Trike mit 2, 3 oder 4 Sitzen: Was es wirklich gibt

Trikes fahren als Ein-, Zwei- und Dreisitzer, einen Viersitzer baut niemand. Welche Modelle wie viele Plätze haben, was in Feld S.1 steht und wo die Zuladung endet.

Motorrad-Trikes Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Die Frage kommt fast immer in derselben Reihenfolge. Erst: Passt noch jemand mit drauf? Dann: Und die Kinder? Und schließlich: Gibt es das auch mit vier Sitzen? Die Antworten stehen zum Teil in den Prospekten der Hersteller und zum Teil in den Fahrzeugpapieren, und sie fallen eindeutiger aus, als die Vielfalt des Marktes vermuten lässt.

Wie viele Sitzplätze ein Trike haben kann

Die Sitzanordnung folgt der Bauform. Ein Motorrad-Trike wird über einen Lenker gefahren, der Fahrer sitzt deshalb mittig und allein. Alles, was dazukommt, sitzt dahinter.

AusführungWo die Mitfahrer sitzenTypische Fahrzeuge
Einsitzerkein Mitfahrerplatz ab WerkCan-Am Ryker in der Basisausstattung
Zweisitzerein Sozius hinter dem FahrerCan-Am Spyder F3 und RT, Harley-Davidson Road Glide 3, rewaco RF1 ST
DreisitzerSitzbank für zwei Personen nebeneinanderrewaco RF1 ST-3, WK-Trikes Dreisitzer, Boom Mustang Family (bis 2022)
Viersitzerexistiert im Segment nichtkein Serienmodell
Vier schematische Draufsichten eines Trikes nebeneinander, jeweils mit einem Vorderrad oben und zwei Hinterrädern unten. Links der Einsitzer mit einem einzelnen Sitzfeld hinter dem Lenker. Daneben der Zweisitzer mit einem zweiten, schmalen Sitzfeld dahinter. In der Mitte rechts der Dreisitzer, bei dem hinter dem Fahrersitz eine durchgehende breite Bank für zwei Personen nebeneinander liegt. Ganz rechts ein ausgegrautes Feld mit gestrichelter Umrandung, in dem ein Fahrersitz und zwei Bankreihen untereinander liegen, also vier Plätze, über die ein rotes Kreuz gelegt ist. Unter jeder Draufsicht steht die zugehörige Eintragung in Feld S.1 der Zulassungsbescheinigung: 1, 2, 3 und keine.

Der Fahrer sitzt immer mittig hinter dem Lenker. Erweitert wird nach hinten, und mit der Sitzbank für zwei ist die Bauform am Ende.

Der Einsitzer: der Can-Am Ryker ab Werk

Ein Detail übersehen viele Interessenten beim günstigsten Werks-Trike des Markts. Der Can-Am Ryker kommt in der Basisausstattung als Einsitzer. Der Soziusplatz entsteht über das MAX-Paket, das Halterung, Sitz und Fußrasten umfasst und beim Basismodell zusätzlich zu Buche schlägt.

Für die Kaufplanung bedeutet das eine klare Rechnung. Wer von vornherein zu zweit fahren will, vergleicht zwei Wege: den Basis-Ryker ab 11.099 Euro plus die Soziusausstattung oder direkt den Ryker Sport ab 14.899 Euro mit umfangreicherer Serienausstattung. Zwischen beiden Ausführungen liegen rund 3.800 Euro, und die Differenz verschiebt sich je nachdem, welche Teile beim Händler dazukommen.

Der Zweisitzer: die Regel im Markt

Die überwiegende Mehrheit der Motorrad-Trikes fährt mit zwei Plätzen. Der Sozius sitzt hinter dem Fahrer, meist etwas erhöht, oft mit Rückenlehne und eigenen Fußrasten oder Trittbrettern.

Bei den Werks-Trikes ist diese Anordnung Standard. Der Can-Am Spyder F3 bringt zwei vollwertige Sitzplätze mit, beim F3 Limited gehört eine Beifahrer-Rückenlehne zum Serienumfang. Der Harley-Davidson Road Glide 3 ist ebenfalls für Fahrer und Beifahrer ausgelegt. Auch die deutschen Manufakturen bieten ihre Modelle in dieser Konfiguration an, rewaco führt die RF1 ST ausdrücklich als Zwei- und Dreisitzer.

Der Zweisitzer hat einen praktischen Vorteil, der sich erst auf Tour zeigt. Was beim Dreisitzer die Sitzbank belegt, bleibt hier Stauraum oder Zuladungsreserve. Beim Spyder F3 Limited stehen 139,5 Liter Stauraum zur Verfügung, beim Boom Mustang Family gab der Hersteller stattdessen 240 Liter Kofferraum für die dreisitzige Ausführung an, dafür mit drei Personen an Bord.

Der Dreisitzer: was die Sitzbank leistet

Die dreisitzige Ausführung ist der eigentliche Grund, warum Trikes in Familien landen. Hinter dem Fahrer liegt eine durchgehende Bank, auf der zwei Personen nebeneinander Platz finden.

