liegt der AD3 300LT über dieser Schwelle, das Mindestalter von 21 Jahren greift also.

Schützt ein Windschild am Trike vor Regen?

Ein Windschild lenkt den Fahrtwind über den Oberkörper und nimmt dem Regen die Wucht von vorn, von oben bleibt der Fahrer ungeschützt. Die Wirkung hängt an Höhe und Neigung der Scheibe und daran, wie hoch der Fahrer sitzt. Für mehrstündige Fahrten bei Nässe bleibt wetterfeste Bekleidung die tragende Lösung.

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