Was kostet ein Trike? Neupreise, Gebrauchte und Umbau

Serien-Trikes starten bei 11.099 Euro und reichen bis über 46.000 Euro. Was Can-Am, Harley, Rewaco und Boom kosten, was der Gebrauchtmarkt verlangt und was ein Umbau aufruft.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Die Frage nach dem Preis hat beim Trike eine unangenehme Eigenschaft: Zwei der bekanntesten Hersteller beantworten sie nicht öffentlich. Wer bei Rewaco oder Boom nach einer Preisliste sucht, findet einen Konfigurator und die Adresse des nächsten Händlers. Trotzdem lässt sich die Spanne genau beziffern, weil andere Hersteller ihre Preise nennen und der Gebrauchtmarkt offen liegt.

Die Spanne in einem Satz

Ein fahrbereites Motorrad-Trike kostet neu zwischen 11.099 Euro und knapp 60.000 Euro. Die untere Grenze markiert ein einzelnes Fahrzeug, der Can-Am Ryker. Nach oben öffnet sich das Feld über die Touren-Trikes der Großserie bis zu den handgebauten Fahrzeugen der deutschen Manufakturen, bei denen Ausstattung und Lackierung den Endpreis mitbestimmen.

Diese Spanne ist größer als bei fast jeder anderen Fahrzeuggattung. Der Grund liegt in der Bauweise: Ein Trike ist entweder ein Großserienprodukt mit Typgenehmigung oder ein Einzelstück aus einer Manufaktur. Zwischen beiden liegt ein Preisunterschied vom Faktor vier.

Was die Serienhersteller verlangen

Can-Am und Harley-Davidson veröffentlichen Listenpreise für Deutschland. Damit ist dieser Teil des Marktes gut belegt.

ModellMotorLeistungPreis ab
Can-Am Ryker 600Rotax 600 ACE37,3 kW (50 PS)11.099 €
Can-Am Ryker 900Rotax 900 ACE61,1 kW (82 PS)11.099 €
Can-Am Ryker SportRotax 900 ACE61,1 kW (82 PS)14.899 €
Can-Am Spyder F3-SRotax 1330 ACE85,8 kW (115 PS)26.399 €
Can-Am Spyder F3 LimitedRotax 1330 ACE85,8 kW (115 PS)31.599 €
Can-Am Spyder RT LimitedRotax 1330 ACE85,8 kW (115 PS)34.299 €
Can-Am Spyder RT Sea-to-SkyRotax 1330 ACE85,8 kW (115 PS)36.199 €
Harley-Davidson Tri Glide UltraMilwaukee-Eight 11462 kW (84 PS)46.600 €

Preise laut Herstellerangaben von BRP und Harley-Davidson für den deutschen Markt, jeweils inklusive Mehrwertsteuer und ohne Überführung.

Die Tabelle zeigt zwei Sprünge. Der erste liegt zwischen Ryker und Spyder: Rund 11.500 Euro trennen den offenen Einsteiger vom kleinsten Spyder, obwohl beide vom selben Hersteller kommen. Bezahlt wird damit der größere Rotax-Dreizylinder, die aufwendigere Verkleidung und die Halbautomatik mit Rückwärtsgang. Der zweite Sprung führt zur Tri Glide Ultra, die als schwerstes Serien-Trike mit 561 Kilogramm fahrbereit eine eigene Klasse bildet.

Auffällig ist der Preis des Ryker: Beide Motorvarianten starten bei derselben Zahl. Wer die Leistung von 50 auf 82 PS hebt, zahlt im Grundpreis nichts dazu, was die Motorwahl zu einer reinen Charakterfrage macht. Wie sich die Leistung auf Tempo und Fahrverhalten auswirkt, behandelt der Ratgeber zur PS-Leistung von Trikes.

