Trike mit Automatik: Getriebearten, Modelle und Recht

Stufenlos, Halbautomatik oder Siebengang-Wandler: Welche Trikes ohne Kupplungshebel fahren, wie die drei Getriebearten arbeiten und was die Schlüsselzahl 78 im Führerschein bedeutet.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Wer vom Auto auf ein Trike umsteigt, sucht oft gezielt ein Fahrzeug ohne Kupplungshebel. Die gute Nachricht: In dieser Fahrzeuggattung ist die Automatik der Normalfall geworden. Die längere Antwort lohnt trotzdem, weil hinter dem Wort drei sehr verschiedene Techniken stecken und eine davon Folgen für den Führerschein hat.

Die drei Getriebearten im Überblick

Der Begriff Automatik deckt beim Trike drei unterschiedliche Bauarten ab. Sie unterscheiden sich darin, ob es feste Gänge gibt und wer die Gangwahl trifft.

BauartGängeGangwahlKupplung bedientBeispiel
CVT, stufenloskeineentfälltFliehkraft und RiemenCan-Am Ryker
Halbautomatik6Fahrer über SchaltwippenElektronikCan-Am Spyder F3, RT
Stufenautomatik7GetriebesteuerungGetrieberewaco PUR3, RF1
Handschaltung6Fahrer über FußhebelFahrer über HandhebelHarley-Davidson Tri Glide Ultra

Drei der vier Zeilen kommen ohne Zutun des linken Handhebels aus. Genau an dieser Grenze entscheidet sich auch die Frage, welches Fahrzeug die Fahrerlaubnis zulässt, und sie verläuft quer zur Frage, wer den Gang wählt.

Stufenlos: das CVT im Can-Am Ryker

Der Can-Am Ryker arbeitet mit einem CVT, einem stufenlosen Getriebe. Zwei Kegelscheibenpaare stehen sich gegenüber, zwischen ihnen läuft ein Riemen. Verstellt sich der Abstand der Scheiben, wandert der Riemen auf einen anderen Radius und das Übersetzungsverhältnis ändert sich. Feste Gänge existieren in dieser Bauart nicht.

Für den Fahrer bleibt damit genau eine Aufgabe: Gas geben und bremsen. Es gibt keinen Schalthebel, keine Schaltwippe und keine Kupplung. Dieselbe Technik treibt die dreirädrigen Roller an, etwa die Piaggio MP3 und den Adiva AD3, dort mit Riemenantrieb bis zum Hinterrad.

Das Fahrverhalten hat eine Eigenart, die Umsteiger bemerken: Die Drehzahl folgt der Gasstellung und bleibt bei Beschleunigung oft konstant hoch, während das Tempo steigt. Wer feste Gangwechsel gewohnt ist, empfindet das zunächst als ungewöhnlich. Wie sich der Ryker insgesamt einordnet, steht in der Rezension zum Can-Am Ryker.

Halbautomatik: sechs Gänge ohne Kupplungshebel

Die Can-Am Spyder F3 und RT nutzen laut Hersteller ein Sechsgang-Halbautomatikgetriebe mit Rückwärtsgang. Die Arbeitsteilung sieht so aus: Der Fahrer wählt den Gang über Schaltwippen am linken Lenkerende, die Elektronik öffnet und schließt die Kupplung dazu. Ein Steuergerät trennt beim Tastendruck den Kraftfluss, legt den nächsten Gang ein und schließt die Kupplung wieder.

Beim Anhalten schaltet das System selbständig herunter, sodass beim Anfahren wieder der erste Gang bereitsteht. Das Fahrzeug rollt im Stand nicht weg, weil die Kupplung geöffnet bleibt.

Diese Bauart hat einen praktischen Vorteil gegenüber dem CVT: Sie hält feste Übersetzungen, was das Fahrgefühl näher an ein Motorrad bringt, und sie erlaubt Motorbremsung über das Herunterschalten. Beides zählt bei einem Fahrzeug mit dem Gewicht und der Leistung eines Spyder. Die Details des Antriebs stehen in der Rezension zur Can-Am Spyder F3.

