Wie viel PS hat ein Trike? Leistungsklassen im Überblick

Von 15 bis über 200 PS: Welche Leistung Trikes wirklich haben, warum 20 PS eine Führerschein-Zahl ist und wie viel Tempo zusätzliche PS am Trike tatsächlich bringen.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Bei der Suche nach einem Trike stolpert man früh über eine PS-Zahl und hat sofort einen Vergleich im Kopf, meist den zum Motorrad oder zum Auto. Beide führen in die Irre. Ein Trike wiegt so viel wie ein Kleinwagen, steht dem Wind wie eine Schrankwand entgegen und trägt trotzdem ein Motorrad-Kennzeichen. Diese Übersicht ordnet die Leistungsklassen ein und sagt, was sie auf der Straße bedeuten.

Die Leistungsklassen im Überblick

Vier Gruppen teilen sich das Feld. Sie unterscheiden sich in Leistung, Bauart, Gewicht und Preisklasse zugleich.

KlasseTypische FahrzeugeLeistungCharakter
bis 20 PSYamaha Tricity 125, Piaggio MP3 12511 bis 15 PSdreirädrige Roller mit Neigetechnik, Stadtverkehr
25 bis 50 PSPiaggio MP3 300 bis 530, Can-Am Ryker 60026 bis 50 PSPendeln und Landstraße, moderate Fahrleistungen
80 bis 120 PSCan-Am Ryker 900, Spyder F3 und RT, Harley Road Glide 3, rewaco mit Saugmotor82 bis 115 PSdie Mitte des Markts, Touren mit Sozius und Gepäck
ab 140 PSrewaco Turbo, WK-Trikes, AK-Trike, Boom Fighter (bis 2022)140 bis 211 PSManufaktur-Trikes mit aufgeladenen Pkw-Motoren

Auffällig ist die Lücke. Zwischen dem stärksten dreirädrigen Roller mit 44,2 PS und dem schwächsten Motorrad-Trike mit 50 PS liegt kaum etwas, und unterhalb von 50 PS gibt es überhaupt kein Fahrzeug mit klassischer Trike-Karosserie. Das hat einen Grund, und der ist rechtlicher Natur.

Warum 20 PS eine Führerschein-Zahl ist

Wer nach einem Trike mit 20 PS sucht, sucht in aller Regel nach etwas anderem: nach einem Fahrzeug unterhalb der 15-Kilowatt-Grenze. 15 kW entsprechen 20,4 PS, und an dieser Marke entscheidet sich in Deutschland, ab welchem Alter ein dreirädriges Kraftfahrzeug mit dem Autoführerschein gefahren werden darf.

§ 6 Abs. 3a FeV öffnet die Klasse B für dreirädrige Kraftfahrzeuge, verlangt oberhalb von 15 kW aber ein Mindestalter von 21 Jahren. Parallel dazu deckt die Klasse A1 nach § 6 Abs. 1 FeV dreirädrige Kraftfahrzeuge mit symmetrisch angeordneten Rädern bis 15 kW ab. Beide Regelungen treffen sich bei derselben Zahl, und deshalb taucht sie in Suchanfragen und Verkaufsanzeigen ständig auf. Wie die Klassen im Einzelnen greifen, steht im Ratgeber zum Trike mit Autoführerschein.

Für die Fahrzeugsuche heißt das: Die Grenze existiert, das passende Fahrzeug dazu kaum. Die Hersteller bauen keine gedrosselten Trike-Varianten für diese Klasse, weil ein Fahrzeug mit 600 Kilogramm Leergewicht und 20 PS fahrerisch wenig Freude macht.

Was unterhalb von 20 PS fährt

Das Feld unter der 15-kW-Grenze gehört den dreirädrigen Rollern. Sie tragen zwei eng stehende Vorderräder an einem Parallelogramm und legen sich in die Kurve, arbeiten also mit Neigetechnik statt mit starrer Achse.

Beide bleiben unter 15 kW und sind damit die einzigen dreirädrigen Fahrzeuge, die auch für jüngere Fahrer mit Klasse B in Frage kommen. Fahrerisch bleiben sie Roller mit allem, was dazugehört: Trittbrett, Sitzbank und Stauraum unter dem Sitz.