Rewaco und Boom: warum hier keine Zahl steht

Die beiden deutschen Trike-Hersteller arbeiten anders. Rewaco baut jedes Fahrzeug einzeln und lässt es über einen Konfigurator zusammenstellen, von der Motorvariante über die Sitzanlage bis zur Lackierung. Eine Preisliste existiert deshalb nicht, der Endpreis entsteht beim Vertragshändler. Boom hält es ebenso.

Die Größenordnung lässt sich trotzdem einkreisen. Für den US-Markt nannten Händler 2026 für die PUR3-Reihe Preise zwischen 47.900 und 59.350 Dollar. Im deutschen Markt wurde eine PUR3 GT in der 35th Anniversary Edition als Neufahrzeug mit 40.900 Euro angeboten. Beide Werte deuten in dieselbe Richtung: Ein neues Manufaktur-Trike beginnt dort, wo die Großserie endet.

Technisch erklärt sich das. Die aktuelle Rewaco-Generation trägt einen 1,5-Liter-Vierzylinder mit 110 PS oder 140 PS Turboleistung und ein Siebengang-Automatikgetriebe von Punch Powertrain. Das ist Autotechnik in einem Fahrzeug, das in kleiner Stückzahl entsteht. Wer wissen will, welche Hersteller in dieser Nische überhaupt bauen, findet die Übersicht im Ratgeber zu den Trike-Herstellern.

Preisachse von 0 bis 60.000 Euro mit drei übereinanderliegenden Bändern für Neufahrzeug, Gebrauchtmarkt und Umbau. Das Umbau-Band überlappt vollständig mit dem Gebrauchtmarkt-Band.

Der Gebrauchtmarkt: breiter als erwartet

Gebrauchte Trikes sind reichlich vorhanden, und ihre Preise streuen stark. Für Rewaco-Trikes listet mobile.de 43 Angebote in einer Spanne von rund 19.500 bis 42.000 Euro. Einzelbeispiele machen die Streuung deutlich: Ein RF1 von 2021 stand mit 25.000 Euro in der Liste, ein RF1 von 2019 mit 32.900 Euro und ein RF1 von 2025 mit 41.999 Euro.

Die Reihenfolge folgt dabei nicht allein dem Baujahr. Ein Rewaco von 2019 mit 16.100 Kilometern wurde mit 26.500 Euro angeboten, ein Fahrzeug von 2011 mit 119.000 Kilometern mit 23.990 Euro. Drei Faktoren erklären das:

  1. Ausstattung. Weil jedes Manufaktur-Trike individuell konfiguriert wurde, tragen zwei Fahrzeuge desselben Baujahrs unterschiedliche Motoren, Getriebe, Sitzanlagen und Anhängevorrichtungen. Der Neupreis lag entsprechend weit auseinander.
  2. Zustand statt Alter. Trikes werden überwiegend als Saisonfahrzeuge bei gutem Wetter bewegt. Laufleistungen unter 20.000 Kilometern sind auch bei zehn Jahre alten Fahrzeugen üblich, was das Baujahr als Preismaßstab schwächt.
  3. Kein Referenzpreis. Ohne veröffentlichte Neupreisliste fehlt dem Gebrauchtmarkt der Anker, an dem sich Abschläge messen ließen. Der Preis entsteht im Verhandeln.

Nach unten öffnet sich der Markt weiter, als die Rewaco-Spanne vermuten lässt. Bei 1000PS beginnen einzelne Trike-Anzeigen bei 1.400 Euro. Dahinter stehen alte Eigenbauten und reparaturbedürftige Fahrzeuge, bei denen Gutachten und Instandsetzung den eigentlichen Aufwand ausmachen.

Ein Punkt verdient beim Gebrauchtkauf besondere Aufmerksamkeit: die Papiere. Bei umgebauten Fahrzeugen gehört das Gutachten der Einzelabnahme zum Fahrzeug und sollte vorliegen. Was darin geprüft wurde und warum das Dokument zählt, erklärt der Ratgeber zum Trike-Umbau.