Siebengang aus der Autotechnik: die rewaco-Lösung

Die aktuelle rewaco-Generation geht einen dritten Weg. Unter dem Aufbau sitzt ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 110 PS (81 kW) oder 140 PS (103 kW) Turboleistung, dazu ein Siebengang-Automatikgetriebe von Punch Powertrain. Das ist Autotechnik, und sie arbeitet auch so: Die Getriebesteuerung wählt den Gang selbst, der Fahrer greift nicht ein.

Der Hersteller setzt dieses Getriebe serienmäßig über die gesamte Modellpalette ein, vom PUR3 GT über den PUR3 Explorer bis zum RF1 GT und RF1 ST-3. Damit gibt es bei rewaco derzeit keine handgeschaltete Alternative.

Frühere Baureihen kombinierten denselben Fahrzeugtyp mit einem CVT, das der Hersteller in seinen Bauplänen als ATM führt. Beim Gebrauchtkauf lohnt deshalb der Blick auf das Baujahr und die Getriebebezeichnung, weil beide Bauarten unter dem Wort Automatik verkauft wurden und sich im Fahrverhalten deutlich unterscheiden. Welche Hersteller in dieser Klasse überhaupt bauen, zeigt die Übersicht der Trike-Hersteller.

Drei Schemata des Kraftflusses von Motor zu Hinterrad für CVT, Halbautomatik und Handschaltung, jeweils mit den Bedienelementen am Lenker und die rechtliche Einordnung nach § 17a Abs. 5 FeV.

Wer noch von Hand schaltet

Die Handschaltung ist beim Trike in der Minderheit und weiterhin im Angebot. Die Harley-Davidson Tri Glide Ultra fährt mit einem Sechsganggetriebe, Kupplung am linken Handhebel, Schalthebel am linken Fuß. Der Milwaukee-Eight 114 liefert dazu 62 kW (84 PS) aus 1.868 Kubikzentimetern, das Fahrzeug wiegt fahrbereit 561 Kilogramm.

Bei Boom sind beide Wege verfügbar. Der Hersteller kombinierte seine Vierzylindermotoren traditionell mit einem Viergang-Schaltgetriebe und bietet daneben Vollautomatik-Varianten an, die im Gebrauchtmarkt regelmäßig als „Automatik” ausgeschrieben sind.

Für Umbauten gilt eine einfache Regel: Das Getriebe stammt vom Spenderfahrzeug. Ein Trike auf Basis einer Harley oder Honda Gold Wing behält die Schaltung des Motorrads, sofern der Umbausatz die Kraftübertragung nicht ersetzt. Wer ein umgebautes Fahrzeug ins Auge fasst, findet die rechtlichen und finanziellen Folgen im Ratgeber zum Trike-Umbau.

Was die Automatik für den Führerschein bedeutet

Hier liegt der Punkt, der in Foren regelmäßig für Verwirrung sorgt. Zwei Vorschriften greifen ineinander.

Zuerst § 6 Abs. 3a FeV:

Die Fahrerlaubnis der Klasse B berechtigt auch zum Führen von dreirädrigen Kraftfahrzeugen im Inland, im Falle eines Kraftfahrzeugs mit einer Motorleistung von mehr als 15 kW jedoch nur, soweit der Inhaber der Fahrerlaubnis mindestens 21 Jahre alt ist.

§ 6 Abs. 3a Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV)

Das Trike läuft also über die Klasse B mit. Damit wirkt jede Beschränkung dieser Klasse auch auf das dreirädrige Fahrzeug. Wer seine Prüfung auf einem Automatikfahrzeug abgelegt hat, trägt nach § 17a Abs. 1 FeV die Schlüsselzahl 78 im Führerschein, und die bedeutet nach Anlage 9 FeV wörtlich „Nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe”.

Was als Automatikfahrzeug gilt, klärt § 17a Abs. 5 FeV über den Umkehrschluss. Ein Schaltfahrzeug hat demnach entweder ein Kupplungspedal, „das der Fahrer jeweils beim Anfahren oder beim Anhalten des Fahrzeuges sowie beim Gangwechsel bedienen muss”, oder bei den Kraftradklassen einen Handkupplungshebel. Alles ohne diese Bedienelemente ist rechtlich ein Automatikfahrzeug.