Der Einstieg: 26 bis 50 PS

Eine Stufe darüber wird das Angebot breiter. Die Piaggio MP3 deckt die Klasse in mehreren Hubraumstufen ab: Die 300er liefert 26,2 PS und erreicht damit rund 125 km/h, die aktuelle 310er 26,4 PS, die MP3 530 HPE kommt auf 32,5 kW (44,2 PS) bei 280 Kilogramm fahrbereitem Gewicht und 145 km/h Höchstgeschwindigkeit. Welcher Führerschein für welche Variante gilt, klärt der Ratgeber zur Piaggio MP3 mit Autoführerschein.

Das erste echte Motorrad-Trike dieser Klasse ist der Can-Am Ryker 600 mit dem Zweizylinder Rotax 600 ACE, 37,3 kW (50 PS) bei 7.300/min und 49,7 Nm. Bei 270 Kilogramm Trockengewicht ergibt das ein Fahrzeug, das in dieser Klasse überraschend antrittsstark wirkt.

Die Mitte des Markts: 82 bis 140 PS

Hier spielt sich der größte Teil des Angebots ab. Die Leistungen liegen dicht beieinander, die Fahrzeuge unterscheiden sich vor allem im Gewicht.

FahrzeugLeistungGewichtGewichtsangabe
Can-Am Ryker 90061,1 kW (82 PS)280 kgTrockengewicht
Can-Am Spyder F3-S85,8 kW (115 PS)408 kgTrockengewicht
Can-Am Spyder RT85,8 kW (115 PS)464 kgTrockengewicht
Harley-Davidson Road Glide 378 kW (105 PS)537 kgfahrbereit
rewaco RF1 (Saugmotor)81 kW (110 PS)rund 610 kgLeergewicht
rewaco RF1 Turbo103 kW (140 PS)622 kgLeergewicht

Die Gewichtsangaben stammen aus unterschiedlichen Systematiken und lassen sich deshalb nur eingeschränkt direkt vergleichen. Trockengewicht bedeutet ohne Betriebsflüssigkeiten, fahrbereit schließt Öl und einen vollen Tank ein. Die Größenordnung bleibt trotzdem eindeutig: Ein Manufaktur-Trike wiegt gut das Doppelte eines Can-Am Ryker.

Der Blick auf das Drehmoment lohnt hier mehr als der auf die PS-Zahl. Der Milwaukee-Eight VVT 117 im Road Glide 3 liefert 175 Nm schon bei 3.250/min, der Rotax 1330 ACE im Spyder 130,1 Nm bei 5.000/min. Beim Trike zählt genau dieser Bereich, weil das Fahrzeug schwer ist und selten hochgedreht wird.

Warum mehr PS immer weniger Tempo bringen

Der aufschlussreichste Vergleich steckt in einer einzigen Baureihe. Die rewaco RF1 ST-2 gab es über die Jahre mit drei Leistungsstufen, gleiche Karosserie, gleiche Stirnfläche, ähnliches Gewicht.

Diagramm mit der Leistung in PS auf der waagerechten Achse von 0 bis 220 und der Höchstgeschwindigkeit in km/h auf der senkrechten Achse von 100 bis 300. Drei Messpunkte der Baureihe rewaco RF1 ST-2 sind durch eine flach ansteigende Kurve verbunden: 70 PS ergeben 145 km/h, 108,6 PS ergeben 165 km/h und 140 PS ergeben 175 km/h. Eine gestrichelte Gerade zeigt daneben, wo die Werte lägen, wenn das Tempo proportional zur Leistung stiege: bei 140 PS wären das 290 km/h. Die Fläche zwischen beiden Linien ist schraffiert und wächst nach rechts stark an. Als Einzelpunkt einer anderen Baureihe ist der Boom Fighter mit 200 PS und 216 km/h eingezeichnet.

Doppelte Leistung bringt am Trike rund ein Fünftel mehr Tempo: Der Luftwiderstand wächst schneller, als der Motor nachlegen kann.

Die Erklärung steckt in der Physik des Fahrwiderstands. Die zum Fahren nötige Leistung wächst ungefähr mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit. Wer 20 Prozent schneller fahren will, braucht damit rund 70 Prozent mehr Leistung. Rechnerisch für die RF1: Von 145 km/h auf 175 km/h ist ein Faktor von 1,21 in der Geschwindigkeit, also rund 1,76 in der Leistung. Aus 70 PS werden damit etwa 123 PS, und die eingetragenen 140 PS liegen genau in dieser Größenordnung.

Diese Regel lässt sich auch rückwärts anwenden. Ein Trike mit 20 PS läge nach derselben Rechnung bei rund 95 km/h. Das ist eine Abschätzung und kein Herstellerwert, weil es kein Fahrzeug dieser Bauart mit dieser Leistung gibt.