Konkrete Breitenmaße nennen die Hersteller selten, die Entwicklungsrichtung lässt sich aber belegen. Für die Boom Mustang Family wurde die Sitzfläche gegenüber dem Vorgängermodell um rund 10 Zentimeter verbreitert und deutlich tiefer ausgeführt, dazu kam ein klappbarer Haltebügel, der den Ein- und Ausstieg erleichtert. Das Fahrzeug lief mit einem 1,6-Liter-Reihenvierzylinder von Ford, 160 Nm bei 4.000/min und 645 Kilogramm Leergewicht bei 3.590 Millimetern Länge.

Die Länge ist dabei kein Zufall. Eine Bank für zwei Personen verlangt Radstand, und der Radstand bestimmt, wie sich das Fahrzeug in engen Kurven anstellt. Wer vom Zweisitzer auf den Dreisitzer wechselt, merkt das beim Rangieren und beim Einparken deutlicher als auf der Landstraße.

Warum es keinen Viersitzer gibt

Die Suche nach einem Trike mit vier Sitzplätzen läuft im Motorrad-Trike-Segment ins Leere, und zwar bei allen Herstellern gleichzeitig. Boom Trikes baute seine Modelle mit einem bis drei Sitzplätzen, rewaco führt Zwei- und Dreisitzer, WK-Trikes bietet Dreisitzer-Ausführungen. Drei ist die Obergrenze.

Dafür kommen mehrere konstruktive Gründe zusammen:

Wer vier Sitzplätze sucht, sucht damit in Wahrheit eine andere Fahrzeugart. Infrage kommen mehrspurige Leichtfahrzeuge, Quads mit entsprechender Zulassung oder eben ein Pkw. Ein dreirädriges Fahrzeug mit vier Plätzen bleibt außerhalb der Serienfertigung.

Was rechtlich zählt: Feld S.1 und § 21 StVO

Die verbindliche Zahl steht nicht im Prospekt, sondern in den Papieren. In der Zulassungsbescheinigung Teil I trägt das Feld S.1 die zulässige Zahl der beförderten Personen einschließlich Fahrer. Welche weiteren Angaben dort stehen, ordnet der Ratgeber zur Fahrzeugklasse L5e ein.

Daran knüpft die Straßenverkehrs-Ordnung unmittelbar an. § 21 Abs. 1 Satz 1 StVO erlaubt in Kraftfahrzeugen nur so viele Personen, wie mit Sicherheitsgurten ausgerüstete Sitzplätze vorhanden sind. Satz 2 regelt den Fall, der die meisten Trikes betrifft: In Kraftfahrzeugen, für die Sicherheitsgurte nicht für alle Sitzplätze vorgeschrieben sind, dürfen so viele Personen befördert werden, wie Sitzplätze vorhanden sind.

Beim offenen Trike ohne Gurte zählt damit schlicht die Zahl der Sitzplätze aus Feld S.1. Zwei Folgerungen ergeben sich daraus:

  1. Ein Kind zählt als volle Person. Drei Kinder auf einer Bank, die für zwei zugelassen ist, sind unzulässig, auch wenn sie körperlich hineinpassen.
  2. Nachrüsten verlangt eine neue Eintragung. Wer einen Sitzplatz ergänzt, braucht die Anpassung in den Papieren. Ohne sie bleibt die Mitnahme unzulässig.

Rechtsstand ist September 2026.

Die Zuladung: die Grenze vor der Sitzplatzzahl

In der Praxis stößt man an eine zweite Grenze, oft früher als an die erste. Für die rewaco RF1 mit Turbomotor sind ein Leergewicht ab 622 Kilogramm und eine maximale Zuladung von 273 Kilogramm dokumentiert. Die Rechnung ist schnell gemacht:

PositionGewicht
Fahrer85 kg
zwei Mitfahrer170 kg
Summe Personen255 kg
verbleibende Zuladung18 kg

Achtzehn Kilogramm sind Helme, Jacken und eine kleine Tasche. Für Urlaubsgepäck reicht das nicht. Wer den Dreisitzer wirklich zu dritt und mit Gepäck nutzen will, prüft vor dem Kauf die Zuladung im Fahrzeugschein und rechnet das reale Reisegewicht durch. Bei den laufenden Kosten schlägt zusätzliches Gewicht ebenfalls durch, wie die Aufstellung der Unterhaltskosten zeigt.

Kinder auf der Rückbank

Für Mitfahrer unter zwölf Jahren gelten eigene Regeln, und sie hängen an derselben Frage wie die Sitzplatzzahl: Hat das Fahrzeug vorgeschriebene Sicherheitsgurte oder nicht.

Beim offenen Trike ohne Gurte greift § 21 Abs. 1b StVO. Kinder unter drei Jahren dürfen dort gar nicht befördert werden. Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr, die kleiner als 150 Zentimeter sind, müssen auf dem Rücksitz mitfahren. Dazu kommt die Helmpflicht nach § 21a Abs. 2 StVO, die für Mitfahrer genauso gilt wie für den Fahrer. Warum ein klassischer Kindersitz auf dem offenen Trike keine Lösung ist und welche Wege stattdessen bleiben, klärt der Ratgeber zum Kindersitz fürs Trike.