Daraus folgt eine Einordnung, die für die Kaufentscheidung zählt:

FahrzeugKupplung für den FahrerMit Schlüsselzahl 78 fahrbar
Can-Am Ryker (CVT)keineja
Can-Am Spyder F3 und RT (SE6)keineja
rewaco PUR3 und RF1 (Siebengang)keineja
Harley-Davidson Tri Glide UltraHandhebelnein
Boom mit Viergang-SchaltgetriebeHandhebelnein

Die Halbautomatik der Spyder fällt damit auf die Automatik-Seite, obwohl der Fahrer die Gänge selbst wählt. Maßgeblich ist allein das fehlende Bedienelement für die Kupplung.

Wer die Beschränkung loswerden möchte, findet für die Klasse B seit April 2021 den Weg über die Schlüsselzahl 197: Prüfung auf Automatik plus zusätzliche praktische Ausbildung auf Schaltgetriebe, nachgewiesen über eine Bescheinigung nach Anlage 7 der Fahrschüler-Ausbildungsordnung (§ 17a Abs. 3 und 4 FeV). Steht die 78 schon im Führerschein, führt der Weg über eine erneute praktische Prüfung auf einem Schaltfahrzeug. Welche Klassen darüber hinaus zum Trike führen, steht im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.

Der Rückwärtsgang ist eine eigene Frage

Automatik und Rückwärtsgang werden häufig in einem Atemzug genannt, technisch sind es zwei getrennte Ausstattungen. Die Can-Am Spyder F3 und RT führen den Rückwärtsgang laut Hersteller im Halbautomatikgetriebe. Beim Ryker mit CVT gehört er nicht dazu.

Bei einem Fahrzeug von mehreren Hundert Kilogramm ist das die praktisch wichtigere Ausstattung. Ein Trike lässt sich nicht wie ein Motorrad zwischen den Beinen rangieren, und eine leichte Steigung im Rückwärtsgang genügt, um das Schieben unmöglich zu machen. Die Frage nach dem Rückwärtsgang gehört deshalb in jedes Verkaufsgespräch, unabhängig von der Getriebeart.

Was die Automatik im Alltag ändert

Drei Punkte fallen nach dem Umstieg auf:

  1. Anfahren am Berg. Die elektronisch betätigte oder hydraulische Kupplung übernimmt den Schleifpunkt, der bei einem schweren Fahrzeug mit Handkupplung Übung verlangt. Das nimmt der häufigsten Stresssituation für Umsteiger die Spitze.
  2. Stop-and-go. Im Stadtverkehr entfällt die linke Hand komplett, was auf langen Strecken und bei eingeschränkter Handkraft zählt. Genau das ist der Grund, warum viele Fahrer mit gesundheitlichen Einschränkungen gezielt zum Trike wechseln.
  3. Motorbremsung. CVT-Fahrzeuge bremsen im Schubbetrieb schwächer als ein Fahrzeug mit festen Gängen. Der Bremsweg wird damit stärker zur Aufgabe der Bremsanlage, was zum längeren Bremsweg eines Trikes hinzukommt. Wie sich das Fahren insgesamt vom Motorrad unterscheidet, behandelt der Ratgeber zum Trike fahren lernen.

Bei der Wartung gilt eine unspektakuläre Faustregel: Der Riemen eines CVT ist ein Verschleißteil mit eigenem Wechselintervall, eine Stufenautomatik braucht Getriebeöl nach Herstellervorgabe. Beides gehört in den Wartungsplan und ins Budget, das der Ratgeber zu den Trike-Preisen einordnet.

Fazit

Wer ein Trike ohne Kupplungshebel sucht, hat die größere Auswahl. Der Can-Am Ryker fährt stufenlos, die Can-Am Spyder mit Schaltwippen und elektronischer Kupplung, die aktuellen rewaco-Modelle mit einer Siebengangautomatik aus der Autoproduktion. Alle drei gelten nach § 17a Abs. 5 FeV als Automatikfahrzeuge und stehen damit auch Fahrern mit der Schlüsselzahl 78 offen.

Von Hand geschaltet wird vor allem bei der Harley-Davidson Tri Glide Ultra und bei Umbauten, die das Getriebe des Spenderfahrzeugs behalten. Vor dem Kauf lohnen deshalb zwei Blicke: einer in den eigenen Führerschein auf Spalte 12 und einer ins Datenblatt, ob neben der Automatik auch ein Rückwärtsgang verbaut ist.

Häufige Fragen

Welche Trikes haben eine Automatik?