Die Aufladung verschiebt die Kurve, hebt sie aber nicht aus den Angeln. Der Boom Fighter mit 2,0-Liter-Turbo von Ford, 147 kW (200 PS) und 398 Nm bei 2.500/min erreichte 216 km/h und beschleunigte in 4,3 Sekunden auf 100 km/h. Boom bezeichnete ihn als schnellstes Serien-Trike der Welt. Verglichen mit der 140-PS-rewaco kostete das 43 Prozent mehr Leistung also 23 Prozent mehr Endgeschwindigkeit.

Das Leistungsgewicht: warum Trike-PS anders zählen

Der beste Beleg dafür, dass sich PS-Zahlen zwischen Trike und Motorrad nicht übertragen lassen, kommt aus dem Harley-Programm 2026. Zwei Fahrzeuge, ein Motor.

FahrzeugMotorLeistungGewicht fahrbereitkg je PS
Street Glide (Zweirad)Milwaukee-Eight 11778 kW (105 PS)368 kg3,5
Road Glide 3 (Trike)Milwaukee-Eight VVT 11778 kW (105 PS)537 kg5,1

169 Kilogramm Unterschied bei identischer Leistung. Das Trike schleppt die zweite Hinterradaufhängung, das Differenzial, die Karosserie und den Stauraum mit. Wer von einem Motorrad auf ein Trike umsteigt, rechnet deshalb am besten eine Leistungsklasse darüber. Wie sich das auf der Straße anfühlt, beschreibt der Ratgeber zum Trike fahren lernen.

Für die Manufaktur-Trikes fällt die Rechnung noch deutlicher aus. Die rewaco RF1 Turbo kommt mit 140 PS auf rund 4,4 Kilogramm je PS, der Boom Mustang Family wiegt leer 645 Kilogramm. Das sind Pkw-Verhältnisse, und genau deshalb arbeiten diese Fahrzeuge mit Pkw-Motoren.

Warum die Höchstgeschwindigkeit oft fehlt

Eine der häufigsten Fragen lässt sich beim Werks-Trike nicht aus dem Prospekt beantworten. Can-Am weist im Datenblatt des Ryker keine Höchstgeschwindigkeit aus, weder auf der deutschen Modellseite noch in den technischen Daten. Belegt sind nur zwei Randwerte: die Serienbereifung mit Geschwindigkeitsindex T, freigegeben bis 190 km/h, und ein Lernschlüssel im Zubehör, der den 900er elektronisch auf 90 km/h begrenzt.

Die verbindliche Zahl steht an einer anderen Stelle, nämlich in der Zulassungsbescheinigung Teil I in Feld T als bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit. Dieser Wert entscheidet unter anderem darüber, ob ein Fahrzeug auf die Autobahn darf, wie der Ratgeber zum Trike auf der Autobahn im Detail zeigt. Wer vor dem Kauf eine belastbare Zahl braucht, lässt sich vom Händler die Papiere zeigen.

Wo die Leistung im Fahrzeugschein steht

Zwei Felder der Zulassungsbescheinigung Teil I betreffen die Leistungsfrage direkt:

FeldInhaltWofür es zählt
P.2Nennleistung in kWFührerscheinklasse, Mindestalter, Versicherungseinstufung
Tbauartbedingte HöchstgeschwindigkeitAutobahnfreigabe, Einordnung als Kleinkraftrad

Die Umrechnung ist geradlinig: 1 kW entspricht 1,36 PS, umgekehrt entspricht 1 PS 0,7355 kW. Wichtig ist die Richtung der Prüfung. Prospekte und Verkaufsanzeigen nennen PS, Gesetze und Papiere rechnen in Kilowatt. Bei der 15-kW-Grenze macht das den Unterschied zwischen einer sauberen und einer falschen Auskunft, denn 20 PS liegen knapp unter der Grenze, 21 PS bereits darüber.

Fazit: erst das Gewicht, dann die PS-Zahl

Die Leistungsfrage beantwortet sich am Trike anders als am Motorrad. Drei Punkte tragen die Einordnung. Erstens ist 20 PS keine Fahrzeugklasse, sondern die Umrechnung einer Führerscheingrenze, zu der es am Markt praktisch kein passendes Trike gibt. Zweitens liegt die reale Spanne der Motorrad-Trikes zwischen 50 und 211 PS, wobei sich der Großteil des Angebots zwischen 82 und 140 PS drängt. Drittens entscheidet das Verhältnis von Leistung zu Gewicht, und das fällt beim Trike durchgehend ungünstiger aus als beim Motorrad mit derselben Maschine.