Fazit: die Sitzplatzfrage entscheidet sich vor dem Kauf

Drei Punkte tragen die Entscheidung. Erstens gibt es keinen viersitzigen Serien-Trike, die Obergrenze liegt bei drei Plätzen und wird von allen Herstellern gleichermaßen eingehalten. Zweitens ist der Sitzplatz ab Werk keine Selbstverständlichkeit: Beim Can-Am Ryker entsteht der zweite Platz erst über ein Zubehörpaket, das in die Kaufrechnung gehört. Drittens endet die Zuladung oft früher als die Sitzplatzzahl, und genau dieser Wert steht in denselben Papieren wie die Personenzahl.

Wer sich zwischen Zwei- und Dreisitzer entscheiden muss, beantwortet zwei Fragen ehrlich: Wie oft fährt die dritte Person wirklich mit, und was soll an Gepäck mit? Fällt die Antwort auf beides knapp aus, ist der Zweisitzer mit seinem größeren Stauraum meist das praktischere Fahrzeug. Welche Hersteller welche Ausführungen anbieten, sortiert die Übersicht der Trike-Hersteller.

Häufige Fragen

Gibt es ein Trike mit 4 Sitzplätzen?

Im Motorrad-Trike-Segment gibt es kein Serienfahrzeug mit vier Sitzplätzen. Die Hersteller enden geschlossen bei drei: rewaco bietet die RF1 ST als Zwei- und Dreisitzer an, WK-Trikes führt Dreisitzer-Ausführungen, und Boom Trikes baute seine Modelle mit einem bis drei Sitzplätzen. Wer vier Plätze braucht, landet bei einer anderen Fahrzeugart.

Wie viele Personen dürfen auf einem Trike mitfahren?

Maßgeblich ist die eingetragene Sitzplatzzahl in Feld S.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I. § 21 Abs. 1 Satz 2 StVO erlaubt in Fahrzeugen, für die Sicherheitsgurte nicht für alle Sitzplätze vorgeschrieben sind, so viele Personen wie Sitzplätze vorhanden sind. Ein Kind zählt dabei als vollwertige Person.

Ist der Can-Am Ryker ein Ein- oder Zweisitzer?

Der Ryker kommt ab Werk als Einsitzer. Der Soziusplatz entsteht erst über das MAX-Paket mit Halterung, Sitz und Fußrasten, das beim Basismodell separat dazukommt. Beim Ryker Sport ist die Ausstattung umfangreicher. Wer von Anfang an zu zweit fahren will, rechnet diese Position in den Kaufpreis ein.

Wie breit ist die Rückbank eines Dreisitzer-Trikes?

Konkrete Breitenmaße weisen die Hersteller selten aus. Belegt ist die Entwicklungsrichtung bei Boom Trikes: Für die Mustang Family wurde die Sitzfläche gegenüber dem Vorgängermodell um rund 10 Zentimeter verbreitert und deutlich tiefer ausgeführt. Zwei Erwachsene nebeneinander sind damit vorgesehen, sitzen aber enger als im Auto.

Reicht die Zuladung für drei Personen plus Gepäck?

Sie wird knapp. Für die rewaco RF1 mit Turbomotor sind ein Leergewicht ab 622 Kilogramm und eine Zuladung von 273 Kilogramm dokumentiert. Drei Erwachsene mit je 85 Kilogramm verbrauchen davon 255 Kilogramm, für Gepäck bleiben rechnerisch 18 Kilogramm. Die Sitzplatzzahl ist damit nicht die einzige Grenze.

Dürfen Kinder auf der Rückbank eines Trikes mitfahren?

In Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurte dürfen nach § 21 Abs. 1b StVO Kinder unter drei Jahren gar nicht befördert werden. Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr, die kleiner als 150 Zentimeter sind, müssen auf dem Rücksitz mitfahren. Dazu kommt die Helmpflicht nach § 21a Abs. 2 StVO, die auch für Mitfahrer gilt.

Warum sitzt der Fahrer beim Trike allein vorn?

Weil die Bedienung vom Motorrad stammt. Lenker, Handbremshebel und Fußrasten setzen eine mittige Sitzposition voraus, und der Tank oder der Stauraum sitzt davor. Eine zweite Person neben dem Fahrer gibt es nur bei den pkw-ähnlichen Dreirädern mit Lenkrad und Sitzschalen wie dem Polaris Slingshot.

Steht die Sitzplatzzahl im Fahrzeugschein?

Ja, in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld S.1 als zulässige Zahl der beförderten Personen einschließlich Fahrer. Wird ein Sitzplatz nachgerüstet, muss die Eintragung angepasst werden. Ohne passende Eintragung ist die Mitnahme einer weiteren Person unzulässig, auch wenn körperlich Platz wäre.

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