Der Can-Am Ryker fährt mit stufenlosem CVT, die Can-Am Spyder F3 und RT mit einem Sechsgang-Halbautomatikgetriebe samt Rückwärtsgang. Die aktuellen rewaco-Modelle PUR3 GT, PUR3 Explorer, RF1 GT und RF1 ST-3 tragen laut Hersteller serienmäßig ein Siebengang-Automatikgetriebe von Punch Powertrain. Boom bietet neben der Handschaltung Vollautomatik-Varianten an. Von Hand geschaltet wird bei der Harley-Davidson Tri Glide Ultra mit sechs Gängen.

Ist die Can-Am Spyder eine echte Automatik?

Rechtlich ja. Die Gangwahl bleibt beim Fahrer, der über Schaltwippen am linken Lenkerende hoch- und herunterschaltet, die Kupplung betätigt dabei die Elektronik. Weil ein Handkupplungshebel fehlt, gilt das Fahrzeug nach der Definition in § 17a Abs. 5 FeV als Fahrzeug mit Automatikgetriebe. Ein Kupplungspedal oder Kupplungshebel gibt es nicht.

Darf ich mit Schlüsselzahl 78 ein Trike fahren?

Ja, solange das Trike ein Automatikgetriebe hat. Die Schlüsselzahl 78 bedeutet „Nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe" und hängt an der Fahrerlaubnisklasse. Weil die Klasse B nach § 6 Abs. 3a FeV auch zum Führen dreirädriger Kraftfahrzeuge berechtigt, wirkt die Beschränkung auf das Trike mit. Ein Fahrzeug mit Handkupplung wie die Tri Glide Ultra bleibt damit ausgeschlossen.

Wie werde ich die Schlüsselzahl 78 wieder los?

Für die Klasse B gibt es seit April 2021 den Weg über die Schlüsselzahl 197. Wer die Prüfung auf einem Automatikfahrzeug ablegt und zusätzlich eine praktische Ausbildung auf Schaltgetriebe absolviert, erhält nach § 17a Abs. 3 und 4 FeV die Schlüsselzahl 197 statt der Beschränkung. Bei einer bereits eingetragenen 78 führt der Weg über eine erneute praktische Prüfung auf einem Schaltfahrzeug.

Was ist der Unterschied zwischen CVT und Wandlerautomatik beim Trike?

Ein CVT arbeitet mit zwei verstellbaren Kegelscheibenpaaren und einem Riemen zwischen ihnen. Es kennt keine festen Gänge und verstellt das Übersetzungsverhältnis stufenlos, wie im Can-Am Ryker. Eine Stufenautomatik wie das Siebenganggetriebe der aktuellen rewaco-Modelle schaltet dagegen zwischen festen Übersetzungen und stammt aus der Autotechnik.

Haben Trikes mit Automatik einen Rückwärtsgang?

Nicht automatisch, das sind zwei getrennte Dinge. Die Can-Am Spyder F3 und RT haben laut Hersteller einen Rückwärtsgang im Halbautomatikgetriebe. Beim Ryker mit CVT gehört er nicht zum Getriebe. Bei einem Fahrzeuggewicht von mehreren Hundert Kilogramm ist der Rückwärtsgang beim Rangieren die wichtigere Ausstattung, deshalb lohnt die gezielte Frage danach vor dem Kauf.

Ist ein Automatik-Trike teurer?

Beim Einstieg nicht. Der Can-Am Ryker mit CVT ist mit einem Startpreis von 11.099 Euro laut BRP das günstigste Serien-Trike im deutschen Markt, während die handgeschaltete Tri Glide Ultra ab 46.600 Euro beginnt. Innerhalb einer Modellreihe kostet ein Automatikgetriebe dagegen Aufpreis, sofern der Hersteller überhaupt beide Varianten anbietet.

Warum baut rewaco nur noch Automatik?

Die aktuelle Generation nutzt einen 1,5-Liter-Vierzylinder aus der Autoproduktion mit 110 PS oder 140 PS Turboleistung. Zu diesem Antrieb gehört ein Siebengang-Automatikgetriebe von Punch Powertrain, das der Hersteller serienmäßig über alle Modelle einsetzt. Frühere Baureihen kombinierten denselben Fahrzeugtyp mit einem CVT.

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