Praktisch heißt das für die Fahrzeugsuche: Wer zwei Trikes vergleicht, stellt die PS-Zahl neben das Gewicht und schaut sich das Drehmoment bei niedriger Drehzahl an. Diese drei Werte zusammen sagen mehr über den Alltag aus als jede Endgeschwindigkeit. Welche Hersteller welche Leistungsklassen anbieten, sortiert die Übersicht der Trike-Hersteller.

Häufige Fragen

Wie viel PS hat ein Trike?

Die Spanne ist ungewöhnlich breit. Dreirädrige Roller mit Neigetechnik starten bei 11 bis 15 PS, die Werks-Trikes von Can-Am liegen zwischen 50 und 115 PS, Harley-Davidson bringt 105 PS, und die deutschen Manufakturen reichen von 70 PS bis über 200 PS. Ein typisches Motorrad-Trike mit Pkw-Motor hat zwischen 100 und 140 PS.

Gibt es ein Trike mit 20 PS?

Als Serienfahrzeug praktisch nicht. 20 PS entsprechen knapp 15 kW, und diese Zahl stammt aus dem Fahrerlaubnisrecht. Unterhalb davon finden sich fast nur dreirädrige Roller wie die Piaggio MP3 125 mit 15 PS oder die Yamaha Tricity 125 mit 11 PS. Das günstigste Motorrad-Trike am deutschen Markt, der Can-Am Ryker 600, liegt mit 50 PS schon weit darüber.

Wie schnell fährt ein Trike mit 20 PS?

Einen belastbaren Herstellerwert gibt es dafür nicht, weil kein Motorrad-Trike in dieser Leistungsklasse gebaut wird. Als Anhaltspunkt dienen die dreirädrigen Roller: Die Piaggio MP3 300 HPE erreicht mit 26,2 PS rund 125 km/h. Ein schweres Trike mit Pkw-Karosserie käme bei 20 PS rechnerisch in den Bereich um 90 bis 100 km/h, weil es deutlich mehr Masse und Stirnfläche bewegen muss.

Wo steht die PS-Zahl im Fahrzeugschein?

In der Zulassungsbescheinigung Teil I steht die Nennleistung in Feld P.2, angegeben in Kilowatt. Für die Umrechnung gilt: 1 kW entspricht 1,36 PS. Für Führerschein und Versicherungseinstufung zählt allein dieser eingetragene Wert.

Warum geben viele Hersteller keine Höchstgeschwindigkeit an?

Weil sie dazu nicht verpflichtet sind und der Wert bei mehrspurigen Fahrzeugen von Bereifung, Übersetzung und Elektronik abhängt. Can-Am weist für den Ryker im Datenblatt keine Höchstgeschwindigkeit aus. Die verbindliche Zahl steht stattdessen als bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit in Feld T der Zulassungsbescheinigung Teil I.

Bringen mehr PS am Trike viel mehr Tempo?

Deutlich weniger, als die Zahlen vermuten lassen. Bei der rewaco RF1 ST-2 stehen 70 PS für 145 km/h und 140 PS für 175 km/h. Die Leistung verdoppelt sich, das Tempo steigt um 21 Prozent. Der Grund ist der Luftwiderstand: Die zum Fahren nötige Leistung wächst ungefähr mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit.

Sind 100 PS am Trike viel oder wenig?

Gemessen am Gewicht sind es moderate Fahrleistungen. Der Harley-Davidson Road Glide 3 wiegt fahrbereit 537 Kilogramm bei 105 PS, das sind gut 5 Kilogramm je PS. Dieselbe Maschine im zweirädrigen Street Glide bewegt nur 368 Kilogramm. Trike-PS und Motorrad-PS sind deshalb nicht direkt vergleichbar.

Welches ist das stärkste Serien-Trike?

Bei den deutschen Manufakturen liegen die Spitzenwerte. rewaco gibt für die Modellhistorie bis 148 kW (201 PS) an, AK-Trike nennt für die Basisversion seines Modells Only One 211 PS. Boom Trikes stellte 2017 den Fighter mit 2,0-Liter-Turbo, 200 PS und 216 km/h vor und bezeichnete ihn als schnellstes Serien-Trike der Welt, stellte die Produktion aber 2022 ein.

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