Der Umbau als dritter Weg

Wer ein vorhandenes Motorrad auf drei Räder bringen lässt, rechnet mit drei Posten. Für US-amerikanische Umbausätze kursieren Angaben um 25.000 Euro, wobei Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und die aufwendigere Begutachtung ohne europäische Freigaben dazukommen. Ein fertig umgebautes EML-Trike auf Basis einer Honda GL 1800 wurde als Vorführfahrzeug für 36.000 Euro angeboten. Das Vollgutachten nach § 21 StVZO kostet zwischen 125 und 480 Euro, bei aufwendigen Eigenbauten mit Vorbesprechung und Nachprüfung mehr. Für die Montage liegen die Werkstattstundensätze im Motorradbereich bei 110 bis 130 Euro.

Die Summe landet damit im Bereich eines gebrauchten Werks-Trikes, und genau das macht die Grafik oben sichtbar: Die drei Beschaffungswege überlappen sich auf der Preisachse fast vollständig. Wirtschaftlich trägt sich ein Umbau vor allem dort, wo das Basisfahrzeug einen persönlichen Wert hat, den ein anderes Fahrzeug nicht ersetzt.

Was zum Kaufpreis dazukommt

Zum Fahrzeugpreis kommen am Tag der Übergabe weitere Posten hinzu.

PostenGrößenordnungAnmerkung
Überführung und Zulassungeinige Hundert Euroje Händler und Zulassungsstelle unterschiedlich
Helm für Fahrer und Soziusab etwa 130 Euro je HelmPflicht nach § 21a Abs. 2 StVO auf offenen Trikes
Bekleidungdreistellig je PersonDauerwind ohne Verkleidung
Vollgutachten beim Umbau125 bis 480 Euronach § 21 StVZO, bei Eigenbauten mehr
Durchsicht beim GebrauchtkaufStundensatz 110 bis 130 Euroohne Garantie sinnvoll

Die Helmposition wird von Umsteigern aus dem Auto regelmäßig übersehen. Auf offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen über 20 km/h bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit gilt Helmpflicht, und sie trifft jeden Mitfahrer einzeln. Nur wo vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind, entfällt sie. Welche Bauart welche Regel trifft, steht im Ratgeber zur Helmpflicht beim Trike.

Was das Trike danach kostet

Nach dem Kauf beginnt der laufende Posten, und er fällt beim Trike höher aus als bei einem Motorrad gleicher Größe. Ursache ist die Kfz-Steuer: Krafträder zahlen nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG 1,84 Euro je angefangene 25 Kubikzentimeter, dreirädrige Kraftfahrzeuge nach Nr. 2b derselben Vorschrift 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter. Bei 1.868 Kubikzentimetern werden daraus 400,33 Euro im Jahr statt 138 Euro.

Dazu kommen Versicherung, Kraftstoff, Reifen, Wartung und die Hauptuntersuchung. Die vollständige Jahresrechnung mit Rechenweg je Posten steht im Ratgeber zu den Trike-Unterhaltskosten.

Welcher Weg zu welchem Budget passt

Aus den drei Beschaffungswegen ergibt sich eine klare Zuordnung:

Wer vor der Entscheidung erst einmal fahren möchte, findet die Konditionen der Vermieter im Ratgeber zum Trike mieten.

Fazit

Die Preisfrage hat beim Trike eine belastbare Antwort, obwohl zwei Hersteller sie offenlassen. Der Einstieg beginnt bei 11.099 Euro, das Feld der Touren-Trikes liegt zwischen 26.000 und 47.000 Euro, und der Gebrauchtmarkt deckt die Spanne von rund 19.500 bis 42.000 Euro ab. Der Umbau eines vorhandenen Motorrads spart dabei kein Geld, er verlagert es in Gutachten und Montage.

Wer ein Budget setzt, rechnet die Nebenkosten mit ein und wirft vor dem Kauf einen Blick auf die Kfz-Steuer. Der Steuersatz für dreirädrige Kraftfahrzeuge ist der Posten, der die Rechnung nach dem Kauf am deutlichsten verschiebt.

Häufige Fragen

Was kostet ein Trike neu?

Der Einstieg liegt beim Can-Am Ryker, für den BRP ab 11.099 Euro nennt. Darüber staffeln sich die Touren-Modelle: Can-Am Spyder F3-S ab 26.399 Euro, Spyder RT Limited ab 34.299 Euro, Harley-Davidson Tri Glide Ultra ab 46.600 Euro. Die deutschen Manufakturen Rewaco und Boom veröffentlichen keine Listenpreise, ihre Fahrzeuge liegen nach Marktangeboten im Bereich von etwa 40.000 Euro aufwärts.

Was kostet ein Trike-Motorrad gebraucht?

Für gebrauchte Rewaco-Trikes zeigt mobile.de eine Spanne von rund 19.500 bis 42.000 Euro über 43 Angebote. Ältere Fahrzeuge mit hoher Laufleistung beginnen darunter, einzelne Anzeigen bei 1000PS starten bei 1.400 Euro für reparaturbedürftige Exemplare. Der Preis hängt stärker am Zustand und an der Ausstattung als am Baujahr, weil viele Trikes Einzelstücke mit individueller Konfiguration sind.

Ist ein Trike-Umbau günstiger als ein Werks-Trike?

In der Regel nicht. Für US-amerikanische Umbausätze kursieren Angaben um 25.000 Euro, ein fertig umgebautes EML-Trike auf Basis einer Honda GL 1800 wurde als Vorführfahrzeug für 36.000 Euro angeboten. Dazu kommen das Vollgutachten nach § 21 StVZO mit 125 bis 480 Euro und Montagestunden zu 110 bis 130 Euro. Damit liegt der Umbau im Bereich eines gebrauchten Werks-Trikes.

Was kostet ein Motorrad mit drei Rädern im Unterhalt?

Der größte Einzelposten ist die Kfz-Steuer, weil dreirädrige Kraftfahrzeuge nach § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG mit 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter besteuert werden. Ein 1.868-Kubik-Motor kostet damit 400,33 Euro im Jahr statt 138 Euro als Kraftrad. Dazu kommen Versicherung, Kraftstoff, Reifen und Wartung.

Warum nennt Rewaco keine Preise?

Rewaco baut in Handarbeit und konfiguriert jedes Fahrzeug einzeln, vom Motor über die Sitzanlage bis zu Lackierung und Anhängevorrichtung. Der Endpreis entsteht deshalb erst im Konfigurator beim Vertragshändler. Für den US-Markt veröffentlichte Händler 2026 Preise zwischen 47.900 und 59.350 Dollar für die PUR3-Reihe, was die Größenordnung zeigt.

Was kostet ein Trike an Steuern?

Die Kfz-Steuer richtet sich nach dem Hubraum und beträgt für dreirädrige Kraftfahrzeuge 21,07 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter, sofern das Fahrzeug die Schadstoffgrenzwerte einhält und die Emissionsschlüsselnummer 09 oder 10 trägt. Andernfalls sind es 25,36 Euro. Ein Can-Am Spyder mit 1.330 Kubikzentimetern zahlt damit 295 Euro im Jahr.

Welche Nebenkosten fallen beim Trike-Kauf an?

Neben dem Fahrzeugpreis stehen Überführung und Zulassung auf der Rechnung, dazu die Erstausstattung. Weil auf offenen Trikes nach § 21a Abs. 2 StVO Helmpflicht gilt, gehören Helm und Bekleidung für Fahrer und Sozius dazu. Wer ein Fahrzeug ohne Garantie kauft, plant zusätzlich eine Durchsicht beim Fachbetrieb ein.

Gibt es Trikes unter 10.000 Euro?

Neu nicht. Der günstigste Serien-Trike im deutschen Markt ist der Can-Am Ryker ab 11.099 Euro. Unter 10.000 Euro finden sich ausschließlich Gebrauchtfahrzeuge mit hoher Laufleistung, ältere Eigenbauten oder dreirädrige Roller wie die Piaggio MP3, die technisch in einer anderen Klasse spielen.

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